08.07.2020 - 10:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landgericht Weiden: Ex-Freundin beschreibt Angeklagten als "höflich und mitfühlend"

Vor dem Landgericht Weiden ging darum, ob es Hinweise auf die gewalttätige Ehe zwischen Khaled E. und seiner Frau gab. Laut Anklage wurde sie nach Deutschland geschleust, misshandelt und sollte schließlich im Ausland ausgesetzt werden.

Symbolbild
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Ahmad E. soll die mit seinem Sohn zwangsverheiratete Frau von Syrien nach Deutschland geschleust haben. Dort angekommen, bekam sie mit Khaled E. einen Sohn. Als die Ehefrau aber nicht nach den Erwartungen der Familie „funktionierte“, so heißt es in der Anklageschrift, hätten Schwiegervater und Ehemann versucht sie, ohne ihren Sohn, zurück in die Türkei oder nach Syrien zu bringen und dort auszusetzen.

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Weiden ging es, neben der Schleusung nach Deutschland und dem plötzlichen Verschwinden der 21-Jährigen zudem darum, ob sie während ihrer Ehe mit Khaled E. mit dem sie sowohl in Eschenbach als auch in Pressath wohnte regelmäßig geschlagen und vergewaltigt wurde.

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Weiden in der Oberpfalz

Ein Cousin des Opfers, der als Zeuge aussagte, stand nach der Rückkehr der jungen Frau, die von ihrem Schwiegervater in die Türkei gebracht worden war, nach Deutschland wieder mit ihr in Kontakt. Sie habe ihm erzählt, dass die Misshandlungen durch ihren Ehemann „nicht normal“ waren. Sie sei mit einem Gürtel festgebunden und geschlagen worden. Er sei regelmäßig gewalttätig gewesen. Auch sexuelle Gewalt hätte sie erfahren. Khaled E. habe mehrmals gegen ihren Willen mit ihr geschlafen. Detaillierte Angaben machte die junge Frau ihm gegenüber nicht. Laut Birgit Hofmann, Vertreterin der Nebenklage, sei es vor allem für Frauen aus diesem Kulturkreis schwierig, sich mit solchen privaten Dingen anderen Menschen anzuvertrauen.

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Weiden in der Oberpfalz

Eine anderes Bild vom Angeklagten zeichnete dagegen seine Ex-Freundin, mit der er dem Verschwinden seiner Frau zusammen war. Sie beschreibt ihn als „emotionalen, höflichen und mitfühlenden“ Menschen. Ihrer Aussage nach waren Khaled und seine Frau bereits ab März 2019 getrennt, lebten aber noch zusammen bei den Schwiegereltern in Eschenbach. Sie habe sich dann im Laufe des Jahres in den Angeklagten verliebt. Die Beziehung hielten sie allerdings geheim. Die Ehefrau habe sie nur drei oder vier Mal getroffen. Ihr wurde sie von Familienmitgliedern als „frech“ beschrieben. Von gewalttätigen Übergriffen seitens Khaled E. habe sie nichts mitbekommen. Auch ihr gegenüber sei der Angeklagte nie gewalttätig gewesen. Nach dem Verschwinden der Ehefrau habe er sich sogar bei ihr ausgeweint.

Am Dienstagnachmittag sagten noch die Frauenärztin, welche die Schwangerschaft der Ehefrau begleitete, und eine Nachbarin aus. Die Ärztin habe bei ihren Untersuchungen keine Hämatome festgestellt, die auf körperliche Gewalt hindeuten, festgestellt. Die Nachbarin aus Eschenbach beschrieb die Familie E. als „freundlich und höflich“. Sie habe nichts mitbekommen, war allerdings auch nicht immer da. Andere Nachbarn hätten angeblich öfter eine Frau weinen hören. Als Khaled E. irgendwann erzählte, dass seine Frau weg war, fand sie das unglaubwürdig: „Ich war auch erschrocken, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie eine Mutter ihr Kind zurücklassen kann.“ Der Prozess wird am Donnerstag zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt.

Info:

So lautet die Anklage

Der Prozess gegen Ahmad E. und seinen Sohn Khaled E. vor dem Landgericht Weiden hat am 25. Juni begonnen. Ahmad E. soll für die Geschädigte die Schleusung von Syrien nach Deutschland organisiert und sie selbst aus Griechenland abgeholt haben. Bereits zuvor war sie mit seinem Sohn Khaled E. verheiratet worden. In der Oberpfalz begann für die heute 21-Jährige eine brutale Tortur, weil sie sich laut Anklage „nicht widerstandslos unterwerfen“ wollte. Sie soll von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt worden sein. Nach der Geburt eines Sohnes sollen die Angeklagten versucht haben die Frau zurück nach Syrien zu bringen. Der Schwiegervater soll sie unter falschem Vorwand in die Türkei gebracht haben. Von dort sollte sie zurück nach Syrien ohne ihren neugeborenen Sohn. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft den Männern daher Menschenraub in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger vor. Ahmad E. wird zudem die Einschleusung von Ausländern vorgeworfen. Seinem Sohn Khaled wird gefährliche Körperverletzung in insgesamt acht Fällen, zum Teil mit Bedrohung und Freiheitsberaubung, vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen sowie Vergewaltigung in vier Fällen vorgeworfen.

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