23.11.2020 - 15:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Programm 2020 wird nachgeholt: Weltstars lassen beim Förderkreis für Kammermusik in Weiden von sich hören

Auch das noch: Corona macht Weidener Musikliebhabern weihnachtliche Geschenkideen zunichte. Trotzdem bessern sich für Klassikfreunde die Aussichten.

Igor Levit (rechts), hier bei einem Max-Reger-Konzert mit Markus Becker (links) 2016, hat dem Förderkreis für Kammermusik zugesagt, Ende nächsten Jahres erneut in Weiden zu spielen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Covid-Pandemie hat dem Förderkreis für Kammermusik ausgerechnet die Jubiläumssaison zum 60-jährigen Bestehen zerhackt. Trotz eines ausgefeilten Hygienekonzepts fielen im Oktober und November zwei Konzerte flach, die sich gut verkauft und überregionale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten. Für das Münchner Kammerorchester und Igor Levit blieb die Max-Reger-Halle geschlossen.

Zumindest Superstar Levit will sein Gastspiel nachholen. "Er kommt im Dezember nächsten Jahres, der Tag steht noch nicht fest", freut sich Förderkreis-Vorsitzender Christoph Thomas. Für alle anderen Konzerte stehen die Termine 2021 inzwischen. Allerdings beginnt der Vorverkauf dafür nicht wie vorgesehen am 7. Dezember. Tickets als Bescherung am Heiligen Abend sind somit passé.

"Wir müssen kurzfristiger planen", erklärt Thomas die Hintergründe. Der Vorverkauf beginnt für alle Auftritte jeweils erst am Freitag zwei Wochen vor einem Konzert. "Dann wissen wir, ob wir mit einem normalen Sitzplan rechnen können oder das Konzert zweiteilen müssen." Mit dieser zweigleisigen Strategie will der Verein auf die jeweilige Coronalage reagieren. Sollten Auflagen für Veranstalter unumgänglich sein, wird das Konzert gesplittet. Damit seien auch die Künstler einverstanden. Konkret: Ein Ensemble spielt ein etwas verkürztes Programm um 18 Uhr und nochmals um 20 Uhr in der Reger-Halle. Die Einlasszeit ist um eine Viertelstunde verkürzt, es gibt keine Pause.

Kein Kontakt im und vorm Saal

Nach dem ersten Auftritt werden die Armlehnen desinfiziert und der Saal durchgelüftet. Sitzplatznummern auf den Rückenlehnen der Stühle sollen Besuchern sofort zeigen, wo sie hin müssen, so dass sie auf kürzestem Weg zum Platz kommen, ohne im Saal zu viel Kontakt mit anderen Zuhörern zu haben.

Zwei Treppen ins Kellergeschoss zu Garderobe und Toiletten sorgen dafür, dass es auch vorher und hinterher keinen Kreuzungsverkehr gibt. Gleiches gilt für den Eingangsbereich. Die 20-Uhr-Besucher dürfen erst rein, wenn der letzte 18-Uhr-Zuhörer draußen ist.

Orchester als Geburtstagsgeschenk

Freilich: Der Sektplausch in der Pause, das Wiedersehen alter Bekannter ist damit unmöglich. Doch vielleicht entspannt sich die Lage bis zum Auftakt Ende Februar ein bisschen - Stichwort Impfstoff. Dennoch: Selbst ohne den gewohnten Rahmen mit Smalltalk im Foyer bleibt ein musikalisches Angebot auf Großstadtniveau. "Das geht nur, wenn man guten Kontakt zu den Künstlern und Agenturen pflegt", sagt Thomas. Darum kümmert sich vor allem Harald Roth als künstlerischer Leiter. Er hatte 2013 mal einen Mittzwanziger nach Weiden gelotst, den damals vor allem Eingeweihte kannten. Heute ist er in der E-Musik eine Piano-Ikone wie Madonna in der Popwelt. Das Interesse an seiner Person und seinem Stil hat dieser Igor Levit den Weidenern nicht vergessen. Er kommt wieder.

Igor Levits unvergessenes Max-Reger-Konzert 2016

Der gute Name des Förderkreises ist in 60 Jahren so gewachsen, dass allein im vergangenen Jahr der Bayerische Rundfunk dreimal in der Max-Reger-Halle mitgeschnitten hat. Zwar wird der Verein nächstes Jahr schon 61 Jahre alt, das erste Konzert stieg aber einst erst im November 1961. Die "Musici di Roma" spielten damals im Josefshaus oder im Vereinshaus, so genau weiß das keiner mehr. Als Jubiläumskonzert beschenkt sich der Förderkreis 60 Jahre danach am 7. November 2021 mit einem international renommierten Orchester. Dessen Name wird noch nicht verraten.

Dass dies alles möglich ist, liegt daran, dass die Musikfreunde dieses Jahr kaum Ausgaben hatten. Bei den ausgefallenen Konzerten entstanden weder Honorar- noch Sachkosten. Zudem ist es sogar gelungen, 20 Neuzugänge zu werben. Der Mitgliederstand liegt nun bei 380 Personen.

Deren Beiträge und Spenden garantieren, dass der Eintritt selbst bei Weltstars wie Gidon Kremer oder Igor Levit bezahlbar bleibt. Noch etwas, dass sich vielversprechend anhört.

Hintergrund:

Die Weidener Meisterkonzerte 2021

  • Augustin Hadelich (Violine), Charles Owen (Klavier), 26. Februar: Ludwig van Beethoven, Leoš Janáček, Stephan Hartke, Maurice Ravel, Pablo de Sarasate
  • Alisa Weilerstein (Violoncello) mit dem Trondheim Solistene Kammerorchester, 28. März: Osvaldo Golijov,
    Peteris Vasks, Josef Haydn, Arnold Schönberg
  • Armida Quartett (Streicher) mit Jens Peter Maintz (Violoncello), 25. April: Leoš Janáček, György Ligeti,
    Franz Schubert
  • William Sabatier (Bandoneon) und Friedemann Wuttke (Gitarre), 10. Mai (Sonderkonzert in Zusammenarbeit mit dem Jazz-Zirkel Weiden): Tangos von Astor Piazzolla

Ein Interview mit Förderkreis-Gründer Hans Robert Thomas zum 90. Geburtstag

Mehr zu den Künstlern

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.