12.07.2020 - 13:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Oase in neuen Räumen

Das bevorstehende 25-jährige Jubiläum kann die Oase nächstes Jahr in den neu bezogenen Räumen feiern. Aber das war bestimmt nicht der Grund für den Umzug.

Veranstalter und Ehrengäste bei der Präsentationsveranstaltung für die neuen Räume der Oase (von links): Ernst Freuding und Renate Freuding-Spintler, Katharina Meyer, Peter Weiß, Ursula Hösl, Lothar Höher, Gabi Plischke, Christian Weiß und Martin Weiß.
von Siegfried BühnerProfil

Bei der Adresse der Tagesstätte Oase für Menschen mit seelischen Problemen in Weiden ändert sich eigentlich nur die Hausnummer. Anstelle Hochstraße 5a heißt es Hochstraße 21. Allerdings hat sich ansonsten sehr viel verändert.

Gut fünfhundert Meter weit mussten die Einrichtungsgegenstände transportiert werden. Es ist der zweite Stock des Verlagshauses Spintler, in dem ab sofort die Oase ihr neues und modernes Domizil hat. Der Umzug ist abgeschlossen, aber noch müssen die Besucher Corona-bedingt einige Tage warten, bis sie dort wieder ihre gewohnte stationäre Anlaufstelle für Sorgen, Krisen, Ärger oder auch nur Langeweile nutzen können. Vor der Wiedereröffnung wurden die neuen Räume jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Den wichtigsten Grund für den Umzug nannte Sozialteam-Leiterin Ursula Hösl in ihrer Ansprache mit dem Satz „die bisherigen Räume waren nur über eine steile Treppe zu erreichen“.

Seit längerem war deshalb das Sozialteam auf der Suche nach größeren barrierefreien Räumen. Durch Vermittlung der Stadt Weiden konnte dieses Ziel nunmehr im zweiten Stock des Verlagshauses verwirklicht werden. Ein Aufzug ist vorhanden und das Ehepaar Freuding-Spintler als Vermieter sorgte zusätzlich für Eingangsrampe im Zugangsbereich und behindertengerechte Toilette in den neuen Räumlichkeiten. Das Sozialteam stellte sicher, dass alle sonstigen räumlichen Erfordernisse für die Führung der Tagesstätte vorhanden sind. So wurde unter anderem die Küche an die für diese Einrichtung geltenden Hygienevorschriften angepasst und ein Internetzugang in jedem Raum geschaffen. Im großen neuen Gruppenraum schafft eine breite Fototapete mit Waldmotiven das passende Stimmungsbild. Es gibt einen neuen Medienraum mit Besucher-PC und TV-Ecke, einen Multifunktionsraum für Gruppenaktivitäten oder Einzelgespräche sowie einen Kreativraum zum Basteln und Handwerken. Geradezu begeistert sind Hösl und alle Mitarbeiter der Oase von den hellen und offenen Räumen mit großen Fensterfronten. Das bestätigte auch Besuchersprecherin Gabi Plischke. „Corona-bedingt war der Umzug für uns mit viel Mehraufwand verbunden“ berichtet Sozialteamgeschäftsführer Peter Weiß. Für Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher ist die Oase mit den bezogenen Räumen „auf eine neue Stufe gehoben worden“.

Oase seit Jahrzehnten etabliert

Höher versprach auch für die Zukunft die Unterstützung der Oase durch den Bezirk. Und von eine „maßgeschneiderten neuen Heimat“ sprach Vermieterin Renate Freuding-Spintler und stellte fest, dass schon nach einer kurzen Besichtigung sich alle einig geworden seien. Als Sprecherin des Mitarbeiterteams der Oase berichtete Katharina Meyer über die Zeit, in der die Oase geschlossen bleiben musste. Unter anderem mit Telefonberatung, Besorgungsservice, Newsletter, Kontakte „übers Fenster“ und – seitdem es erlaubt war – im Freien bei Spaziergängen zu zweit, wurde der Kontakt zu den Besuchern aufrechterhalten. Schließlich „sind soziale Kontakte essentiell für das Wohlbefinden unserer Besucher“ betonte Meyer. Trotzdem hätten Risikogruppen angehalten werden müssen sich zu isolieren. Patientensprecherin Plischke sagte dazu „ich war die meiste Zeit im Bett gelegen“. Geplant ist, die Tagesstätte ab dem 20. Juli wieder zu öffnen. Bis auf weiteres seien allerdings Voranmeldungen unter 0961/4161352 zwingend erforderlich. Alle sonstigen Regelungen und Neuerungen werden laut Meyer noch gesondert bekanntgegeben werden.

Hintergrund:

Laut Sozialteamleiterin Ursula Hösl ist die Oase vor 24 Jahren als Kontaktstelle und tagesstrukturierende Maßnahme für Menschen mit psychischen Erkrankungen gegründet worden. Längst ist jedoch das Angebot auf andere Personengruppen erweitert worden. Aufgrund der Niedrigschwelligkeit des Angebots wird grundsätzlich niemand ausgeschlossen. So gibt es zum Beispiel keinen Anamnesebogen oder eine vorzuzeigende Diagnose. „Besucher werden so nicht auf Defizite oder Erkrankungen reduziert „sagt Sozialteamleiterin Ursula Hösl. Es besteht auch keine Anwesenheitspflicht oder eine vorgeschriebene Verweildauer. Die Oase versteht sich auch als Präventionsangebot um psychische Erkrankungen zu verhindern. Für jede Woche gibt es einen Wochenplan an Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Oase. Besonders beliebt ist das gemeinsame Kartenspiel aber auch die Teilnahme an gemeinsamen Ausflügen. Besucher haben auch die Möglichkeit über das Programmangebot mitzubestimmen. Es herrscht auch der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das Team der Oase besteht aus acht Fachkräften, die ganztags oder mit reduzierten Arbeitszeiten sich um die Besucher kümmern. Darunter ist auch ein EX-In-Mitarbeiter, der aus eigenen Erfahrungen bei psychischen Problemen helfen kann.

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