11.10.2021 - 11:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Laut Caritas Weiden sind seit Corona mehr junge Erwachsene in der Krise

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf unsere Seele? Die Caritas Beratungsstelle für seelische Gesundheit Weiden/Neustadt WN zieht Bilanz. Besonders junge Erwachsene fallen hier ins Auge.

Auf der Suche nach Rat? Ein Gespräch mit der Diplom-Sozialpädagogin Sonja Dobmeier von der Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit kann helfen.
von Kira LorenzProfil

Dass die Corona-Pandemie für viele eine starke Belastung war, ist selbstverständlich. Dass man sich während der letzten eineinhalb Jahre in seelischen Notsituationen Hilfe holen konnte, sollte aber auch selbstverständlich sein. Jedenfalls gibt es Kümmerer wie Sonja Dobmeier, Diplom-Sozialpädagogin, und ihr Team der Beratungsstelle für seelische Gesundheit der Caritas Weiden/Neustadt. Und sie haben einiges zu berichten.

Das beschäftigt die jungen Erwachsenen

Dobmeier etwa berichtet, vor allem junge Weidener und Menschen aus dem Landkreis Neustadt/WN hätten mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen zu kämpfen gehabt. Sie erzählt von Klienten, die seit fast zwei Jahren studieren und ihre Kommilitonen noch nie gesehen haben. Außerdem läge ein großer Leistungsdruck auf den jungen Menschen. Trotzdem werde das Angebot der Beratungsstelle von ihnen nicht ausreichend angenommen: "Junge Leute kommen, wenn es brennt. Dann haben wir zwei bis drei Gespräche, die das Feuer löschen. Es bleibt aber die Glut übrig, die im Untergrund weiterschwelt", so Dobmeier.

Ältere besser im Umgang mit der Krise

Ältere Menschen dagegen sollen weniger Schwierigkeiten während der Pandemie gehabt haben. Weil sie normalerweise sowieso schon weniger Kontakte hätten, sei der Einschnitt für Ältere anscheinend nicht so schwerwiegend gewesen. Zudem hätten sie mehr Erfahrung im Umgang mit Krisen als Jüngere.

Neue Angebote in der Pandemie

Um die seelischen Belastungen der Pandemie aufzufangen, bot die Beratungsstelle Neues an. Etwa sogenannte "Walk-and-Talk-Gespräche", also das Reden über Problemen bei Spaziergängen an der frischen Luft. Diese Maßnahme habe sich besonders aufgrund ihrer Flexibilität und der Niedrigschwelligkeit für die Mitarbeiter der Beratungsstelle und die Klienten bewährt. Davon abgesehen musste man die persönlichen Gespräche aufs Telefon umstellen. Leider waren viele Klienten aber nicht in der Lage, dieses Angebot zu nutzen, weil sie sich in Anwesenheit ihrer Familie nicht öffnen konnten. "Es ist nicht das Gleiche, und wir sind froh, dass wir wieder reguläre Einzel- und Gruppengespräche führen können", sagt Sozialpädagogin Elke Lehner. Die weiteren fünf Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter im Raum stimmen ihr zu, die Pandemie sei eine Belastung für jeden gewesen. Auch für die Berater.

Weniger Gesprächsstunden

Die schwierige Situation spiegelt sich auch in der Statistik wider: Die Zahl der Beratungskontakte schrumpfte. Waren die Gesprächsstunden (einzeln und in Gruppen) noch bis 2019 kontinuierlich gestiegen (1340), so wurde 2020 nur noch 1066 Mal Hilfe angenommen. Bedenklich sei auch, dass manche vor der Coronakrise sehr stabile Klienten wieder ganz von vorne anfangen müssten. Die eineinhalb Jahre ohne stabiles Beratungsangebot habe sie zurückgeworfen.

Handlungsfähig, effektiv und regional

Diese Problematik nahm auch Lothar Höher, stellvertretender Bezirkstagspräsident, bei seinem Besuch in der Beratungsstelle zur Kenntnis. Er berichtete zudem von der enormen Auslastung der Bezirkskrankenhäuser und befand die Lockdown-Maßnahmen als zu lang. Abschließend dankte er der Beratungsstelle für den großartigen Einsatz und versprach weiter unkomplizierte finanzielle Unterstützung. Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt Weiden in der Oberpfalz und den Landkreis Neustadt an der Waldnaab e.V., Daniel Bronold, freute sich über die anstehende Übernahme der Einrichtung des Caritas-Kreisverbandes am 1. Januar 2022. So würden Dienstwege verkürzt und Arbeitsprozesse vereinfacht, da die Ansprechpartner für die Beratungsstelle im Haus in Weiden statt wie bislang in Regensburg sitzen werden.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Aktionstag in der Fußgängerzone Weiden

  • Motto: "Was ist schon normal?"
  • Wann: Donnerstag, 14. Oktober, von 10 bis 16 Uhr
  • Wo: Stand der Beratungsstelle für seelische Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Caritas Suchthilfe und der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in der Fußgängerzone Weiden
  • Was: Interaktive Angebote laden zum Mitmachen ein
  • Warum: Woche für seelische Gesundheit vom 8. bis 18. Oktober

 

 

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