07.07.2021 - 16:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer "Jugendtreff Innenstadt": Finanzierung plötzlich wieder fraglich

Aus dem „Schülercafé Scout“ wird im Herbst der „Jugendtreff Innenstadt“ – wenn es nach den Plänen der Stadt Weiden geht. Doch noch fehlen wichtige Entscheidungen zur Finanzierung und zur Frage: Freiwillige Leistung oder Pflichtaufgabe?

Das "Scout" auf der Allee soll zum "Jugendtreff Innenstadt" werden.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Seit 10 Jahren gibt es das Schülercafé Scout auf der Allee. Trotz der langen Schließungsphase wegen der Corona-Pandemie und Zuhause-Unterricht besuchten im Jahr 2020 exakt 2227 Schüler das Café, nutzten die Betreuung und vor allem das Gesprächsangebot mit den Pädagogen sowie die Aktionen. Das Angebot sei wichtig: "Nicht zu Schülerbespaßung, sondern weil hier wichtige pädagogische Arbeit geleistet wird", betont Jürgen Forster vom Kolping-Bildungswerk. "Wir hätten es gerne weiter gemacht."

Seinen Vertrag als Betreiber der Jugendfördereinrichtung hat die Stadt zwar nicht verlängert. Dies bedeute aber nicht, dass diese Anlaufstelle für die Schüler überflüssig geworden wäre. Im Gegenteil. Gerade in der Nach-Corona-Zeit seien das Gesprächs- und Betreuungsangebot wichtiger denn je.

Pflichtaufgabe Jugendtreff?

Mit neuem Konzept will der Stadtjugendring den Jugendtreff an alter Stelle fortführen, unterstreicht Vorsitzender Florian Vogel im Ausschuss für Jugendhilfe und soziale Fragen. Die wesentlichen Entscheidungen sind längst getroffen: Schon im Frühjahr bestätigten Jugendhilfeausschschuss und der gesamte Stadtrat den Bedarf für diese Einrichtung. Doch jetzt gibt es eine neue Entwicklung: In einem Schreiben an die Regierung taucht plötzlich die Frage auf, ob der Jugendtreff eine freiwillige Leistung der Stadt sei. Wäre dies der Fall, könnte das die weitere finanzielle Unterstützung der finanzklammen "Stabilisierungskommune" Weiden gefährden. Es geht um viele Millionen Euro "Stabi-Hilfen" aus dem Steuersäckel.

Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier, Stadtjugendpfleger Ewald Zenger und Florian Vogel sind jedoch guter Hoffnung, dass die Regierung keine Fragezeichen setzen wird. Verschiedene Kommentare zum Sozialgesetzbuch sehen den Betrieb von Jugendtreffs, die mit einem pädagogischen Konzept arbeiten, als Pflichtaufgabe. In den vergangenen zehn Jahren - Weiden war immer "Stabilisieriungsgemeinde" - wurde auch nie die "Pflichtaufgabe Jugendtreff" infrage gestellt. Vogel ist aber auch vorsichtig. Die Unterzeichnung der Arbeitsverträge mit zwei "super geeigneten" Sozialpädagogen, die sich bereits vorgestellt haben, ist zunächst ausgesetzt.

Einrichtung sogar "rentierlich"

"In spätestens zwei Wochen sollten wir Klarheit über die Finanzierung des Jugendtreffs haben", sagt Vogel. Zuversichtlich äußern sich Zenger und Hohlmeier, denn auch die Experten des Bayerischen Jugendrings sehen den Treff laut Zenger als Pflichtaufgabe. Eindeutiger als im Jugendhilfeausschuss am 16. März sowie in der Stadtratssitzung am 19. April hätte das Votum der Gremien zur "Pflichtaufgabe Jugendtreff Innenstadt" kaum ausfallen können, unterstreicht Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier. Diese "Einrichtung für das Kindeswohl" sei sogar rentierlich, da durch dieses niederschwellige pädagogische Angebot weitergehende Betreuungsmaßnahmen erst gar nicht notwendig würden. Der Sozialdezernent: "Wir sind guter Dinge, dass wir in einer gemeinsamen Anstrengung die Finanzierung hinbekommen."

Scout: Aus im August 2021

Weiden in der Oberpfalz
Kommentar:

Es braucht ein klares Ja zum Jugendangebot von allen Seiten

Das Schülercafé ist kein Massenanlaufpunkt wie das Schätzlerbad im Hochsommer oder der Untere Markt an einem lauen Sommerabend. Wen also interessiert der Treff groß, den zuletzt 2200 Jugendliche im Jahr besucht haben, fragt so mancher hinter vorgehaltener Hand. Na, die Schüler interessiert’s! Und es ist an der Zeit, gerade auch nach der langwierigen Homeschooling-Phase, endlich anzuerkennen: Schüler sind auch wer!

Der Stadtrat hat das zum Glück – wenn auch nach längerer Diskussion – getan und sich für den Erhalt des Jugendtreffs unter neuer Führung, aber mit pädagogischem Konzept ausgesprochen. Dafür macht sich auch der Sozialdezernent der Stadt stark. Trotzdem wackelt das Angebot, weil es Jugendarbeit nun mal nicht für lau gibt, der Treff kostet 150 000 Euro pro Jahr. Weiden aber ist Stabilisierungsgemeinde, das heißt, freiwillige Leistungen sind nicht drin. Gewährt sie die Stadt trotzdem, setzt sie Millionen Euro an Stabilisierungshilfe aufs Spiel. Aber Jugendhilfe ist nicht freiwillig! Sie ist laut Bayerischer Gemeindeordnung, Artikel 57, Pflichtaufgabe der Kommune und wird hier im gleichen Kontext genannt wie „öffentlicher Verkehr“, „Feuersicherheit“ oder „öffentliche Sicherheit und Ordnung“. Das muss nun nur noch die Regierung der Oberpfalz bestätigen – und der Schülertreff öffnet im Herbst.

Von Simone Baumgärtner

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.