28.09.2020 - 16:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rote Zone rund ums Klinikum: Keine Drohnen mehr über Weiden?

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Der Helikopterlandeplatz auf dem Dach des Weidener Klinikums ist offiziell ein Flugplatz. In der Folge gilt in einem Umkreis von 1,5 Kilometern eine strikte Flugbeschränkung, inklusive Alt- und Innenstadt. Ein Problem für Drohnen-Piloten?

In der App "DFS Drohnen" der Deutschen Flugsicherung (DFS) ist ein Bereich mit 1,5 Kilometern Durchmesser rund um den Helikopter-Landeplatz am Klinikum Weiden rot markiert. Die Flugbeschränkungszone schließt die gesamte Innen- und Altstadt mit ein und geht weit darüber hinaus.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Drohnenflüge über einem Großteil Weidens sind unmöglich geworden", schrieb ein Drohnen-Pilot kürzlich in einer Facebook-Gruppe über die Flugbeschränkungszone im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um das Klinikum. Davon betroffen seien beispielsweise Imagefilme über Weidens Altstadt, Sehenswürdigkeiten oder Flüge in Teilen der Waldnaab-Auen. Ausnahmen würden nicht genehmigt. "Ich denke das ist jetzt ein echter Nachteil für Weiden", schrieb der Pilot. Doch ganz so streng wie geschildert stellt sich die Sachlage nach einer Nachfrage bei allen Beteiligten nicht dar.

Eva Maria Rauch von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit am Klinikum bestätigt, dass der im Oktober 2019 in Betrieb genommene Hubschrauberlandeplatz als "Hubschrauber-Sonderflugplatz" eingestuft wurde. Bei dem zuvor genutzten Landeplatz am Klinikum habe es sich um eine "Landestelle an Einrichtungen von öffentlichem Interesse" gehandelt. Martin Hartnagel, Sprecher der Regierung von Mittelfranken, erläutert: "Im Gegensatz zu einer Landefläche, die im Rahmen der Hilfeleistung für Personen unter den gleichen rechtlichen Voraussetzungen wie beispielsweise bei einer Landung auf der Autobahn nach einem Unfall beflogen werden darf, hat der luftrechtlich genehmigte Flugplatz auf dem Dach einen völlig anderen Status. Er dient zur dauerhaften Sicherstellung der Luftrettung am Klinikum Weiden. Durch die Lage auf dem Dach ist ein hindernisfreier An- und Abflug gewährleistet."

Denkbare Ausnahmen

Wer sich genauer mit den Regelungen der Luftverkehrsordnung beschäftigt, verliert sich schnell in Vorschriften und Bedingungen. Sie regeln grundsätzlich, "an welchen Stellen, mit welchen Abständen, in welchen Höhen und mit welchen Luftfahrtsystemen geflogen werden darf", erklärt Rauch. Dazu zähle beispielsweise, dass von Krankenhäusern generell ein Abstand von 100 Metern eingehalten werden muss. Diese Bestimmungen gelten auch für den Sonderflugplatz am Klinikum. Rauch spricht allerdings von einem "grundsätzlichen Verbot beziehungsweise einer Erlaubnispflicht von Drohnenflügen und ähnlichem in einem Radius von 1,5 Kilometern". In Ausnahmefällen wie zum Beispiel Events im Altstadtbereich oder Vermessungsarbeiten seien Genehmigungen denkbar. Das unter anderem für die Oberpfalz zuständige Luftamt Nordbayern der Regierung Mittelfranken habe im Rahmen einer Allgemeinverfügung genaue Regelungen für mögliche Ausnahmen festgehalten. Diese Bedingungen sowie weitere einschlägige gesetzliche Vorschriften müssten beachtet werden.

"Die Steuerer von unbemannten Luftfahrtsystemen benötigen unter anderem eine Registrierungsnummer, deren Zuteilung auf Antrag durch das zuständige Luftamt erfolgt. Seitens der Kliniken Nordoberpfalz AG wird im Regelfall versucht, den Einsatz von Drohnen innerhalb des Radius von 1,5 Kilometern zu ermöglichen, sofern die sicherheitsrelevanten Voraussetzungen erfüllt werden", so Rauch. Grundsätzlich nicht erlaubt würden Flüge im Ein- und Ausflugskorridor des Dachlandeplatzes sowie dauerhafte pauschale Genehmigungen. Einschränkungen könne es bei Genehmigungen unter anderem beim Einsatzort der Drohne und der Flughöhe geben. Rauch erklärt dies in einem Beispiel: "Befindet sich eine Drohne unterhalb der Plattformhöhe des Landeplatzes mit einer maximalen Höhe von 25 bis 30 Metern sowie außerhalb der Einflugschneise, ist die Erteilung einer Genehmigung denkbar." Entscheidend sei allerdings in jedem Fall eine umfassende und transparente Kommunikation zwischen dem Drohnen-Piloten und der Kliniken AG. "Diese umfasst eine zwingend nötige Besprechung jedes Einzelfalls vor dem geplanten Start der Drohne sowie eine ständige Erreichbarkeit des Drohnenpiloten während des Flugs. Erfolgt beispielsweise in der Nähe seines Standortes der An- oder Abflug eines Rettungshubschraubers, wird der Drohnenpilot umgehend kontaktiert und zur Landung angewiesen."

Wer sich über die Flugbeschränkungszone hinwegsetzt, muss mit harten Strafen rechnen. "Fühlt sich ein Hubschrauberpilot durch eine Drohne gefährdet, handelt es sich um einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr und es droht ein Ermittlungsverfahren gegen den Drohnenpiloten", erläutert Rauch. Martin Hartnagel weist auf das Vorliegen einer Straftat hin, wenn die Sicherheit des Luftverkehrs beeinträchtigt wird. Außerdem könnten privatrechtliche Schadensersatzansprüche in Betracht kommen. Laut Polizeisprecher Mario Schieder kann ein unerlaubter Flug in der 1,5-Kilometer-Zone eine Geldbuße bis zu 50 ┐000 Euro nach sich ziehen.

"Ich sehe dies als Chance"

Die komplexen Vorschriften sowie wenig Akzeptanz in der Bevölkerung lassen so manchen professionell arbeitenden Drohnen-Piloten zweifeln. "Selbst, wenn ich mich penibelst an alle Bestimmungen halte, steht es für mich kaum mehr in Relation, tagelang Genehmigungen einzuholen für ein paar Minuten Drohnenflug", schildert ein Pilot aus Weiden, der nicht namentlich genannt werden möchte. Auch André Benker, Geschäftsführer von Copterfilms in Weiden, kennt sich bestens aus mit den Vorschriften. Die Beschränkungszone rund ums Klinikum gefährde seine Selbstständigkeit nicht, im Gegenteil: "Ich sehe dies als Chance, nicht ständig von Anwohnern verurteilt zu werden, da nur noch Steurer in Weiden fliegen werden, die ihr Handwerk beherrschen. Das würde den Luftraum für uns sehr sicher gestalten." Markus Meister ist Geschäftsführer von Galileo ip, einer Vermessungsfirma aus Altenstadt/WN. Er hat bisher keine Einschränkungen auf die Arbeit seiner Firma durch die Beschränkungszone rund ums Klinikum festgestellt. "Sollten wir künftig Anfragen, welche sich in der neuen Zone befinden, erhalten, ist es unsere Aufgabe, mit anderen Messmethoden die gewünschten Daten zu erheben. Die Flugbeschränkungszone hat sicher ihren Sinn, und wenn es nötig ist, geht die Gesundheit beziehungsweise Sicherheit der Patienten und Helikopter sicher vor wirtschaftlichen Interessen Einzelner."

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André Benker , Inhaber von Copterfilms, ist beruflich auch mit großen Drohnen unterwegs.

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Hintergrund:

Wer erteilt eine Ausnahmegenehmigung?

Martin Hartnagel, Regierungssprecher von Mittelfranken, und Eva Maria Rauch von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Klinikum Weiden erklären, wie man eine Ausnahmegenehmigung für Flüge in der Flugbeschränkungszone rund ums Klinikum erhalten kann.

  • Wer eine Ausnahmegenehmigung für die 1,5-Kilometer-Zone rund ums Klinikum benötigt, muss sich als Nutzer einer sogenannten Allgemeinerlaubnis registrieren lassen. Die Registrierung kann man beim unter anderem für die Oberpfalz zuständigen Luftamt Nordbayern (Sachgebiet 25 der Regierung von Mittelfranken) in Nürnberg beantragen. Infos und Formulare findet man über die Suchbegriffe „Allgemeinerlaubnis Drohnen Oberpfalz“.
  • Nur, wenn die Voraussetzungen der Allgemeinverfügung erfüllt werden, kann der Steuerer eines unbemannten Luftfahrtsystems die zusätzlich erforderliche Erlaubnis des Flugplatzbetreibers, also der Kliniken Nordoberpfalz AG, einholen.
  • Wer rechtzeitig vor einem geplanten Flug die Zustimmung der Kliniken Nordoberpfalz AG, einholt, darf innerhalb des 1,5-Kilometer-Abstandsbereichs unbemannte Fluggeräte betreiben.
  • Im nächsten Jahr wird eine Änderung der entsprechenden EU-Verordnung erwartet, die eine neue Herangehensweise erforderlich machen kann. Der Umfang dieser Änderungen ist jedoch noch unklar.

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