23.02.2020 - 16:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommunalwahl Anno dazumal in Weiden

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Am 15. März hat der Bürger das Wort und entscheidet über seinen Stadtrat. Bis 1919 dagegen hatten nur wenige Auserwählte da ein gewichtiges Wort mitzureden.

Als erste erhaltene Quelle für den Wahlmodus nennt Petra Vorsatz den Regimentsbrief aus dem Jahr 1456. Das Ratswahlverfahren war ausgesprochen kompliziert und blieb bis 1818 in Kraft.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

202 Jahre ist es her, dass König Max I. Joseph die Bayerische Gemeindewahlordnung erließ. Damit wurden die Gemeindewahlen zwar modernisiert, doch mit den Kommunalwahlen der heutigen Zeit war das keinesfalls vergleichbar. Das Frauenwahlrecht lag noch in weiter Ferne. Und selbst bei den Männern durfte nur ein enger Kreis von Auserwählten seine Stimme abgeben. "Nur wohlhabende Männer ab 30 Jahren hatten das Wahlrecht", berichtet Stadtarchivarin Petra Vorsatz. Bis zur Einführung des allgemeinen Wahlrechts sollten noch 200 Jahre vergehen.

Erster Bürgermeister der Stadt wurde nach der Neuregelung 1818 Emanuel Zemsch. Ein aus einer alteingesessenen Weidener Familie stammender Kaufmann. Die Max-Reger-Stadt erhielt zunächst einen Magistrat zweiter Klasse, wobei sich die Klassifizierung an der Einwohnerzahl orientierte: 2194 Bürger. Und wie war dieses Gremium nun besetzt? Neben dem Bürgermeister gehörte ihm ein rechtskundiger Magistratsrat an. "Vergleichbar dem heutigen Rechtsdezernenten", erklärt Vorsatz. Daneben gab es noch acht bürgerliche Magistratsräte und einen Stadtschreiber. Diese wichtige Position erforderte eine gewissenhafte Ausübung und wurde häufig mit einem Juristen besetzt.

Apropos Besetzung: Auf den Sitzen des Magistrats - einschließlich des Bürgermeisters - landeten häufig immer wieder dieselben Bürger. Noch stärker war dies im komplizierten Ratswahlverfahren der Fall, das bis 1818 in Weiden galt und im Regimentsbrief von 1456 geregelt wurde. Lapidar ausgedrückt, könnte man laut Vorsatz sagen: "Die haben sich immer wieder selbst gewählt."

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Was überrascht, ist die Entlohnung. Der Bürgermeister - er war nicht hauptamtlich tätig, wie man heutzutage sagen würde - erhielt 250 Gulden im Jahr. Der rechtskundige Rat dagegen bekam ein Jahressalär von 600 Gulden, der Stadtschreiber 500, der Copist 300 und der Magistratsdiener 360 Gulden, was die Bedeutung ihrer Aufgaben widerspiegelt. Bei ihren Nachforschungen hat die Stadtarchivarin herausgefunden: "Von 1507 bis 1806 erhielten Bürgermeister stets die gleiche Entlohnung, obwohl sich die Währungen verändert haben." Zur Einordnung: Ein kleines Haus war damals für rund 1000 Gulden zu haben.

Auch nach der Einführung des Gemeindewahlrechts von 1818 dominieren in Weiden bekannte Familiennamen die Liste der Bürgermeister, wie Emanuel Zemsch (Kaufmann), Severin Moser (er führte die Mohren-Apotheke), Friedrich Zemsch (Kaufmann), Christian Sonna (Kaufmann), Matthias Aichinger (Zinngießer) oder Jakob Vierling (Marien-Apotheke). Vierling hatte das Bürgermeisteramt mit Unterbrechungen drei Mal inne. Unterlagen über die Zahl der Kandidaten und andere Details sind leider nicht erhalten.

Parteien waren noch unbekannt. Die ersten gründeten sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Zensuswahlrecht (ungleiches Wahlrecht, das sich an Finanzmitteln orientiert) in Bayern endete nach dem ersten Weltkrieg 1918 und dem damit verbundenen Untergang der Monarchie. Mit der Weimarer Republik wurde 1919 das Alter der Wahlberechtigten auf 20 Jahre gesenkt und das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Auch Frauen erhielten erstmals das Recht zu wählen und sich zur Wahl zu stellen. In Weiden verbuchte die akademische Malerin Antonie Vierling 1919 einen großen Erfolg: Sie wurde auf Anhieb als erste Stadträtin in das Kommunalparlament gewählt.

Dafür findet sich der "Weidener Anzeiger" vom 9. Dezember 1924 im Stadtarchiv. Er informiert über die Wahlergebnisse der Weidener Gemeindewahl am 7. Dezember 1924. Demnach fiel die Sitzverteilung folgendermaßen aus: Die Bayerische Volkspartei erhielt 14 Sitze, die Sozialdemokratische Partei 8, der Völkische Block 3 und die Deutsche Demokratische Partei 2 Sitze. Jeweils 1 Sitz gewannen die Deutschnationale Volkspartei, die Wahlvereinigung und die Kommunisten.

Das Gremium umfasste damals also 30 Sitze. Inzwischen ist der Stadtrat auf 40 Sitze angewachsen und großteils sind neue Parteien am Start. Wer die Geschicke der Stadt in Zukunft bestimmt, darüber entscheiden die Bürger am 15. März in freier, geheimer und gleicher Wahl.

König Max I. Joseph erließ die Bayerische Gemeindeverordnung im August 1818. Erster Weidener Bürgermeister danach war Emanuel Zemsch.
Der "Weidener Anzeiger" vom 9. Dezember 1924 verkündet die Wahlergebnisse und die Sitzverteilung der damaligen Kommunalwahlen.
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