02.12.2020 - 09:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommentar: Pflegekräfte pfleglich behandeln, statt abwerben

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Fehlende Pflegekräfte sind ein Problem, nicht nur in der Oberpfalz. Und das Problem wird größer. Statt sich im Ausland auf die Suche zu machen, gäbe es eine naheliegendere Lösung, kommentiert Jürgen Herda.

Pflegekräfte aus dem Ausland sollen den Fachkräftemangel in Deutschland abfedern. Die Arbeitsverträge stehen zum Teil in der Kritik.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Die Globalisierung hat auch den Gesundheitsbereich erfasst. Die weltweite Konkurrenz um Pflegekräfte trifft einen sensiblen Bereich der Gesellschaft: Die Versorgung kranker und hilfsbedürftiger Menschen. Der gnadenlose Turbokapitalismus macht nicht Halt vor Krankenhäusern und Altenheimen.

2010 verpflichtete sich Deutschland zu einen Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation WHO, der vorsieht, den Einsatz unseriöser Vermittler zu bekämpfen und ausländischen Pflegekräften gleiche Rechte wie einheimischen einzuräumen. Die Unterzeichner verständigten sich, nicht in Ländern zu rekrutieren, die für den eigenen Bedarf nicht ausreichend medizinisches Personal haben.

Pflegenotstand in armen Ländern

Wenn das reiche Deutschland unter Pflegenotstand leidet, kann man sich vorstellen, wie schwierig die Lage in Mexiko, Kolumbien oder Vietnam ist. In Mexiko kamen im Jahr 2016 auf 1000 Einwohner nur 2,89 Pflegekräfte - in Deutschland fast 13. Aber auch Südosteuropa leidet unter der Abwanderung junger, gut ausgebildeter Kräfte.

Die fairste Lösung für den Fachkräftemangel liegt im eigenen Land. Verdi verweist darauf, dass viele Pflegekräfte wegen hoher Belastung nicht das normale Rentenalter erreichen. Wenig attraktiv sind zudem Image und Löhne der Pflegeberufe. Experten fordern um 20 Prozent höhere Gehälter, um ausreichend Nachwuchs zu rekrutieren.

Deshalb ist der Applaus für die völlig überlasteten Helden des Gesundheitswesens während der Pandemie, dem keine neue Gehaltsstruktur folgt, ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.

Das Geschäft mit dem Pflegenotstand

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.