16.10.2020 - 17:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mehr Corona-Infizierte, mehr Probleme, mehr Fragen in Weiden und Neustadt

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Die gesamte Nordoberpfalz ist allmählich Corona-Risikogebiet. Doch die Aussagen, was dort zu beachten ist, sind zum Teil widersprüchlich. Das stürzt Veranstalter in Nöte.

Mund und Nase bedecken. Das ist in der Fußgängerzone mittlerweile kein Appell mehr, sondern Vorschrift. Wer sich nicht daran hält, wird zur Kasse gebeten. In welcher Höhe ist nicht bekannt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die guten Nachrichten zuerst: Am Sonntag kann der Förderkreis für Kammermusik zwei Konzerte in der Max-Reger-Halle in Weiden veranstalten. Die Thermenwelt bleibt geöffnet, und das Landestheater Oberpfalz (LTO) darf das Stück "Die Kuh Rosemarie" am Sonntagnachmittag in der Stadthalle geben.

Doch damit fangen die Probleme an. Selbst Verwaltungsexperten fällt es bisweilen schwer, im Wirrwarr von Ministerratsbeschlüssen und Allgemeinverfügungen von Kommunen den Überblick zu bewahren. Den ganzen Freitag und vermutlich auch am Samstag brüten Experten in Rathäusern und Landratsämtern, wie sie ihren Bürgern rechtssichere Auskunft geben können.

Beispiel Maskenpflicht: Die Stadt Weiden hat abgeklärt, dass das Münchner Kammerorchester am Sonntagabend in der Max-Reger-Halle zweimal hintereinander spielen darf. Dazu schreibt Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch: "Veranstaltungen in der Halle, die für jedermann zugänglich sind, sind von der Allgemeinverfügung nicht betroffen, da davon ausgegangen wird, dass die Veranstalter zusammen mit dem Hallenbetreiber ein professionell erarbeitetes Schutz- und Hygienekonzept sorgsam umsetzen."

Dieses Konzept hat der Förderkreis für Kammermusik schon vor einiger Zeit ausgearbeitet. Ruidisch erklärt, dass die maximal 200 Besucher keine Maske mehr tragen müssen, sobald sie mit ausreichend Abstand zu Nebenleuten die Plätze eingenommen haben.

Appell vom OB

Das passt nicht ganz zu einem Appell von Oberbürgermeister Jens Meyer, den er wenig später am Freitagnachmittag verkündet. Er betont, dass die nun geltenden, verschärften Maßnahmen in Weiden vor allem auf private Feiern abzielen und bittet: "Tragen Sie die Maske dort, wo Sie mit Anderen dichter oder länger zusammen kommen, nicht nur in der Fußgängerzone, sondern in allen öffentlichen Gebäuden, in Fahrstühlen, Kantinen, im Eingangsbereich von Hochhäusern, in Bildungsstätten, für Zuschauer bei sportlichen Veranstaltungen sowie durchgängig auf Tagungen, Kongressen, Messen und in Kulturstätten auch am Platz."

LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer zitiert am Donnerstagabend den jüngsten Kabinettsbeschluss: "Liegt der Inzidenzwert bei über 35, muss die Maske nun auch am Platz und während der gesamten Vorstellung getragen werden." Daher könnte neben der "Kuh Rosemarie" auch zweimal "Cyrano de Bergerac" über die Bühne fegen.

Kommando zurück, heißt es dagegen am Freitag. Zwei Corona-Testergebnisse im Cyrano-Ensemble liegen noch nicht vor. Also bleibt der Vorhang unten.

Was gilt nun? Die Frage stellen sich auch Fachleute am Landratsamt Neustadt. Laut Sprecher Marcel Weidener war geplant, die aktuell gültige Allgemeinverfügung vom 14. Oktober am Freitag durch eine neue zu ersetzen, sobald Konkreteres aus München vorliegt. Das könnte nun erst im Laufe des Wochenendes der Fall sein. Für die Beamten eine verzwickte Situation.

Die zieht Kreise. So hat Willy Merkl, Basketballchef der DJK Neustadt, vergeblich versucht am Freitag Informationen vom Ordnungs- oder Gesundheitsamt zu bekommen. Das Regionalligateam der DJK hat ein Heimspiel ohne Zuschauer gegen Chemnitz. "Einer unserer Spieler hatte vergangenes Wochenende möglicherweise Kontakt zu einem Positiv-Getesteten. Dürfen wir ihn einsetzen oder gilt die 48-Stunden-Frist, wonach er keine Symptome gezeigt hat?" Die Partie einfach mal so abzusagen, sei schwierig. Der Basketballverband verlange bei höherklassigen Ligen eine fundierte Begründung. Am späten Freitagnachmittag zieht Merkl trotzdem die Reißleine und geht auf Nummer sicher: kein Spiel.

In Kliniken alles ruhig

Überschaubarer ist die Situation in den Häusern der Kliniken AG. Obwohl die Infektionszahlen klettern, liegt in Weiden nur eine Handvoll Coronapatientenim einstelligen Bereich, inklusive Verdachtsfälle. Keiner davon auf der Intensivstation. Auch Ärzte und Pfleger sind weitgehend vom Virus verschont.

Schon öfter erwischt es dagegen Seniorenheime. Neben dem Weidener BRK-Heim erlaubt mittlerweile auch das Eleonore-Sinderbergers-Altenheim keine Besuche mehr. Das AWO-Heim "Franz Zebisch" ist Covid-frei, gleichwohl werden am Freitagnachmittag sämtliche Bewohner und Mitarbeiter durchgetestet. Nachmittags können noch Angehörige in bestimmten Bereichen Bewohner besuchen. Physiotherapeuten müssen vorsichtshalber aber draußen bleiben.

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Coronazahlen:

Die Zahl der Covid-19-Infizierten in der Region steigt weiter. Laut Robert-Koch-Institut waren am Freitag, Stand 0 Uhr, in Weiden 449 Menschen von dem Virus befallen. Das sind 9 Fälle mehr als noch am Vortag. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 93,7 und damit weit über der kritischen Marke von 50. Auch der Landkreis nähert sich dieser Schwelle. 988 Infizierte sind ein Plus von 13 Menschen innerhalb eines Tages. Die Inzidenz klettert damit auf 45,5. (phs)

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