09.07.2020 - 17:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Prozess wegen Menschenraub: 21-Jährige fühlt sich vor Gericht bedroht

Die Geschädigte sagt vor dem Landgericht Weiden aus. Es geht um ihre Schleusung nach Deutschland und die gewalttätige Zwangsehe, in der sie hier gelebt haben soll. Von ihrem Ex-Mann fühlt sie sich auch vor Gericht bedroht.

Das Landgericht Weiden tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Während die Geschädigte zu ihrer Schleusung von Syrien nach Deutschland befragt wurde, teilte sie mit, dass sie sich vom Angeklagten, ihrem Ex-Mann Khaled E., bedroht fühle. Er habe drohende Gesten in ihre Richtung gezeigt. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Gerhard Heindl nahm das zur Kenntnis und betonte, dass der Angeklagte bereits in den vergangenen Verhandlungstagen negativ aufgefallen sei, gerade in Anwesenheit der Geschädigten.

Am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen Ahmad E. und seinen Sohn Khaled E. stand die weitere Befragung der Geschädigten auf dem Plan. Es ging darum, wie sie mit Hilfe des Schwiegervaters nach Deutschland geschleust worden war. Die heute 21-Jährige berichtete, dass sich die Väter der beiden Familien, nach der Zwangsheirat mit Khaled E. im August 2017, darauf geeinigt hätten, dass sie nach Deutschland muss. „Ich war damit nicht einverstanden, weil ich ihn nicht kannte“, sagte sie.

Reise mit schwedischem Pass

Ihr Vater hätte sie mit dem Auto an die syrisch-türkische Grenze gebracht. Dort übernahmen Schleuser und brachten sie mit anderen Personen, darunter auch die Nichte des Angeklagten, bis nach Griechenland. Dort sei schließlich Ahmad E. zum ersten Mal selbst aufgetaucht. Er habe ihr Schmuck im Wert eines vierstelligen Betrags abgenommen. „Ich sollte mein Aussehen verändern, habe Linsen für die Augen bekommen. Bin mit einem schwedischen Ausweis gereist“, erzählt die 21-Jährige. Schon in Griechenland habe Ahmad viel organisiert, zum Beispiel in Athen eine Wohnung gemietet und Schleuser bezahlt.

In Begleitung des Angeklagten, dessen Nichte sowie zwei weiterer Personen gelangten sie über Albanien und Montenegro nach Kroatien. Dort wurden sie von zwei Fahrzeugen abgeholt. Eines davon sei der Opel des Angeklagten gewesen. Diesen habe Sohn Khaled in Weiden an einen Fahrer übergeben, der die Gruppe damit bis nach Österreich brachte. „Dort kaufte Ahmad ein Zugticket und wir fuhren bis nach Nürnberg“, sagte die junge Frau aus. Im Mai 2018 kam sie in Pressath an. Der Verteidiger von Ahmad E. brachte allerdings vor, dass sein Mandant während der Zeit der Schleusung eine Fortbildungsmaßnahme in Weiden machte.

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Geld mit Schleusungen verdient?

Das Gericht und der Staatsanwalt interessierten sich im Anschluss für die Rolle von Ahmad E. bei der Schleusung. Die Geschädigte sagte aus, dass sie auch während ihrem Aufenthalts in Pressath und Eschenbach von organisierten Schleusungen mitbekommen habe. „Ahmad war in mehrere Schleusungen involviert. Er hat damit sein Geld verdient. Es war seine Einnahmequelle“, erklärte die Geschädigte auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft. Er habe auch den Ausweis eines Sohnes verliehen, damit jemand einreisen könne. Dafür habe er Geld bekommen. Diese Informationen habe die 21-Jährige aufgeschnappt, als sie bei der Familie in Pressath und Eschenbach wohnte.

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Der Vormittag fand fast komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da es um die Anklagepunkte der Körperverletzung und Vergewaltigung während der Ehe mit Khaled E. ging. Lediglich die Einschätzungen des Gutachters Prof. Peter Betz von der Universität Erlangen-Nürnberg waren öffentlich. Er äußerte sich zu den Verletzungen der Frau. Allerdings belegen die Befunde den Ursprung der Verletzungen nicht klar. Der Prozess wird am 16. Juli fortgesetzt.

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Info:

So lautet die Anklage

Der Prozess gegen Ahmad E. und seinen Sohn Khaled E. vor dem Landgericht Weiden hat am 25. Juni begonnen. Ahmad E. soll für die Geschädigte die Schleusung von Syrien nach Deutschland organisiert und sie selbst aus Griechenland abgeholt haben. Bereits zuvor war sie mit seinem Sohn Khaled E. verheiratet worden. In der Oberpfalz begann für die heute 21-Jährige eine brutale Tortur, weil sie sich laut Anklage „nicht widerstandslos unterwerfen“ wollte. Sie soll von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt worden sein. Nach der Geburt eines Sohnes sollen die Angeklagten versucht haben die Frau zurück nach Syrien zu bringen. Der Schwiegervater soll sie unter falschem Vorwand in die Türkei gebracht haben. Von dort sollte sie zurück nach Syrien ohne ihren neugeborenen Sohn. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft den Männern daher Menschenraub in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger vor. Ahmad E. wird zudem die Einschleusung von Ausländern vorgeworfen. Seinem Sohn Khaled wird gefährliche Körperverletzung in insgesamt acht Fällen, zum Teil mit Bedrohung und Freiheitsberaubung, vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen sowie Vergewaltigung in vier Fällen vorgeworfen.

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