11.04.2021 - 09:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Radwege-Konzept in Weiden: Planungen rollen an

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Die von Autospuren abgezweigten Radfahrstreifen in Weiden lösten anfangs viel Kritik aus. Inzwischen ist es relativ ruhig geworden um das Thema. Amberg plant nun ein ähnliches Modell – geht dabei aber noch einen Schritt weiter.

Nach vorne versetzte Haltelinien – wie hier am Adolf-Kolping-Platz – sollen für die Sicherheit der Radfahrer sorgen, wenn der Verkehr wieder anrollt.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zu wenig Raum für die Radfahrer, der Autoverkehr führt zu nahe an den Radspuren vorbei, was eine Gefährdung bedeute. So lauteten anfänglich die Kritikpunkte, insbesondere bei den am Adolf-Kolping-Platz und in der Sedanstraße eingeführten Radfahrstreifen. Mittlerweile gibt es laut Bürgermeister Lothar Höher jedoch "kaum Beschwerden. Die Fahrradstreifen wurden auf jeden Fall gut angenommen und können als Erfolg bezeichnet werden", wird er in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.

Die Nachbarstadt Amberg will in diesem Sommer einen Modellversuch starten, der noch um einiges weiter geht. Der komplette rechte Fahrstreifen des Altstadtrings zwischen Kreisverkehr und Ziegeltorplatz soll zur Fahrradspur werden. Außerdem wird der Mariahilfbergweg durch die Bahnunterführung hindurch und bis zum kleinen Kreisel ebenfalls Fahrradstraße. Hier sollen allerdings auch Rettungsfahrzeuge, Busse und Autoverkehr erlaubt sein, der aber nur in Richtung Krankenhaus. Das zuständige Baureferat greift damit eine zentrale Forderung aus dem Radverkehrskonzept der Stadt Amberg auf. Verkehrs- und Bauausschuss der Vilsstadt haben dem Modellprojekt bereits zugestimmt, das voraussichtlich ab diesem Sommer auf sechs Monate befristet laufen soll. Das letzte Wort hat der Stadtrat, der in seiner Sitzung am 19. April darüber entscheiden wird.

Alle Verkehrsarten betrachten

Und wie steht es um die Planungen in Weiden? Aktuell wird für die Stadt Weiden – laut Pressemitteilung – ein gesamtstädtisches Mobilitätskonzept erarbeitet, in dem alle Verkehrsarten betrachtet werden, also auch der Radverkehr. Mit einbezogen würden neue Ziele und Maßnahmen für die künftige Entwicklung des Radverkehrs in der Max-Reger-Stadt. Ergebnisse zu den neuen Zielsetzungen lägen derzeit noch nicht vor, doch die Bestandsanalyse sei bereits abgeschlossen. Das beauftragte Planungsbüro habe einerseits festgestellt, dass Weiden im Vergleich zu anderen Städten bereits über ein gut ausgebautes Radwegenetz verfüge, andererseits sehe es aber noch Entwicklungsbedarf.

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Weiden in der Oberpfalz

Eine große Herausforderung liege darin, Kfz- und Radverkehr miteinander in Einklang zu bringen, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt weiter. Dabei sei derzeit noch nicht geklärt, ob Schutzstreifen hier die beste Problemlösung seien. Unabhängig davon werde aber bei Neuplanungen weiterhin geprüft, ob die Markierung von Radschutzstreifen sinnvoll sei.

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Amberg

Was die Erfahrungen mit den bereits angelegten Radfahrstreifen betrifft, so verlautet aus dem Rathaus, dass diese vor allem in der Fahrradsaison gut angenommen würden. Auch die Autofahrer hätten sich auf die Veränderungen gut eingestellt. Die Stadt verhehlt aber nicht, dass vereinzelt neue Konflikte entstanden seien: "Zum Beispiel durch den Wegfall der Haltemöglichkeiten in der Sedan-/Dr.-Pfleger-Straße." Außerdem werde das Halte- und Parkverbot auf den Schutzstreifen nicht von allen Verkehrsteilnehmern beachtet. Dieses Problem trete vor allem auf begrenztem Raum häufig auf und sei deshalb bei der Anlage des Radwegs abzuwägen.

Hintergrund:

Radfahrschutzstreifen seit 2008

  • 2008 Anlage des ersten neuartigen Schutzstreifens für Radfahrer auf der Fahrspur der Vohenstraußer Straße stadteinwärts angelegt
  • Das Verkehrskonzept 2012 legt als Leitlinie fest, dass die fahrbahnnahe Führung des Radverkehrs mittel Schutzstreifen künftig bevorzugt werden soll, denn laut einhelliger Fachmeinung werde die objektive Sicherheit des Radverkehrs gestärkt, wenn dieser im Wegeverlauf präsent sei und vor allem in Knoten- und Einmündungsbereichen im Sichtbereich des motorisierten Verkehrs geführt werde.
  • Ein Großteil der Schutzstreifen in der Innenstadt wurde deshalb vor und nach der Umgestaltung des Adolf-Kolping-Platzes (2017) sowie der Dr.-Pfleger-/Sedanstraße (2019) umgesetzt.
Der Radfahrschutzstreifen in der Sedanstraße.
Allzu viel Raum bleibt den Radfahrern nicht, die – hier von der Christian-Seltmann-Straße – in den Adolf-Kolping-Platz einfahren. Die für Radler nach vorne versetzten Haltestreifen sollen ihnen mehr Luft und Sicherheit verschaffen.

 

 

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