28.04.2020 - 15:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Krisenstimmung auf der Pferdekoppel

Reittherapiebetriebe wie der von Katja Süß in Weiden helfen in der Regel Kindern und Erwachsenen bei der Bewältigung von Krisensituationen. In Zeiten von Corona benötigt sie nun selbst Unterstützung und bangt um ihr Unternehmen.

Katja Süß und ihre Vierbeiner haben in Coronazeiten wenig zu tun. Die Pferdetherapeutin bangt um ihren Betrieb.
von Externer BeitragProfil

Ein Frühlingstag in der Nähe von Weiden. Ninjo, Jonathan und Marron stehen auf der Koppel und genießen die warme Sonne. Auch Rico und das Pony Pedro vertrödeln die Zeit. Die Pferde gehören zum Reittherapiezentrum Oberpfalz nahe Schirmitz. Diplom-Sozialpädagogin und Reittherapielehrerin Katja Süß hat sich hier 2007 eine berufliche Existenz aufgebaut. Sie bietet mit ihren fünf Pferden therapeutisches Reiten für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche an.

Hauptsächlich arbeitet Süß mit Kindern mit Hyperaktivität, einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder einer Lernbehinderung. „Die Kinder und Jugendlichen profitieren sehr von diesem Angebot. Sie lernen, Verantwortung für "ihr" Pferd zu übernehmen. Die Tiere werden gestriegelt und geputzt. Der Umgang mit Pferden ist eine wunderbare Möglichkeit, im Kontakt mit dem Tier ganz vielfältige Erfahrungen zu sammeln und das Selbstvertrauen zu stärken", so die erfahrene Leiterin.

Doch mit der Corona-Pandemie steht die Einrichtung still, der Kundenverkehr musste eingestellt werden, und die pferdegestützten Interventionen wurden zum Schutz von Klienten und Betreuern bis auf Weiteres untersagt. Die Folge: Notwendige Einkünfte bleiben aus. Für Katja Süß eine Katastrophe. Während die Einnahmen von einem Moment auf den anderen auf die Nulllinie rasselten, bleibt die Höhe der Ausgaben unverändert.

Besonders die Versorgung der Pferde verursacht hohe Kosten, Futter und Einstreu müssen weiterhin bezahlt werden, auch wenn derzeit keine therapeutische Betreuung stattfinden kann. "Die Fixkosten liegen in meinem Betrieb monatlich bei rund 4500 Euro", rechnet die Leiterin vor. „Wenn der Sommer wieder so trocken wird, verdoppeln sich zusätzlich die Futterkosten.“ Dank der Corona-Soforthilfe konnte sie die ersten Wochen einigermaßen überbrücken und zum Glück seien alle Pferde momentan gesund. An Tierarztkosten könnten ganz schnell 500 oder 800 Euro für eine Behandlung zusammenkommen, weiß Süß aus Erfahrung.

Auch eine andere Sorge lässt sie nicht mehr los: "Was passiert mit meinen Pferden, falls ich krank werde?" Im Moment laste die komplette Stallarbeit auf ihren Schultern, da auch die Unterstützung durch Praktikanten fehle.

Immerhin sei die Reittherapie seit Kurzem in Einzelfällen und unter strengsten Hygienemaßnahmen wieder möglich. "Ein kleiner Hoffnungsschimmer", sagt Süß.

Doch es gebe auch schöne Momente. "Die Kinder vermissen ihre Pferde und erkundigen sich regelmäßig, ob es ihnen auch wirklich gut geht. Das tut es, aber die täglichen Streicheleinheiten der Kinder fehlen trotzdem."

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