05.08.2021 - 14:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ringen um Barrierefreiheit in Weidener Innenstadt

Das Ziel ist größtmögliche Barrierefreiheit. Um den Weg dahin, ohne hier zu viele Stühle zu kappen oder dort den Blick zum Schaufenster zu verbauen, ringen Stadt und Wirtschaft. Gastronomie und Einzelhandel sind sich dabei nicht einig.

Der Zugang zur Judengasse über die vorhandene Brücke bleibt in der Diskussion.
von Gabi EichlProfil

Nach der Bürgerversammlung Anfang Juli stellte die Stadt die sechs vorliegenden Varianten einer barrierefreien Innenstadt am Dienstagabend explizit Einzelhandel, Gastronomie und Anwohnern vor. Die nur etwa 15 Vertreter dieser Gruppen verlieren sich im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle, die meisten waren auch schon in der Bürgerversammlung.

Baudezernent Oliver Seidel betonte mehrfach, es handle sich zum aktuellen Zeitpunkt nur um eine „Ideensammlung“, aber noch längst nicht um ein fertiges Konzept. Der Stadtrat wolle keine Entscheidung treffen über die Bedürfnisse der Betroffenen hinweg, sagte Seidel. Und er kündigt für September eine erneute Veranstaltung an, in der dann die Politiker die heute vorgebrachten Argumente diskutieren würden. Die entscheidende Frage sei, welche Schwerpunkte man auf dem Weg hin zu einer bestmöglichen Barrierefreiheit setzen wolle. Seidel weist aber auch darauf hin, dass die vorgelegten Varianten solche seien, die sich anderswo schon bewährt hätten.

Wenn Platzansprüche kollidieren

Die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Jana Janota, kam schnell auf den Punkt, wenn sie feststellt, eine einfache Lösung sei schwierig, da es gelte, alle Platzansprüche unter einen Hut zu bringen. Platzansprüche vom Sonnenschirm des Cafés über den Werbeaufsteller des Einzelhändlers bis zur Ruhebank unter dem Baum.

Streitpunkt Brücke Judengasse

Das Brücklein zwischen Max-Reger-Park und Judengasse wird zum Reizthema. Seidel sagte, sollte es zu einer Lösung kommen, bei der diese Brücke für den Autoverkehr nicht mehr zugänglich sei, werde der Zugang etwa zu den Tiefgaragen der Anwohner über die Altstadt gelöst. Es seien aber durchaus Alternativen im Gespräch, die auch in Zukunft Autoverkehr über diese Brücke ermöglichten. Dies allein schon wegen der Rettungsdienste.

Eine Einzelhandels-Vertreterin vom Oberen Markt sagte, wenn die Brücke zur Judengasse für den Autoverkehr gesperrt werde, „dann haben Sie 120 Autos mehr in der Fußgängerzone“. Dieselbe Geschäftsfrau gab zu bedenken, dass Einzelhandel und Gastronomie doch recht unterschiedliche Interessen hätten. Ihr gehe es darum, dass man ihre Schaufenster sehe. Das bestätigte Dieter Weiß, der zwei Schuhgeschäfte in der Altstadt betreibt. Er sagte, wenn seine Läden von einer Außenbestuhlung der umliegenden Gastronomie zugebaut würden, müsse er sich überlegen, ob er seine Pachtverträge verlängere.

"Wohin mit den Schirmen?"

Sabine De Leo („Café Sicilia“) wandte sich wiederholt gegen Varianten, die die Außengastronomie beschränken. „Wohin mit den Schirmen?“, fragte sie. Und sie fragte weiter, wie sie ihr Café gewinnbringend betreiben solle, wenn ihr die Hälfte der Außensitzplätze weggenommen werde. „Wo sollen wir hin?“

Martin Sauer („Café Ristretto“ und „Vistretto Doppio“) wollte wissen: „Was ist der Plan für die Fußgängerzone in zehn Jahren?“ Darauf erwiderte Seidel, das könne niemand ernsthaft beantworten. Ziel sei im Moment, dass alle, die die Fußgängerzone nutzten, zufrieden seien, aber wie man dahin komme, stehe in den Sternen. Er wünsche sich, sagte Seidel, eine „größtmögliche Offenheit für die Entwicklung in der Zukunft“.

Behinderte "relevante Kunden"

Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Alexander Grundler, selbst Rollstuhlfahrer, schaltete sich immer wieder dazwischen. Er suchte zu verdeutlichen, dass es noch sehr viel mehr und ganz andere Behinderungen gebe als die, nicht auf zwei Beinen laufen zu können. Grundler appellierte, Menschen mit Beeinträchtigungen „als relevante Kundengruppe wahrzunehmen“. Und er wies darauf hin, dass ein zentraler Wunsch aller Behinderten-Verbände der sei, dass, ganz gleich, was heute oder morgen in einem Gebäude zu Hause sei, für Behinderte erreichbar gemacht werde.

Unbeantwortet blieb die Frage einer Anwohnerin, wie teuer die Variante sei, derzufolge in der gesamten Altstadt der Belag behindertengerecht ausgetauscht würde. Eine Variante, die die Stadt wegen zu hoher Kosten verworfen hat.

Bürger diskutieren barrierefrei Innenstadt in Weiden

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Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Alexander Grundler, appelliert, Menschen mit Beeinträchtigungen „als relevante Kundengruppe wahrzunehmen“.
Info:

Die umstrittensten Punkte

  • Brücke vom Max-Reger-Park zur Judengasse und die Frage, ob diese im Zuge eines barrierefreien Umbaus für den Autoverkehr gesperrt wird
  • Einschränkungen der Flächen für die Außengastronomie
  • Unterschiedliche Interessen von Gastronomie und Einzelhandel
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