07.07.2020 - 11:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit Pinsel und Farbe durch den Wald

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Die nördliche Oberpfalz bietet eine Fülle an Wanderwegen. Um die Markierungen kümmern sich seit vielen Jahren die Wegewarte des Oberpfälzer Waldvereins. Einer von ihnen ist der Weidener Wolf Harbig.

Die Markierung weist dem Wanderer den Weg. Das rot-weiße Rechteck steht für den Dr.-Beck-Weg.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Seit 1993 ist Wolf Harbig Hauptschriftführer beim Oberpfälzer Waldverein, Hauptverein Weiden, seit 2008 betreut er zusätzlich noch etliche Wanderwege in der Region. Der 75-Jährige ist einer von fünf Hauptwegewarten. Zu seinem Aufgabengebiet gehören rund 200 Kilometer Wegstrecke. Dieses Ehrenamt hat er übernommen, als er vor zwölf Jahren in den Ruhestand ging. Vielen ist Harbig aus seiner aktiven beruflichen Zeit bekannt, denn er saß viele Jahre im Vorzimmer des Weidener Oberbürgerbürgers, war für Hans Bauer, Hans Schröpf und Kurt Seggewiß tätig. "Ich bin immer schon gerne wandern gegangen," erzählt Harbig. "So ist aus einem Hobby ein ehrenamtliches Engagement geworden." Zum Interview treffe ich mich mit dem Wegewart am nördlichen Ortsrand von Schirmitz. Nur wenige 100 Meter trennen uns von der Stadtgrenze Weiden. Zu Fuß zum Postkeller wäre es nur ein Katzensprung.

Wir marschieren an diesem Tag in eine andere Richtung. Vorbei an einem Weiher folgen wir der Markierung blauer Ring, ein Rundwanderweg, der über den Fischerberg führt. Schnell umschließt uns das satte Grün der Laubbäume, die links und rechts der Strecke stehen und mit ihrem Blätterdach reichlich Schatten spenden. Die Vögel zwitschern, es riecht nach Holz und Gras. "Unsere Landschaft ist so abwechslungsreich", schwärmt Harbig. "Das ist mir viel lieber, als beispielsweise die engen Täler in den Alpen." Schon bald gabelt sich der Weg. Der blaue Ring lotst uns weiter geradeaus. "Wenn Sie nach 200 bis 300 Meter keine weitere Markierung finden, dann sind Sie falsch gegangen", erklärt der Wegewart. Das könne schon mal vorkommen, dass man sich in der Gruppe verratscht und nicht auf die Zeichen achtet.

Neben dem blauen Ring gibt noch drei weitere Markierungen. Ein Schild verweist auf einen Wanderweg der Gemeinde Schirmitz, ein blaues Rechteck auf weißen Grund steht für den Ignatz-Mühlhofer-Weg, der von Weiden nach Leuchtenberg führt, und das geschwungene blaue S auf dem weißen Rechteck bedeutet, dass hier ein Zubringer zum Goldsteig verläuft. Früher habe man die Zeichen so auf den Baum gemalt, dass man sie erst sehen konnte, wenn man davor stand. "Jetzt markieren wir auf Sicht", erklärt er. Das heißt, die Markierung wird seitlich angebracht, so dass sie auch von weitem schon zu sehen ist.

Stahlbürste in der Hosentasche

Vorbei an einigen Ameisenhaufen, in denen es nur so wuselt, führt die Route weiter bergauf, bis wir nördlich von Bechtsrieth die B 22 überqueren. Auf der anderen Seite fällt dem versierten OWV-ler gleich ein Schild ins Auge, dass hinter hohem Gras kaum noch zu sehen ist. "Da komme ich mit dem Auto noch einmal her und bringe meine Sense mit", erklärt er. Seine weitere Ausrüstung, die notwendig ist, um die Markierungen zu überprüfen und ausbessern, passt in die Hosentasche oder kann getragen werden. Wir kommen zu einem Baum, an dem die aufgemalten Zeichen mit Moos überdeckt sind. Harbig zieht eine kleine Stahlbürste aus der Hosentasche. Mit drei bis vier energischen Bürstenstrichen ist das Moos entfernt. In der Tasche ist auch noch Platz für eine kleine Astschere, einen Pinsel und ein Schraubglas mit Farbe.

Wandern rund um Windischeschenbach

Windischeschenbach

Zu Ehren von Dr. Alfred Beck

Am Ende eines Getreidefeldes verlassen wir den blauen Ring. "Wir nehmen heute eine Abkürzung", sagt der Wegewart. Nachdem wir die Straße nach Mitterhöll überqueren haben, stoßen wir nach wenigen 100 Metern Richtung Norden auf den Dr.-Beck-Weg, markiert mit einem senkrechten roten Streifen auf einem weißen Rechteck. Dr. Alfred Beck war von 1928 bis 1936 erster Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins in Weiden. Aufgrund seiner Verdienste hat man einem Weg nach dem Oberstaatsanwalt und Landgerichtsrat benannt. Auf dem Dr.-Beck-Weg wandern wir Richtung Heilige Staude und treffen auf eine Kindergruppe des Waldkindergartens, die mit ihrer Erzieherin gerade einen Ausflug macht.

Für die Markierung verwendet der OWV Consolanfarbe. Das ist ein wasserlöslicher Anstrich, der, wenn er einmal trocken ist, durchaus sechs bis sieben Jahre halten kann. "Die Grundfarbe für die Markierungen ist meistens weiß, da weiß in der Natur nicht vorkommt und auffällt", erklärt Harbig. Der Hauptverein Weiden betreut 1348 Kilometer Wanderwege. Mit den Wegen der 53 Zweigvereine sind es sogar 4300 Kilometer. Neben Wolf Harbig gehören noch Heinz Petz, Robert Reil, Josef Stöckl und Sigmund Wild zu den Hauptwegewarten. Auch der 91-jährige Kurt Heinold hilft, wo er kann. Zusätzliche Unterstützung bekommen sie von den vielen Wegepaten, die sowohl im Hauptverein als auch in den Zweigvereinen tätig sind.

Der Freistaat Bayern unterstützt das ehrenamtliche Engagement des Oberpfälzer Waldvereins. Um Geld zu bekommen, muss jeder Weg mindestens einmal im Jahr abgegangen werden. "Das wird dann dokumentiert und an die Regierung von Oberfranken weitergeleitet", sagt Harbig. Stichpunktartige Kontrollen der Wege sind üblich. Um mit Farbe markieren zu können, muss es mindestens 15 Grad warm und trocken sein. "Regen würde die Farbe gleich wieder wegwaschen." Rund 200 Kilometer Wegstrecke muss der ehemalige Mitarbeiter der Stadt Weiden betreuen. "Durch Corona sind wir alle ein bisschen in Verzug", sagt er.

Harbig ist, wie auch die anderen Hauptwegewarte, vor allem für die großen Zielweg zuständig, die durch das OWV-Gebiet führen. Dazu gehören beispielsweise der Main-Donau-Weg, der Miesweg, der Goldsteig oder der Nurtschweg. Auf seinen Kontrollgängen kommt er bis hinauf nach Creußen, in den Hessenreuther Wald, in den Steinwald, Neustadt/Kulm, Erbendorf, Thumsenreuth und Blockhütte im Waldnaabtal. Die Strecke, die wir fürs Interview gehen, betreut normalerweise einer der Kollegen.

Wolf Harbig ist einer von fünf Hauptwegewarten des Oberpfälzer Waldvereins.

Ausblick auf Weiden

Kurz vor Schluss gibt es für uns doch noch etwas zu tun. Auf einem weißen Rechteck fehlt der rote Streifen, der zur Markierung des Dr.-Beck-Weges gehört. "Kann sein, dass ein Kollege das übersehen hat", sagt der Wegewart und zieht ein Glas mit roter Farbe aus der Tasche. Der Streifen ist schnell gemalt. Doch die kleine Pause, die wir an dieser Stelle einlegt, lohnt sich doppelt. Die Aussicht, die sich hier dem Wanderer auf das Weidener Becken bietet, ist fantastisch. Die Kirchtürme von St. Josef und St. Michael grüßen von weitem.

Um wieder zum Auto zu kommen, überqueren wir auf Höhe des Butterhofs die B 22 und kehren über die Rennerhöhe zurück nach Schirmitz. Nach eineinhalb Stunden haben wir knappe sechs Kilometer zurückgelegt. geoportal.bayern.de/bayernatlas

Bei Schirmitz treffen gleich vier Wege aufeinander. Die Markeirungen zeigen einen Wanderweg der Gemeinde Schirmitz, einen Zubringen zum Goldsteig, den Rundweg blauer Ring des OWV Weiden und den Ignatz-Mühlhofer-Weg, der von Weiden nach Leuchtenberg führt.

Weitere Wegbeschreibungen und Tourenvorschläge auf der Seite des Naturparks Oberpfälzer Wald

Weitere Tourenvorschläge auf der Seite des Oberpfälzer Waldvereins. Rundwanderwege finden sich im Bereich "Wegewarte" zum downloaden

Touren im Bayernatlas

Es kann schon mal vorkommen, dass die Markierung mit Moos zugewachsen ist. Für diesen Fall hat Wolf Harbig eine Stahlbürste dabei.
Info:

Wegepaten gesucht

Wie so viele andere Vereinen auch, sucht der Oberpfälzer Waldverein Nachwuchs. Vor allem Wegepaten, die bereit sind, bei der Betreuung der viele Kilometer mitzuhelfen, sind immer willkommen. "Es würde schon reichen, wenn sich jemand um einen Weg kümmern würde", sagt Wolf Harbig. Viele der Helfer sind im Rentenalter und haben die 70 bereits überschritten. Wer Interesse an einer Wegepatenschaft hat, kann sich bei Wolf Harbig, Telefon 09 61 / 437 00, oder bei Sigi Wild, Telefon 0 96 02 / 49 30, melden.

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