22.11.2020 - 09:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Peter Ehmann aus Weiden nun ein "Grabesritter"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Peter Ehmann ist in Weiden aufgewachsen, wohnt heute in Bamberg, und hat in Fulda vor kurzem ein einmaliges Ereignis in seinem Leben erfahren: Er wurde in den Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen.

Peter Ehmann aus Weiden ist seit kurzem Mitglied im Ritterorden zum hl. Grab von Jerusalem.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Gemeinsam mit 16 Frauen und Männern (darunter 4 aus Bayern) zog Peter Ehmann vor kurzem in den Hohen Dom St. Salvator in Fulda ein, um an einer besonderen Zeremonie teilzunehmen. Unter der Domkuppel nahm Erzbischof Reinhard Kardinal Marx als Großprior der deutschen Statthalterei des Ordens dem Katholiken das Versprechen ab, sich für die Förderung des christlichen Lebens vor allem in Jordanien, Palästina und Israel einzusetzen. Mit einem Schwerterschlag und der Übergabe der Ordensinsignien wurde der Weidener dann offiziell in die Gemeinschaft des Ritterordens vom heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen.

Der Orden hat seinen Ursprung in einem seit dem 14. Jahrhundert belegten Brauch, am Ort von Tod und Auferstehung Jesu Christi den Ritterschlag zu empfangen. Seine Mitglieder unterstützen religiöse, wohltätige, soziale und kulturelle Aktivitäten im Heiligen Land. In Deutschland gibt es knapp 1500 "Grabesritter". "Das ist eine Ehre, mehr aber noch eine große Verantwortung", sagt der 56-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

"Es war eine schöne und würdige Feier. Und auch wenn die Investitur wegen Corona unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln stattfinden musste, war es ein Erlebnis." Mit an seiner Seite war an diesem Tag auch seine Ehefrau, die sich mit einer Handvoll Angehöriger anderer "Grabesritter" in dem riesigen Dom fast verloren.

Als Ritter vorgeschlagen

Die Aufgabe eines Ritters hat Ehmann sich nicht ausgesucht. "Dafür wird man aus der Ordensgemeinschaft vorgeschlagen. Du musst dich halt zuvor bereits als katholische Persönlichkeit engagiert haben", erklärt der Weidener, der seit 34 Jahren in Bamberg lebt. Nach seinem Studium mit Schwerpunkt soziale Arbeit und Pädagogik und einer Fortbildung zum Sozialmanager, leitet er heute als Regionalvorstand den Caritasverband für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim mit 35 sozialen Einrichtungen und rund 240 Mitarbeitern.

Nachdem er vorgeschlagen war, durfte er ein Jahr lang als Gast den Treffen in der Komturei (Ordensbezirk) beiwohnen und zeigen, ob er sich der künftigen Aufgabe würdig erweist. "In seiner Gruppe waren ganz unterschiedliche Leute, Ärzte, Richter, Verwaltungsangestellte. Die Altersspanne reichte von 39 bis 65 Jahren", sagt der Weidener. Die Zeremonie im Dom lief nach einem strengen Protokoll ab. "Es war genau geregelt, auf welcher Treppenstufe wir beim Ritterschlag zu knieen hatten. Auch das machte es zu was Besonderem." Insgesamt zwei Tage dauerte die Investitur mit Andachten, Weiheakten und einem Besuch am Grab des heiligen Bonifatius im Dom.

Ehmann ist nicht der einzige Oberpfälzer in der Gemeinschaft. Er weiß noch von drei weiteren "Grabesrittern" aus Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN. Einer von ihnen ist Professor Alfred Hierold, der in Saubersrieth aufwuchs. Ihn kennt er persönlich, war er doch viele Jahre Rektor der Universität Bamberg.

Der entscheidende Moment: Kardinal Reinhard Marx erteilt Peter Ehmann (knieend, rechts) den Ritterschlag. Gemeinsam mit ihm erhält Markus Dingendorf aus Koblenz ebenfalls den Ritterschlag. Rechts hinter Ehmann steht der Geistliche Zeremoniar der deutschen Statthalterei des Ordens, Monsignore Winfried Haunerland. Er hält das Halskreuz, eines der Ordensinsignien, bereit.

Weiden verbunden

Seine Heimatstadt besucht der Weidener regelmäßig. Drei seiner fünf Geschwister leben noch hier. "Ich bin am Hammerweg aufgewachsen und habe noch eine starke Verbindung. Besonders die Veränderungen rund um die Kirche St. Konrad verfolge ich mit Interesse", erzählt Ehmann, dessen Vater Fritz Ehmann in Weiden Sportgeschichte geschrieben hat, als er 1950 Deutscher Meister im Boxen wurde. "Wir sind eine große Familie, da war und ist immer was los." - Und natürlich stehe auf seinem Schreibtisch in seinem Büro eine Bauscher-Tasse.

Welche Aufgaben warten nun auf den 56-Jährigen in seinem neuen Amt? "Die Komturei trifft sich 8 bis 10 Mal im Jahr, um zu besprechen, wie und wo sie helfen kann", erklärt er. Die finanziellen Mittel würden vor allem in soziale Projekte und die medizinische Versorgung im heiligen Land, von Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser bis hin zur Flüchtlingsarbeit, fließen. Mit der Flüchtlingsproblematik hat Ehmann auch als Caritas-Vorstand zu tun. "Insofern kann ich hier meine Erfahrungen einbringen."

Beherrschendes Thema sei jedoch die Corona-Pandemie. "Länder wie Israel oder Jordanien trifft sie ungemein hart. Die Not ist groß, aber wir können im Moment nur kleine Beiträge leisten." Wichtig sei vor allem, dass die kontinuierliche Hilfe trotzdem fortgeführt wird. Aber genau dafür sei die Ordensgemeinschaft da.

Der weiße Mantel mit dem roten Jerusalemkreuz, ein Kreuz zum Umhängen und ein schwarzes Samt-Barett sind die äußeren Zeichen der männlichen Ordensritter. Sie werden bei den Treffen und bei feierlichen Anlässen getragen. In vollem Ornat begleiten die Ritter unter anderem die Fronleichnamsprozession und das "Heinrichsfest" in Bamberg. Besonders freut sich Ehmann jedoch auf seine erste Pilgerfahrt, die er ein Mal im Jahr unternehmen sollte. "Da lerne ich dann auch mal andere Ordensritter der weltweiten Verbindung kennen. Und meine Frau darf auch mit. Aber leider verhindert Corona das im Moment."

"Der Ritterschlag ist eine Ehre, mehr aber noch eine große Verpflichtung."

Peter Ehmann

Ria Wittmann aus Kaimling hat was zu erzählen

Kaimling bei Vohenstrauß
Info:

Was ist der Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem?

Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist ein päpstlicher Laienorden – auch mit geistlichen Mitgliedern. Entstanden aus einer spätmittelalterlichen Pilgerbewegung übernimmt diese Gemeinschaft katholischer Damen (Ordensdamen) und Herren (Rittern) seit 150 Jahren als päpstliche Institution unter der Leitung eines Kardinal-Großmeisters besondere Aufgaben im Heiligen Land (mit Schwerpunkt in Israel, Jordanien und Palästina):

  • 30.000 Mitglieder in der Welt, davon 1460 in Deutschland sorgen durch Gebet, Pilgerfahrten und Opfer für die: Sicherung der religiösen Heimat der Christen, vor allem im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem (u.a. Finanzierung von ca. 60 Pfarreien und Einrichtungen); Sicherung einer guten Zukunft der Christen in ihrer Heimat – auch im Zusammenleben mit ihren muslimischen und jüdischen Nachbarn (Erziehung, Bildung und Ausbildung in Kindergärten, Schulen (u.a. 42 Patriarchatschulen) und Universitäten; Sicherung eines menschenwürdigen Lebens (soziale Hilfe für Krankenhäuser, Altenheime, Menschen in Not, Hilfe für Flüchtlinge und die vielen Migranten in Israel.
  • Die Deutsche Statthalterei zählt rund 1400 Mitglieder, gegliedert in 6 Ordensprovinzen und 38 Komtureien.
  • Ihren Glauben bekennen die Ordensmitglieder öffentlich durch Gottesdienste, bei denen sie ihre Mäntel mit dem roten Jerusalemkreuz tragen.
  • Der Orden wählt seine Mitglieder unter geeigneten Persönlichkeiten, die Gewähr bieten, die Ordensziele zu erfüllen. Eine Bewerbung um die Mitgliedschaft ist nicht möglich.
  • Der Orden verfolgt keine politischen Ziele. (Quelle: https://www.oessh.net/)

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.