15.02.2021 - 11:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Laufen bei Minusgraden: Weidens Bürgermeister Reinhold Wildenauer gibt Tipps

Joggen ist auch im Winter gesund. Das weiß auch Weidens sportlicher Bürgermeister Reinhold Wildenauer. Der DJK-Chef klärt auf, was es beim Winterlauf bei Minusgraden zu beachten gilt.

Für das Laufen auf vereistem Untergrund braucht es die richtige Ausrüstung.
von Helmut KunzProfil

„Training im Winter ist für mich ganz normal. Ob ich zum Skilanglaufen gehe oder laufe, das macht für mich keinen Unterschied.“ Für alle, die mal raus, die es ihm nachmachen wollen, hat Reinhold Wildenauer ein paar Tipps auf Lager. Der DJK-Vorsitzende ist passionierter Läufer, der drei- bis viermal pro Woche zehn Kilometer unterwegs ist. Kälte macht ihm nichts aus. Im Gegenteil: „Ich finde es sogar wichtig, bei solchen Temperaturen zu laufen. Das macht den Kopf frei.“

„Laufen ist die einfachste Methode, sportlich durch den Lockdown zu kommen“, sagt der Bürgermeister. Es geht ja um keinen Modewettbewerb. „Du ziehst deine Laufschuhe und die richtige Kleidung für den Winter an und los geht’s.“ Für den Winterlauf empfiehlt er grundsätzlich die Zwiebelausrüstung: Drei bis vier Schichten Oberbekleidung. „Zunächst ein Funktionsshirt, um die Feuchtigkeit aufzusaugen. Dann ein T-Shirt und ein Sweatshirt oder noch besser eine Softshelljacke drüber. Bei Regen natürlich eine Regenjacke zuoberst.“

Handschuhe und Mütze

Sobald es in den Minus-Grad-Bereich gehe, sollte der Jogger unbedingt Handschuhe und eine Funktionsmütze tragen. Die transportiere Feuchtigkeit nach außen. „Eine Schirmmütze ginge auch, ist aber nicht ideal.“ Unterhalb der Hüfte sei eine lange Laufhose über einer langen Unterhose angebracht. „Der Schutz des Oberkörpers ist aber wichtiger, weil die Beine beim Laufen ohnehin durchblutet und warm gehalten werden.“

Bei klirrender Kälte sei ein Tuch vor dem Mund ganz nützlich. Überhaupt sollte der Läufer durch die Nase atmen. Für die untersten Extremitäten würden sich im Winter wasserabstoßende Schuhe mit Profil anbieten. „Im Winter sollte man auch das übliche Sommertempo meiden und etwas langsamer laufen als sonst. Wichtig ist doch nur, dass ich etwas für die Ausdauer mache, mein Immunsystem stärke und vielleicht auch etwas gegen Corona tue, Stress abbaue und meine Muskeln aufbaue. Im Winter ist die Luft sauerstoffhaltiger.“ Wildenauer reduziert auch seine Laufdauer. „Wenn ich im Sommer eineinhalb Stunden unterwegs bin, reichen im Winter 50 Minuten.“

„Ich persönlich würde bei kälter als minus zehn Grad nicht mehr laufen“, sagt der Experte. Lieber dann flott spazieren gehen. „Denn das muss dann nicht sein. Aber alles was wärmer ist, macht dem Läufer nichts aus.“ Es gibt natürlich Leistungssportler, die auch bei minus 20 Grad trainieren würden, erklärt Wildenauer, der sich persönlich als einen Sportler mit 45-jähriger Lauferfahrung sieht, der durchaus mitreden könne. „Ich weiß, auf was ich mich einlasse. Ich kenne meinen Körper."

Waldlauf im Winter

„Ich liebe im Winter den Waldlauf. Du nimmst so viel an Eindrücken auf wirfst Ballast weg." Natürlich müsse sich jeder Läufer vorher einlaufen um seine Gelenke anzuwärmen. Sein Tipp: Je schlechter und unebener die Wegstrecke, desto länger das Warmlaufen auf normaler, ebener Strecke. „Sobald die Muskeln im Laufmodus sind, kannst du bei tiefen Temperaturen auch im schwierigen Gelände laufen. Aber Vorsicht: Niemals sofort auf unebene Waldwege.“ Seine Lieblingsstrecken sind: Heilige Staude, Flutkanal, Frauenricht Richtung Latsch oder über Ermersricht nach Trippach. „Die Abwechslung macht’s. Sonst wird’s zu langweilig.“

Neueinsteiger sollten sich auf keinen Fall übernehmen. Deshalb empfiehlt Wildenauer für den Anfang auch ein Wechselbad aus Laufen und Gehen. Der Dauerlauf komme dann schon von selbst. Viele Hobbyläufer machten den Fehler, dass sie nach längerem Joggen abrupt aufhörten. „Wer es richtig machen will, muss nach dem Laufen in schnelles Gehen übergehen.“

Keine Laufgruppen

Was Wildenauer als Sportvereinsvorsitzender besonders bedauert: Es gibt derzeit wegen Corona keine aktiven Laufgruppen mehr. Die Gruppendynamik leide stark. „Die meisten sind jetzt als Singles unterwegs. Beim Alleinelaufen fehlt einfach die Kommunikation, der Austausch und der Spaß, den man beim Laufen immer hat." Wichtig in Laufgruppen sei die gegenseitige Motivation. Und die fehle jetzt. "Heute können nur Sportler aus zwei unterschiedlichen Haushalten miteinander laufen."

Bei der DJK waren es immer rund 200 Läufer, die regelmäßig in mehreren Gruppen in und um Weiden unterwegs waren. "Viele sind natürlich jetzt weg. Schade. Wir hoffen, dass sie wieder zurückkommen." Allerdings sei er realistisch und rechnet, sollte das Lauftraining im organisierten Breitensport auch wieder möglich werden, doch mit kräftigen Einbrüchen von 20 Prozent. „Viele werden wohl nicht mehr zu den Gruppen zurückfinden."

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Hintergrund:

Tipps für gesundes Laufen im Winter

  • Temperatur: Laufen ohne Probleme bei bis -10 Grad Celsius
  • Richtige Kleidung: Zwiebellook, Handschuhe, Mütze, Mundschutz
  • Langsamer Start: Mindestens 5 bis 10 Minuten aufwärmen
  • Tempo: längeres, dafür langsames Laufen, um die Ausdauer zu trainieren; gelegentlich Intervalle
  • Kein Schlusssprint: 500 Meter locker auslaufen, dann nur kurz dehnen und schnell ins Warme gehen

 

 

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