09.07.2020 - 08:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Knöllchen für trauernde Angehörige: Stadt Weiden zieht Verwarnungsgeld zurück

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Der Vorfall ist für Diakon Theo Margeth "an Takt- und Empathielosigkeit nicht zu überbieten". Doch die Stadt zeigt sich letztlich human: Sie zieht das Knöllchen für trauernde Angehörige nach einer Nachfrage von Oberpfalz-Medien zurück.

Im Fall dieses Autofahrers war die Parkscheibe wohl abgelaufen, er erhält ein Knöllchen. Bei den trauernden Angehörigen, die während der Beerdigung die Parkscheibe vergessen hatten, nimmt die Stadt dagegen die Verwarnung zurück.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Theo Margeth, Seelsorger am Bezirksklinikum Wöllershof und KAB-Kreispräses, machte seiner Empörung in einem Schreiben an Oberpfalz-Medien Luft. Er schilderte den Vorfall, der sich an einem Freitag auf dem Parkplatz beim Stadtfriedhof zugetragen hatte, in bewegten Worten. Um 11.15 Uhr sei er als Seelsorger zeitgleich mit den Angehörigen am Parkplatz eingetroffen. "Man (...) begrüßt sich, Tränen fließen, Trauer liegt in der Luft. Angehörige sind gekommen, um ihrem verstorbenen Vater das letzte irdische Geleit zu geben, ihm die letzte Ehre zu erweisen."

"Das kann doch nicht sein"

Das böse Erwachen sei erfolgt, als die Angehörigen eine halbe Stunde später, schluchzend und weinend zu ihrem Fahrzeug zurückkehrten. "Die Hinterbliebenen sind maßlos traurig. (...) Stumm und mit zitternder Hand nehmen sie das, was vorne an der Kfz-Windschutzscheibe liegt. Kreidebleich und mit zaghafter Stimme sagt die Tochter des Verstorbenen: ,Das kann doch nicht sein.'"

Was sie so erschütterte? Die Angehörigen hatten vergessen, beim Parken eine Parkscheibe ins Auto zu legen. Dafür fanden sie nun ein Knöllchen über 20 Euro Verwarnungsgeld vor.

Nicht jeder Parksünder kann mit Nachsicht rechnen, wie dieser Artikel belegt

Weiden in der Oberpfalz

Diakon Margeth war sprachlos und "vielleicht sogar etwas wütend". Es war für ihn völlig unverständlich, dass hier Menschen, die eben den schwersten Weg, den Hinterbliebene gehen müssen, zurückgelegt hatten, mit 20 Euro Verwarnungsgeld abgestraft wurden, weil sie keine Parkscheibe hinterlegt hatten. Den Verantwortlichen fehle es an "Empathie, Verständnis, wohlwollendem Umgang und Menschlichkeit", entrüstete sich der Seelsorger. "Ich werde für sie beten, damit auch sie eines Tages nicht in so eine Situation geraten! In eine Situation, wo die Erde stillsteht und wenn sie sich weiter dreht, ist nichts mehr wie es war, denn ihr eigen Fleisch und Blut ist tot."

Beschwerde beim Ordnungsamt

Die Angehörigen haben das Verwarnungsgeld nach Angaben des Diakons überwiesen. Der Seelsorger selbst wollte sich nicht so schnell geschlagen geben. Er rief beim Ordnungsamt der Stadt Weiden an, um sich zu beschweren. Dort habe man ihm erklärt, dass auf dem Parkplatz beim Stadtfriedhof eventuell auch Autofahrer parken würden, die zum Einkaufsbummel in die Stadt gingen, nicht nur Hinterbliebene.

Für den Seelsorger kein schlagendes Argument. "Sie hätten erleben sollen, wie das abgelaufen ist, als wir zum Parkplatz zurückgekommen sind", erinnert er an Tränen und Fassungslosigkeit. 20 Euro für eine fehlende Parkscheibe seien ein starkes Stück. Er finde das Vorgehen der Stadt einfach "furchtbar taktlos".

Oberpfalz-Medien hakten bei der Stadt nach - und stießen dort letztlich doch auf Verständnis. Die Presseabteilung der Stadt teilte jetzt mit: "Die betroffenen Personen hatten sich nicht an die Stadtverwaltung gewendet. Deshalb konnte diese zunächst nichts unternehmen. Da uns inzwischen die Begleitumstände mitgeteilt worden sind, ist die Stadt bereit, die Verwarnung zurückzunehmen."

Kommentar:

Verwaltung beweist Menschlichkeit

Na also, geht doch! Mit ein bisschen guten Willen lassen sich auch unangenehme Scharten wieder auswetzen. Das hat die Stadtverwaltung in diesem Fall bewiesen. Sicher, Verkehrsregeln gelten auch für trauernde Angehörige. Aber wer den geliebten Vater verloren hat, der kann in seinem Kummer schon einmal vergessen, dass er eine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe legt.
Kurz vor dem Weg zum Grab beherrschen Kummer und Leid über den schweren Verlust die Gedanken. Diakon Theo Margeth hat die tiefe Trauer der Angehörigen in bewegten Worten geschildert - und ihre Fassungslosigkeit, als sie den Strafzettel fanden. Er bat beim Ordnungsamt um Nachsicht - ohne Erfolg. Doch der Seelsorger blieb hartnäckig und wandte sich mit dem Fall an Oberpfalz-Medien. Diesmal mit Erfolg: Denn auf Nachfrage der Presse zeigte die Stadtverwaltung Menschlichkeit. Sie nimmt die Verwarnung zurück: Ende gut, alles gut.

Jutta Porsche

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