02.08.2019 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer Träger für kirchliche Kita?

Muss sich die Kirchenstiftung St. Josef von einem Kindergarten trennen? Sieht ganz danach aus. Wenn auch ungern. Auslöser dafür ist eine Richtlinie des Bistums Regensburg.

Die Kirchenstiftung St. Josef betreibt den Kindergarten St Josef (im Bild), den Kinderhort St. Anton und ...
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Demzufolge ist die Zahl der Kita-Gruppen mit der Größe der Pfarrei gekoppelt. Ganz neu ist diese Vorschrift nicht. Sie stammt aus dem Jahr 2016. Doch aktuell wird diese Richtlinie bei Altbeständen offenbar in der Regel dann, wenn größere Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen geplant sind. Und in den Kindertagesstätten der Pfarrei St. Josef stehen in Zukunft einige Baumaßnahmen an.

Stadtpfarrer Markus Schmid war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er befindet sich im Auslandsurlaub. Dafür erklärte Kirchenpfleger Karl Süß auf Anfrage von Oberpfalz-Medien: „Ich bestätige, dass die Kirchenstiftung St. Josef gezwungen ist, sich Gedanken über eine Reduzierung der Kindertagesstätten-Gruppen zu machen.“

Das Thema beschäftige die Kirchenverwaltung von St. Josef schon seit längerer Zeit. Eine Entscheidung sei aber noch nicht in Sicht. Nach den Richtlinien der Diözese Regensburg dürfe die Pfarrei St. Josef nur 4 Kita-Gruppen betreiben. Tatsächlich seien es aber 3 Gruppen im Kindergarten St. Josef, 5 im Kindergarten St. Maria Am Krumpes und 2 im Kinderhort St. Anton.

100 Kindergarten- und 14 Krippenkinder besuchen aktuell die Kindertagesstätte Am Krumpes. Betreut werden sie von 22 Mitarbeitern. Zu dem Gerücht, die Pfarrei St. Josef wolle sich von dieser Einrichtung trennen, will sich der Kirchenpfleger nicht äußern. Er räumt aber ein: „Wir sind gezwungen, die Gruppenzahl zu reduzieren. Auf welchem Wege auch immer.“ Vermutlich werde es darauf hinauslaufen, dass man für eine Kita-Einrichtung einen neuen Träger suche.

„Wir sind natürlich sehr traurig und möchten gerne die Trägerschaft behalten“, betont Süß. „Aber es bleibt uns wahrscheinlich nichts anderes übrig, um die Gruppen zu reduzieren.“ Wobei der Kirchenpfleger zugleich hofft, dass die Zahl der 4 Gruppen nicht strikt eingehalten werden muss. Auf die Schnelle dürfte sich dieses Problem jedenfalls nicht lösen lassen, meint Süß. Schließlich sei es nicht so leicht, einen neuen Kita-Träger zu finden.

In der Pfarrei Mariae Geburt in Nittenau ist dieses Problem bekannt. Auch sie sah sich laut Presseberichten gezwungen, einen von zwei Kindergärten abzugeben. Der Kindergarten St. Monika in Bergham wird deshalb zum Jahresanfang 2020 in die Trägerschaft des BRK übergehen. Bis zur Entscheidung vergingen fast zwei Jahre, bis zur Umsetzung werden es knapp drei Jahre sein.

Mit 3 Kita-Gruppen in Rothenstadt und weiteren 3 in Etzenricht sei die Maximalzahl erreicht, sagt Pfarrer Heribert Englhard, der die Pfarreiengemeinschaft betreut. Kurzzeitig habe man mit dem Gedanken gespielt, die Trägerschaft für die von einem privaten Investor geplante Krippe in Rothenstadt zu übernehmen. Aber das wäre sehr aufwendig gewesen. „Außer mir sind alle Personen, die das stemmen müssen, Ehrenamtliche. Eine Krippe zusätzlich, das schaffen wir einfach nicht mehr.“

... die Kindertagesstätte St. Maria Am Krumpes. Von einer der beiden Kitas wird sie sich voraussichtlich trennen müssen.
Pressesprecher des Bistums Regensburg zu den Richtlinien für Kitas::

Finanzierung muss gesichert sein

Nachhaltigkeit ist laut Clemens Neck, Pressesprecher des Bistums Regensburg, das Ziel der 2016 vom Bistum aufgestellten Richtlinien für Kindertagesstätten. Als pädagogisch sinnvoll erachtet werden hier für eine Pfarrei eine Einrichtung mit bis zu vier Gruppen, für eine Pfarreiengemeinschaft mit zwei Pfarreien bis zu sechs Kita-Gruppen und für eine Pfarreiengemeinschaft aus drei Pfarreien bis zu acht Gruppen.

Sinn und Zweck der Richtlinien sei es, die Finanzierung der Einrichtungen und deren Unterhalt auf Dauer zu sichern, sagt Neck. Der Aufwand für Verwaltung und Seelsorge müsse ebenfalls so gestaltet werden, dass er nachhaltig zu leisten sei, zum Beispiel wenn ein neuer Pfarrer die Aufgaben übernehme. Letztlich sei die katholische Kirche verpflichtet, ihr Engagement finanziell auf ein absolut sicheres Fundament zu stellen. "Der Kirchensteuerzahler hat ein Recht auf einen effizienten Einsatz der Mittel." Von den 400 Kindertagesstätten im Bistum in kirchlicher Trägerschaft seien bisher weniger als 10 von einer Gruppenreduzierung betroffen gewesen. "Nach unseren Zahlen wird sich nichts wesentlich verändern. Es kann sein, dass die eine oder andere Gruppe geschlossen wird, dafür nimmt eine andere Einrichtung vielleicht zwei Gruppen dazu."

Wenn die Kirche eine Kita abgebe, müsse lediglich ein anderer Träger gefunden werden, sagt Neck. "Gegen welche christlichen Werte sollte das verstoßen? Die Einrichtung wird ja nicht geschlossen." Kein Grund zur Sorge also für die Erzieher, meint der Pressesprecher.

Kommentar:

"Lasset die Kinder zu mir kommen"

Treffen Sie die richtige Wahl für Ihr Kind, fordert das Bistum Regensburg auf seiner Internetseite zum Thema Kindertagesstätten. Und weiter: „Wir im Bistum Regensburg bieten Ihnen für jedes Alter die geeignete Einrichtung: von der Kinderkrippe, über den Kindergarten bis hin zum Kinderhort. Denn als unseren bleibenden Auftrag sehen wir die Worte Jesu: ,Lasset die Kinder zu mir kommen.’“ In den Ohren von Eltern und Erzieherinnen in Weiden, die demnächst von einem Trägerwechsel betroffen sein dürften, muss das wie Hohn klingen. Sie haben sich für eine kirchliche Einrichtung entschieden, doch die Diözese lässt sie im Regen stehen. Alles sieht danach aus, dass sich die Kirchenstiftung St. Josef von einer Kita trennen muss. Selbst wenn die Verantwortlichen das nicht wollen.
Der Pressesprecher des Bistums argumentiert mit Nachhaltigkeit. Dem christlichen Geist entspreche außerdem der Grundsatz: „Die Dinge, die man tut, muss man gut tun können.“ Das sei aber nur möglich, wenn die Finanzen auf Dauer gesichert seien.
Doch wenn die katholische Kirche im Bistum Regensburg die Trägerschaft von Kitas abstößt, sollte sie auch den Text auf ihrer Internetseite ändern. Wie heißt es da so schön? „Wir kümmern uns um Ihren Nachwuchs ...“.

Jutta Porsche

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.