18.04.2021 - 11:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Es kitzelt nur": Covid-Teststation im Alten Rathaus in Weiden eröffnet

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Ein negativer Coronatest ist ab Montag Voraussetzung für den Einkauf in einem Weidener Geschäft. Das klingt umständlich, doch die ersten Erfahrungen sind weder schmerzhaft noch allzu kompliziert.

Tut gar nicht weh. Auch die Ortsbeauftragte der Malteser, Barbara Faltenbacher, lässt sich von Petra Mayer auf das Coronavirus testen.
von Helmut KunzProfil

Der Schein trügt. Was den Anschein hat, als wäre es eine Baustellenabsperrung ist in Wirklichkeit der Zugang zur neuen Corona-Teststation, welche die Malteser ab sofort dienstags, mittwochs und samstags im einstigen Friseurladen im Erdgeschossgewölbe des Alten Rathauses betreiben. "Also ich kann jedem, der Angst hat, die Angst nur nehmen. Die gehen nur ein Stück weit in die Nase rein. Es kitzelt nur", erzählt Matthias Keilhofer, der sich am Samstag soeben testen hat lassen. "Wir kaufen jetzt noch schnell was ein, dann holen wir uns unser Testergebnis ab. Jetzt wissen wir wenigstens, wie's läuft. Die Damen in der Teststation sind sehr nett."

Das findet auch Josefine Hentschke, die ebenfalls die Gelegenheit beim Schopf packt. Sie habe sich kurzfristig zum Test entschlossen, weil sie draußen die Beschriftung gesehen habe. "Dachte mir, versuch's doch mal."

Mit der Teststation bekommen die Bürger die Möglichkeit, mit der Sicherheit eines negativen Antigen-Schnelltests, Kontakte in Familie, Freizeit und Beruf zu knüpfen. Den Ablauf erklärt der Geschäftsführer des Malteser Hilfsdiensts, Dieter Landgraf. "Die Leute können sich per Telefon oder online in der Tourist-Info, gleich gegenüber, anmelden. Dieses Anmeldeliste bekommen dann wir. Wir wissen also, wer wann kommt. Die Leute müssen dann nur noch ihr Anmeldeformular ausfüllen und dürfen zum Test. Jeder bekommt eine Nummer zugewiesen, lässt sich testen und geht wieder nach draußen. Nach zwanzig Minuten liegt das Ergebnis vor." Natürlich würden auch Leute getestet, die sich spontan dazu entscheiden würden.

Auf Treu und Glauben

Sobald das Testergebnis vorliege, würden die jeweiligen Nummern im Fenster angezeigt und das Ergebnis in Papierform dem Adressaten durchs Fenstergitter ins Freie gereicht. Ein nochmaliges Erscheinen im Testzentrum sei damit ausgeschlossen. Die Vorlage von Ausweispapieren sei nicht erforderlich. "Wir müssen den Angaben der Testpersonen glauben. Im Falle eines positiven Tests müssen wir die Personalien ans Gesundheitsamt weiterleiten."

Am Samstag fallen alle Testergebnisse bis zur Mittagsstunde negativ aus. Abstrichnehmerin Petra Mayer und Auswerterin Mechthild Tackling zeichnen federführend für das Prozedere in der Station verantwortlich. "Das Angebot wird angenommen. Wir sind zufrieden und die Leute, die zu uns kommen auch." Bis 11.30 Uhr haben sich 36 Personen testen lassen. "Ich schätze aber, dass ab Montag, wenn die Tests fürs Einkaufen Pflicht sind, schon mehr Leute kommen werden." Die Wattestäbchen würden in den rechten, vorderen Nasenbereich eingeführt. "Dann drehen wir fünfmal an der Nasenwand entlang und wechseln anschließend ins andere Nasenloch." Das genüge.

Die an die Testpersonen ausgehändigten Bescheinigungen seien vom Staatsministerium legitimiert. "Darauf stehen Name, Datum, Uhrzeit und Testergebnis." Die Bestätigung gelte für 24 Stunden und für Einkäufe. Ihr Testergebnis sei negativ ausgefallen, freut sich Manuela Hochwart, als ihr die Bestätigung durchs offene Rathausfenster ausgehändigt wird. Hochwart ist Nummer 37. Die zwanzigminütige Wartezeit hat sie sich mit einem Bummel über den Wochenmarkt vertrieben. "Ich habe mit einem negativen Ergebnis gerechnet, weil ich dreimal pro Woche durch meinen Arbeitgeber getestet werde", unterstreicht die Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes. "Ich halte diese Aktion für einen guten Weg in ein Stückweit mehr Freiheit." Vom Abstrich selbst sei sie positiv überrascht. "Die nehmen wirklich nur den vorderen Nasenbereich. War sehr angenehm."

Händler angetan

"Ich halte das für eine gute Idee", sagt Markthändlerin Manuela Völkl. "Vor allem, weil die Teststation mitten in der Stadt ist." Es sei auch für die Händler wichtig, dass sich die Leute testen ließen vor dem Einkauf. Die Frage, ob sie sich davon eine Lockerung erhoffe, beantwortet sie mit einem "Jein". Sie glaube auch nicht, dass sich die Maßnahmen auf die Inzidenzwerte auswirkten. "Das ist seit Wochen ein auf und ab. Und so wird das auch noch eine Zeitlang bleiben." Für die Geschäftsleute sei es nur gut, wenn die Bürger die Möglichkeit bekämen, sich testen zu lassen, betont ihr Marktkollege Stephan Hofmann. "Testen, ein paar Minuten warten und dann einkaufen gehen. Das ist auch für die Umsätze in der Innenstadt gut."

"Es ist super, dass die Stadt daran gedacht hat, möglichst frühzeitig was zu machen", meint Einzelhandelssprecher Tobias Sonna. "Es ist unbedingt notwendig, dass wir in Weiden mehrere Teststationen haben. Und nicht nur hier in der Altstadt, sondern auch draußen für die Kollegen auf der grünen Wiese." Allerdings stelle sich der Handel auf harte Zeiten ein. "Auf manche Kunden wirkt der Schnelltest abschreckend. Hier kann ich nur empfehlen: Machen Sie es, es tut nicht weh!" Jeder könne durch sein persönliches Verhalten sein Scherflein dazu beitragen, dass alle möglichst schnell durch diese schwierige Zeit kämen.

"Der Schnelltest ermöglicht einem sogar eine Art Privatshopping. Lass ich mir einen Test machen, kann ich 24 Stunden lang fast alleine die Geschäfte besuchen und einkaufen." Die niedrige Zahl an Tests vom Samstag sei nicht bezeichnend, weil die Notwendigkeit dafür erst ab Montag gegeben sei. Sonnas Bitte an die politisch Verantwortlichen und sein Vorschlag zur Nachjustierung beim Infektionsschutzgesetz: "Bitte weiterhin die Abholung der Ware im Geschäft ermöglichen! Da reden wir aber zwei, drei Wochen voraus." Bis dahin würden gelten: Schnelltest, Terminvereinbarung und rein ins Geschäft. "Wer sich testen lässt, kann seinen regionalen Handel unterstützen."

Dem Vernehmen nach hat aber die Testpflicht am Wochenende keinen Konsumschub ausgelöst. Das machte sich auch auf den Parkplätzen und im Stadtbild bemerkbar. Vor allem der nieselige Samstag hat offenbar viele bewogen, es sich doch lieber daheim gemütlich zu machen.

Es sei denn, sie haben den Samstag zu Terminen genutzt, für die ohnehin die Testpflicht weiterhin ab Montag nicht gilt. Das sind neben Lebensmittelversorgern Friseure und Kosmetikerinnen, Auto- und Fahrradwerkstätten sowie Banken.

Mehr zu kostenlosen Schnelltests im NOC und im Alten Rathaus in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Coronazahlen klettern weiter

  • Das Wochenende setzt den unrühmlichen Abschluss bei der Steigerung der Zahl der Covid-Infizierten in Weiden nach Ostern. Im Landkreis Neustadt ging es dagegen etwas abwärts.
  • Positiv: Die Anzahl der Toten in Zusammenhang mit dem Virus hat sich nicht erhöht. Sie liegt in Weiden weiter bei 73, im Landkreis bei 159.
  • Die Sieben-Tage-Inzidenz in Weiden kletterte von Freitag auf Sonntag laut-Robert-Koch-Institut in Weiden von 124 auf 131, im Landkreis sank sie von 133,4 auf 117,5.
  • Das bedeutet 32 Neuinfizierte in der Stadt und 60 im Landkreis.
  • Insgesamt erkrankten somit 2543 Weidener und 4927 Landkreisbürger.

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