19.08.2021 - 13:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nicole Jäger ist trotz toxischer Beziehung "Unkaputtbar"

Nicole Jäger (39) kann sich schwer aus ihrer toxischen Beziehung lösen. Allem voran hat das etwas mit ihrem Selbstwert zu tun. Mit ihrem neuen Buch "Unkaputtbar" bricht die Hamburgerin ihr Schweigen und macht auf das Problem aufmerksam.

Nicole Jäger bricht in ihrem neuen Buch "Unkaputtbar - Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam" mit dem Schweigen über toxische Beziehungen.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Nicole Jäger (39) aus Hamburg nimmt sich bei ihren Bühnenauftritten gerne mal selbst auf die Schippe. Die starke und lebensfrohe Frau weiß, wie sie ihr Publikum zum Lachen bringen kann, selbst bei emotionalen Themen. In ihrem neuen Buch "Unkaputtbar - Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam" schlägt sie ungewohnte Töne an. Es geht um eine Beziehung zu einem Mann. Die 39-Jährige beschreibt die Beziehung: "Es ging los mit großer Liebe. Ich dachte dieser Mann sei die Liebe meines Lebens." Doch die Beziehung entwickelte sich keineswegs in eine harmonische. "Es war eine Beziehung voller Gewalt", sagt Jäger im Interview mit Oberpfalz-Medien. Die Beziehung ist toxisch.

Ab wann ist eine Beziehung toxisch? "Sie ist toxisch, wenn ein starkes Ungleichgewicht zwischen den Partnern entsteht", erklärt die Hamburgerin. Ein Partner trägt absichtlich zu dem Ungleichgewicht bei und setzt sehr viel daran, dass es dem anderen nicht gut geht. Hauptsächlich handelt es sich um psychische Gewalt.

Mangel an Selbstwert

Jägers Buch "Unkaputtbar" handelt vor allem auch davon wie ihr Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie sie da wieder rauskam. "Ein maßgeblicher Punkt ist der Selbstwert. Man muss erkennen, dass es nicht in Ordnung ist, so behandelt zu werden. Es ist nicht in Ordnung, angeschrien zu werden und Angst zu haben", sagt Jäger. Selbstwert ist wichtig, um Grenzen zu setzen und zu wissen wann jemand zu weit gegangen ist.

Warum löst man sich dann nicht einfach aus der toxischen Beziehung? "Das ist nicht so einfach", erklärt die Kabarettistin. "Es gab nicht den einen Moment, bei dem mir klar wurde, ich muss gehen." Sie beschreibt, dass es zwei Jahre gedauert hat, sich endgültig aus der Beziehung zu lösen. Eine toxische Beziehung laufe in mehreren Stufen ab: Erst ist alles gut mit großer Liebe. Dann fängt es an langsam zu kippen und geht in häusliche Gewalt über, allem voran psychischer Gewalt. "Irgendwann kommt dann der Punkt, wo es ungesund wird. Die Trennung tut trotzdem emotional weh", sagt Jäger. Eine Grenze ist zu diesem Zeitpunkt "fünftausendfach" übertreten. "Eine toxische Beziehung hat auch mit Angst zu tun. Und das ist ein Gefühl, das man nicht begründen muss."

"Emotionale Achterbahnfahrt"

Bei der Frage, wie es Jäger mittlerweile damit gehe, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht: "Mir geht es mittlerweile sehr gut, auch wenn ich immer noch auf einer Reise der Heilung bin." Viel geholfen habe es ihr, mit den Menschen in ihrem Umfeld über ihre toxische Beziehung zu sprechen. Ihre Erlebnisse als Buch zu schreiben sei für sie eine "emotionale Achterbahnfahrt" gewesen: "Es ist mein drittes, aber auch intimstes Buch. Ich nehme die Leser quasi mit in mein Schlafzimmer und mit in mein Herz." Dennoch war es für die Hamburgerin ein gutes Gefühl, das Buch zu schreiben. "Es war eigentlich meine persönliche Delfintherapie", sagt sie und schmunzelt dabei. Ihre Familie reagiert auf das Buch sehr positiv, denn es sei "ein sehr lautes Schweigen brechen".

Schweigen brechen

Ihre Familie und Freunde reagierten schockiert, als sie ihnen von der toxischen Beziehung erzählte. "Sie haben sehr an meiner Seite gekämpft, als ich die Beziehung beendete. Sie waren da, als das Stalking und die Drohungen losgingen. Aber ein Opfer häuslicher Gewalt kann sich nur selbst befreien", weiß die 39-Jährige. Aus dieser Situation herauszukommen, ist schwer. Die Opfer fühlen Angst und Scham für ihre Lage. "Frauen müssen reden und sich Hilfe suchen, um eine emotionale Armee hinter sich stehen zu haben. Sie müssen ihr Schweigen brechen", sagt Jäger.

Der Kabarettistin ist außerdem ein Unterschied in den Reaktionen in ihrem Umfeld aufgefallen: "Frauen reagieren ganz anders als Männer." Frauen haben laut Jäger ein anderes Verständnis, da sie öfter Opfer von häuslicher Gewalt sind. Männer hingegen reagierten weniger emotional, da sie Gewalt anders erleben würden als Frauen. "Die Männer in meinem Umfeld haben sich gefragt, warum eine starke Frau, wie ich es bin, es nicht gebacken bekommt, sich aus einer solchen Beziehung zu lösen. Es ist sehr schwer", erzählt sie.

Für Nicole Jäger ist eine Sache klar: "Es wird Zeit, darüber zu sprechen. Es ist ein Gesellschaftsthema und nicht privat. Das Schweigen muss gebrochen werden." Toxische Beziehungen und häusliche Gewalt passieren laut der 39-Jährigen deswegen so häufig, weil es an Aufklärung mangle. Mit ihrem Buch "Unkaputtbar" will die Hamburgerin das Schweigen brechen: "Wir wissen davon, aber handeln nicht. Frauen sind nicht alleine."

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Nicole Jäger - "Unkaputtbar – Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam"

  • Erscheinungstermin: 17. August 2021
  • erscheint im Rowohlt Polaris-Verlag
  • 256 Seiten
  • ISBN: 978-3-499-00584-8
Hintergrund:

Zur Person: Nicole Jäger

  • am 17. Juli 1982 in Hamburg geboren, wohnhaft in Hamburg und mit Herz und Seele Hamburgerin
  • Erstlingswerk "Die Fettlöserin" als auch das zweite Buch "Nicht direkt perfekt" waren sehr erfolgreich und in der Spiegel Bestseller-Liste
  • Aktuelles Buch "Unkaputtbar – Wie mein Mangel an Selbstwert zum Problem wurde und wie ich da wieder rauskam"
  • Bühnenprogramme: "Ich darf das, ich bin selber dick" (2016), "Nicht direkt perfekt" (2018) und "Prinzessin Arschloch" (2020)
  • Mit ihrer besten Freundin Philina Herrmann produziert sie den Podcast "Ponyhof und Mittelfinger"
Hintergrund:

Toxische Beziehungen

  • Toxische Beziehungen sind im Kern dysfunktionale Beziehungen
  • Die Bedürfnisse des einen Partners stehen im Vordergrund und werden dominant eingefordert. Der andere Partner hat die Aufgabe, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Es entsteht ein Ungleichgewicht.
  • Die Opfer sind oft Menschen mit geringem Selbstwertgefühl

 

 

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