09.10.2020 - 13:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Offene Briefe zu Sonja Schuhmacher: Zwischen Rückendeckung und Rücktrittsforderung

Nach dem Masken-Eklat um Sonja Schuhmacher schreiben sich die Weidener Stadträte offene Briefe. Helmut Schöner (ÖDP) und die AfD-Fraktion stärken Schuhmacher den Rücken, Ali Zant (Grün-Bunt-Weiden) fordert ihren Rücktritt.

An Sonja Schuhmacher scheiden sich weiterhin die Geister – auch im Weidener Stadtrat.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Zunächst wandte sich ÖDP-Sprecher Helmut Schöner an die Kollegen: "Was sich vorgestern im unmittelbaren Vorfeld der Stadtratssitzung ereignet hat, ist ein echter Skandal", schreibt er an die Gremiumsmitglieder. Wie berichtet, hatte Max-Reger-Hallen-Chef Johannes Häring der parteilosen Stadträtin den Zutritt zur Max-Reger-Halle verwehrt, weil sie sich weigerte, eine Mund-Nase-Maske zu tragen. Schöner erinnert daran, dass ein ärztliches Attest Schuhmacher von der Maskenpflicht befreie, sie aber nicht verpflichtet sei, dieses vorzuzeigen. Ihr gehe es "darüber hinaus aber noch besonders darum, auf die gesundheitliche Problematik von Masken generell hinzuweisen – im Besonderen auf die Schädlichkeit, die das Maskentragen für Kinder bedeutet. (...) Es war demnach nicht Sturheit, sondern Frau Schuhmachers Ausdruck von Protest im Hinblick auf die Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen, deren Einhaltung immer noch gefordert wird. Sie, Frau Schuhmacher, und auch ich, sind der Meinung, dass die Bevölkerung viel differenzierter informiert werden müsste, als dies seit vielen Wochen geschieht." Schöner teilt Schuhmachers Meinung, wie er schreibt: "Mit den Maßnahmen wird der Realität einfach nicht mehr Rechnung getragen."

Argumente, denen sich die AfD "zu 100% anschließen" kann. Das erklären die Stadträte Manfred Schiller und Karl Schmidt in einem weiteren Brief ans Gremium. "In unseren Augen war die Behandlung der Frau Schuhmacher nicht rechtens. Wir sind sogar der Meinung, dass es sich hier um Nötigung gehandelt hat. (...) Frau Schuhmacher sollte dies rechtlich prüfen lassen." Schiller und Schmidt bezweifeln zudem die Tauglichkeit der Masken, welche die übrigen Kollegen angelegt hatten: "Wir konnten am letzten Montag niemanden in der Stadtratssitzung sehen, der solch einen geeigneten Mund-Nasen-Schutz getragen hätte."

Helmut Schöner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien

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Die Reaktion folgt prompt. Im dritten offenen Brief verteidigt Ali Zant (Grün-Bunt-Weiden) das Vorgehen Härings und der Verwaltungsspitze. Schuhmacher habe kein Interesse an einer kollegialen Zusammenarbeit zum Wohle der Bevölkerung – "sie nutzt ihr Mandat zur Provokation und zur Selbstdarstellung. In den Schreiben der Stadträte Schöner/Schiller wird dieses unkollegiale Verhalten unterstützt, und es wird eine Opferrolle konstruiert, die es nicht gibt." Das Gremium werde in seiner Arbeit massiv behindert. Und, so Zant: "Selbstverständlich sollte Fr. Schuhmacher ihr Mandat daher endlich niederlegen. (...) Eine effiziente Zusammenarbeit im Stadtrat ist nur ohne Fr. Schuhmacher möglich. Wer sie unterstützt, der hat an effektiver Stadtratsarbeit ebenso kein Interesse und sollte sich gut überlegen, ob er im Stadtrat im richtigen Gremium sitzt."

Vormals arbeitete Ali Zant mit Sonja Schuhmacher bei Grün-Bunt-Weiden zusammen, bevor ihre Haltung zu den Coronamaßnahmen zum Bruch führte. Die jetzt parteilose Schuhmacher wirkt aktuell mit den ÖDP-Stadträten Helmut Schöner und Gisela Helgath in einer Ausschussgemeinschaft. Zant fordert Schöner persönlich auf, sich "im Sinne des Zusammenhalts der demokratischen Parteien" von der "Solidaritätserklärung" der AfD zu distanzieren.

Der Bruch bei Grün-Bunt-Weiden

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