01.08.2019 - 10:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Von London über Weiden nach St. Pauli

Der ehemalige Weidener Publikumsliebling Albert Mendez Rodriguez war und ist in Sachen Fußball in ganz Europa unterwegs, zuletzt als Spieler-Scout für den Kiezklub FC St. Pauli. Aber auch für Weiden hat er schon die Schuhe geschnürt.

Ende der 90er-Jahre lief Alberto Mendez Rodriguez für den FC Arsenal London auch in der Champions League auf.
von Autor LSTProfil

Durch den Fußball kam er in ganz Europa herum, die Wurzeln zu seiner Heimat hat er dabei aber nie vergessen: Alberto Mendez Rodriguez, früherer Spieler des ehemaligen Regionalligisten SpVgg Weiden und danach Trainer beim FC Amberg, bleibt auch nach seiner aktiven Karriere, die er in der Saison 2017 in den „Alten Herren“ beim mittelfränkischen A-Klassisten TSV Katzwang endgültig beendet hat, seinem Sport treu – zunächst als Freiberufler bei „OptaPro“ und bis vergangenen Sonntag dem Kiez-Klub FC St. Pauli.

Es ist eine ungemein interessante Beschreibung, die das Xing-Profil des 44-Jährigen ziert. Dort steht: „Buisness Development Manager bei Scout7 Ltd.“, einem Recruiting Management-Unternehmen aus dem englischen Birmingham, das 2017 ein Teil von „OptaPro“ geworden ist. Und, was auch die Mitglieder des Weidener Fanclubs „Paulizeirevier“ hellhörig werden lässt: „Scout und Analyst für den FC St. Pauli von 1910“.

Ein ehemaliger Weidener Spieler, der für den norddeutschen Fußball-Zweitligisten tätig ist? „Ja, war ich“, erzählt Mendez Rodriguez. Seit 2013 arbeitete er fest angestellt bei den Braun-Weißen vom Millerntor als Spielerscout. „Der FC St. Pauli war ein Kunde von ‚Scout7‘. Und nachdem ich während meiner Zeit bei dem Unternehmen unter anderem auch für Borussia Dortmund, Mönchengladbach, Schalke, Freiburg, Nürnberg und Fürth gearbeitet hatte, kam dann die Anfrage aus Hamburg“, blickt er zurück.

Dort erlebte er nach eigener Aussage einer „tolle und spannende Zeit“, die er nicht missen möchte. „Ich war als Scout für die Länder Spanien und Portugal sowie für die nähere Hamburger Region tätig. Ein Job, in dem ich viel unterwegs war, viele interessante Menschen und Spieler kennengelernt habe“, erinnert sich der 44-Jährige. Allerdings gab es zuletzt unterschiedliche berufliche Auffassungen mit den St.-Pauli-Verantwortlichen, so dass er nun seinen Vertrag mit den Hamburgern im beiderseitigen Einvernehmen auflöste.

Einige Jahre war der ehemalige Mittelfeldregisseur der SpVgg Weiden zuvor für „Scout7“ und für „OptaPro“ tätig. Die Firma unterstützt seit 2012 Profiklubs verschiedener Sportarten, um ihre Leistung durch datengestützte Spiel- und Gegner-Analyse, Scouting und Rekrutierung zu verbessern. Mit Zugriff auf die „Opta“-Datenbank hat „OptaPro“ eine Reihe von Analysemethoden entwickelt, die die tägliche Arbeit mit Teams und Spielern optimiert. Mit Bildmaterial zu den Spielern, maßgeschneiderten Tools und Zugriff auf die Leistungsdaten profitieren mehr als 300 Profiklubs weltweit, unter anderem in Fußball-Ligen in England, Holland und auch Deutschland.

In enger Zusammenarbeit mit Cheftrainern, Recruiting-Verantwortlichen, Analysten von Profi- und Nachwuchs-Mannschaften, Scouts und Trainern konzentriert sich „OptaPro“ ausschließlich auf die Leistungssteigerung im Profibereich. „Teams benötigen nicht nur einen schnellstmöglichen Zugriff auf Daten, sondern müssen zudem die Gewissheit haben, dass die Leistungsdaten zu dem für das Spiel relevanten Kontext passen, denn diese können die Grundlage für zukünftige taktische Entscheidungen sein“, weiß Mendez Rodriguez.

Im Januar 2008 kam der damals 34-Jährige nach Weiden ans Wasserwerk. Der Deutsch-Spanier lief davor schon für den FC Arsenal London auf – unter anderem in der Champions League. Es war allerdings nur ein kurzes Gastspiel des gebürtigen Nürnbergers auf der Insel. Ende der 90er-Jahre spielte Mendez für den Klub von Arsene Wenger, der ihn bei einem Landesliga-Spiel des SC Feucht gegen den ESV Rangierbahnhof Nürnberg entdeckt hatte. Für 600000 Mark ging damals der Wechsel über die Bühne.

Mendez Rodriguez brachte es aber aufgrund vieler Verletzungen nur auf sechs Einsätze in der höchsten englischen Spielklasse, obwohl ihm Experten eine große Zukunft beim Nordlondoner Traditionsklub vorausgesagt hatten. Nach seinem Gastspiel bei Arsenal führte seine Fußballkarriere zu AEK Athen und zur SpVgg Unterhaching (Juli 1999 bis Juni 2000). Danach kehrte er wieder zu Arsenal zurück, doch auch beim zweiten Versuch blieb ihm der Durchbruch versagt.

Die spanischen Zweitligisten Racing Ferrol und Terrassa FC folgten, ehe er 2004 zu seinem Stammverein SC Feucht zurückkehrte und in der Regionalliga Süd spielte. Jeweils ein Jahr war er auch bei der SpVgg Bayreuth und Darmstadt 98 in der Regionalliga unter Vertrag. Bei den Hessen war damals auch der damalige SpVgg-Weiden-Coach Gino Lettieri tätig, der ihn schließlich in die Oberpfalz lockte.

Unvergessen bleibt sein Auftritt in Weiden am 1. August 2009 in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen Borussia Dortmund, bei dem sich der Bundesligist mit seinem Trainer Jürgen Klopp vor fast 10000 Zuschauern mit viel Glück mit 3:1 (1:0) durchsetzen konnte. Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:2 für die Schwarz-Blauen war Mendez Rodriguez (79. Minute).

Im November 2010 gab der offensive Mittelfeldspieler aufgrund einer erneut schweren Knieverletzung sein Karriereende bekannt. Zur Saison 2011/12 übernahm er das Traineramt beim Oberpfälzer Bezirks-Oberligisten FC Amberg, den er 2012 in die Bayernliga Nord führte, ehe er dort im April 2013 entlassen wurde. Seit Oktober 2013 schnürte er wieder die Fußballschuhe für den mittelfränkischen Kreisklassisten TV Leinburg und dann von 2015 bis 2017 für die Alten Herren des A-Klassisten TSV Katzwang, wo er aber nur zwei Spiele bestritt.

Und was kommt jetzt nach dem FC St. Pauli? „Das weiß ich noch nicht. Es gibt einige interessante Anfragen von Bundesligisten, für deren Scouting-Abteilungen ich arbeiten könnte. Aber ich werde nichts überstürzen, sondern in Ruhe den Markt sondieren und mein umfangreiches Netzwerk nutzen. Denn der Bereich des Spieler-Scoutings wird für die deutschen Vereine immer wichtiger werden“, so Mendez Rodriguez.

Im Trikot der SpVgg Weiden schaffte der technisch brillante Mittelfeldregisseur den Aufstieg in der Regionalliga Süd.
Auf dem Weg zum legendären 1:2: Der Deutsch-Spanier besorgte im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund vor rund 10000 Zuschauern am Wasserwerk den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer.
In seinem Heimatort Katzwang lief der heutige 44-Jährige zuletzt noch für die Alten Herren des TSV auf.
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