04.12.2019 - 17:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schlafstadt Neunkirchen aufwecken

Der Ausblick ist prächtig. Doch die Aussichten sind für die "Schlafstadt" Neunkirchen nicht so rosig. Der Wandel vom Dorf zum Stadtteil ist nicht gelungen. Die Defizite, aber auch Wünsche und Chancen macht das "Analyse-Gespräch" deutlich.

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die in der Dorfgemeinschaft organisierten Vereine und Verbände schieben an, wollen eine "Dorferneuerung" im besten Sinne des Wortes erreichen. Das Baudezernat ist im Boot. Es gibt Aussicht auf Städtebaufördermittel, wenn die geplanten Maßnahmen auch umgesetzt werden. Als sachkundiger Begleiter des Verfahrens hat Baudezernent Oliver Seidel das Ingenieurbüro von Markus Rösch aus Gebenbach eingeschaltet. Um zu erkunden, was wirklich in Neunkirchen nötig ist, kamen am Mittwochabend auf Einladung von Renate Jahreis, die die Dorfgemeinschaft führt, zwei Dutzend Bürger ins Pfarrgemeindehaus.

Nachwuchs in Vereinen fehlt

Mit der Eingemeindung nach Weiden (schon 1972) hat das Dorf Neunkirchen, selbst viele Jahre älter als die Stadt selbst, die ehedem funktionierenden Strukturen eines Dorfes verloren. Aus den einst 150 Bürgern ist eine "Schlafstadt" mit 1500 Bewohnern geworden. Neubürger schätzen die Lage. Viele bringen sich jedoch nicht mehr in die Dorfgemeinschaft ein, bleiben am liebsten anonym.

Soziale Strukturen drohen wegzubrechen: Den drei Dutzend Vereinen und Verbänden, viele kirchlich geprägt, fehlt der Nachwuchs. Auch Feuerwehr und Schützenverein müssen rudern. Die beiden Gaststätten haben bereits aufgegeben und sind verkauft. Der "Dorfladen" wackelt, dürfte mit der Verrentung der überaus engagierten Eigentümerin in einigen Jahren ebenfalls wegbrechen. Der ÖPNV, tagsüber gut getaktet, ruht ab 20.31 Uhr. Wie aus der Stadt zurückkommen?, fragt nicht nur Simon Hoffmann, der sich als Oberministrant auch zum Sprecher der Jugend macht. Jeder ist und bleibt auf das Auto angewiesen. Es gibt nicht mal einen durchgängigen Radweg.

Keine Angebote

Zwei Feste im Jahr, eine Faschingsfeier, die Pfarrfeste, die Treffen bei der Feuerwehr und endlich ein Weihnachtsbasar, der übrigens alle Erwartungen übertraf. Aber das war's auch schon mit den Veranstaltungen im Dorf. Die Resonanz wäre wohl da, wenn es ein größeres Angebot gäbe. Aber: Was Spezielles für die Jugend? Fehlanzeige. Da ist es auch kein Trost, dass die Erwachsenen oder gar Senioren ebenfalls kein Angebot vorfinden. Es gibt keinen Jugendtreff, keine Dorfmitte, nichts, wo man - außerhalb der kirchlichen Einrichtungen - mal feiern könnte, klagt Hoffmann.

Die Neunkirchener Dorfjugend kennt sich nicht, verliert sich schon nach der Grundschule aus den Augen, weil sie "drunten in Weiden" die Schulbank drückt. Und wer studiert, "ist eh weg", kommt nie wieder. Denn es gibt keine Arbeitsplätze: Schlafstadt eben. Dennoch, schlafen ist nicht immer möglich: Der Durchgangsverkehr nimmt zu. Wann gibt's eine Umgehung?

Zwei Dutzend Neunkirchener sind beim "Analyse-Gespräch" dabei. Hoffmann überzeugt: Rösch bietet an, im Planungsverfahren sogar eine "Jugendwerkstatt" einzurichten. Zur Auftaktversammlung in etwa acht Wochen sind übrigens alle Neunkirchener geladen. Sie sollen den Input für die Bearbeitung der städtebaulichen Konzept liefern.

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