22.11.2019 - 09:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Leseschwäche erschwert das Leben

Jedes fünfte Kind in bundesdeutschen vierten Klassen ist leseschwach. "Erschreckend" findet das Julia Lenhart. Das Bildungsbüro der Stadt Weiden wird deshalb aktiv und startet ein Projekt mit Lesementoren.

Lernerfolg hängt in erster Linie vom Lesevermögen ab, doch da hapert es bei vielen Grundschülern. Das Bildungsbüro der Stadt will deshalb mit Unterstützung anderer Einrichtungen und Unternehmen das Projekt Lesementor in Weiden starten.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Denn was eine Studie auf Bundesebene festgestellt hat, gilt auch für die Max-Reger-Stadt. "Leseschwäche ist auch bei uns ein wichtiges Handlungsfeld", weiß Julia Lenhart nach einem Gespräch mit örtlichen Schulleitern. Dabei könne sich dieses Handicap durch das ganze Leben ziehen und es beeinflusst viele Bereiche, macht sie im Ausschuss für Jugendhilfe und soziale Fragen deutlich: Selbst wenn ein Kind naturwissenschaftlich begabt ist, kann es Aufgaben zum Teil nicht lösen, weil es den Text nicht versteht.

"Deshalb holen wir das Projekt ,Mentor - Die Leselernhelfer' zu uns." Im Gegensatz zu den Leselernpaten, von denen es in der Region bereits einige gibt, werden die Kinder von den Lesementoren im Schlüssel 1:1 betreut. Wöchentlich ist eine Schulstunde vorgesehen. Der Mentor-Bundesverband unterstützt die Aktiven vor Ort mit einem Startbudget von 2000 Euro und einer Grundausstattung.

Lenhart, zuständig für den Bereich Bildungsmanagement der Stadt, hat bereits weitere Mitstreiter gefunden. Vertreter der Regionalbibliothek, des Schulamts, ehemalige Schulleiter, Buchhandlungen und Oberpfalz-Medien bilden eine Planungsgruppe, die sich dieser Aufgabe annimmt. "Wir sind bei der Vereinsgründung auf einem guten Weg." Was noch fehlt, sind ehrenamtliche Mentoren, die einen Schüler betreuen möchten. Interessierte können sich jederzeit bei Julia Lenhart melden unter der Telefonnummer 0961/811 310.

Doch Lesementoren sind nicht der einzige Erfolg, den die vier Mitarbeiter des Bildungsmanagements seit dem Start vor einem Jahr auf den Weg gebracht haben. "Wir sind Berater und Dienstleister in Bildungsfragen", betonte Lenhart. Als solche kümmern sie sich um die Akquise von Fördermitteln genauso wie um Datenaufbereitung und -analyse, organisieren Veranstaltungen wie Arbeitnehmer- oder Neubürgertag und arbeiten mit Organisationen wie dem Bündnis für Familie zusammen.

Berufliche und schulische Bildung, Erwachsenenbildung und politische Bildung sind weitere Handlungsfelder. Ebenso wie der Aufbau eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements. Als erstes nahmen die Fachkräfte hier die kommunale Schulentwicklung unter die Lupe. Inzwischen liegt ein Teilbericht vor, der wichtige Daten enthält und Handlungsfelder vor Ort aufzeigt. Vergangene Woche wurde er Oberbürgermeister Kurt Seggewiß vorgestellt. Anfang Januar wird der Bericht in der Schulbeiratssitzung öffentlich präsentiert.

"Ich bin positiv überrascht, wie viel schon geschehen ist", lobte Stadträtin Stefanie Sperrer (CSU). Nicht weniger begeistert war Stadtrat Florian Graf (SPD): "Da lassen sich so viele interessante Projekte anleiern. Bei der Finanzierung von zwei Workshops 2020 im Jugendzentrum haben Sie schon geholfen." Froh über den Stadtratsbeschluss, ein Bildungsmanagement einzurichten, zeigte sich deshalb auch Stadtrat Reinhold Wildenauer. "Bildungsstadt Weiden: Das ist eine tolle Sache."

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.