04.07.2021 - 09:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keramikmuseum: Zweitschönstes Museum der Oberpfalz steht in Weiden

Keramik begleitet die Menschen seit Jahrtausenden. Das Keramikmuseum in Weiden zeigt über 1000 Exponate und wurde nun zum zweitschönsten Museum der Oberpfalz gekürt. Was macht es so besonders?

Philipp Schwemin ist fasziniert von den Glockentöpfen. Die 6000 Jahre alten Schüsseln sind die "Plastiktüten der Geschichte".
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Gesucht wurde das schönste Museum der Oberpfalz. Bei einer Online-Abstimmung des Vereins Oberpfalz-Marketing konnten Internet-Nutzer über drei Wochen ihren Favoriten auswählen. Zehn Einrichtungen gingen ins Rennen, unter anderem die Walhalla im Regensburger Land. Unter den Kandidaten auch: das Keramikmuseum in Weiden. Mit 970 von 4000 Stimmen belegte das Museum Platz zwei. Sieger wurde das Luftmuseum in Amberg mit 1.552 Stimmen. Aber was genau macht das Keramikmuseum zum zweitschönsten in der Oberpfalz?

Museumsleiterin Stephanie Dietz ist sich sicher: "Die gute Platzierung hat das Museum seinem Bekanntheitsgrad zu verdanken." Vielfältige Ausstellungen werden im Waldsassener Kasten seit über 30 Jahren präsentiert. 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche ermöglichen eine Zeitreise durch 7000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte der Keramik. "Es gibt originelle Veranstaltungsangebote für alle Altersgruppen."

Anfangs der "Keramik-Nerd"

Eines davon ist das Projekt "Kinder im Museum". In Zusammenarbeit mit der Kulturwerkstatt Kalmreuth werden bereits seit 24 Jahren Kinderführungen von Kindern und Jugendlichen für Kinder angeboten. "Kunst und Kultur werden leicht und in nachhaltigen Workshops erlebbar gemacht, bei der Kinderführung, auf der Geburtstagsfeier oder im Schulprojekt", erklärt Irene Fritz, Leiterin der Jugendkunstschule. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Kinderführer um sich neue Themenführungen auszudenken.

Zwei von ihnen sind die 17-jährige Vanessa Rödl und der 16-jährige Philipp Schwemin. Seit über sieben Jahren sind sie als Kinderführer tätig. "Es ist ein außergewöhnliches Hobby", sagt Vanessa Rödl, deren Freunde sie damals noch als "Keramik-Nerd" bezeichneten. "Das Museum ist so vielfältig, man kann sehr viele Kulturen entdecken", findet die 17-Jährige. Schwemin fasziniert vor allem, dass Keramik schon immer eine wichtig Bedeutung in der Menschheitsgeschichte hatte.

Große Fangemeinde

Diese Bedeutung unterstreicht auch Konstantin Thomas. Der Vorsitzende des Fördervereins "Die Keramischen" freut der sich sehr über den zweiten Platz: "Wir konnten viele Fans für die Abstimmung mobilisieren." Für ihn ist Keramik "ein Kulturerbe und bis heute ein fantastischer Werkstoff, der in unserer Region sehr wichtig ist". Das gute Abschneiden bei der Umfrage führt er auf die Ausstrahlung des Museums zurück. "Es hat die Fähigkeit, Begeisterung in den Menschen zu wecken." Thomas erinnert sich an einen 14-jährigen Museumsbesucher, der sagte: "Keramik verbindet die Menschen auf allen Kontinenten mehr, als es sie trennt." Zudem sei das Museumsgebäude, der Waldsassener Kasten, etwas ganz besonders. Auch nach 30 Jahren habe dieses Konzept nichts von seiner Wirkung auf die Besucher verloren.

"Zudem überzeugt das Museum durch die Schönheit, Ästhetik und hohe Qualität seiner Objekte", ergänzt die Museumsleiterin. Die Kunstwerke würden in einer gut dosierten Auswahl präsentiert, die Besucher nicht mit Text und Informationen überflutet. Dennoch soll beim nächsten Treffen des Kultur- und Tourismusbeirats bereits am Mittwoch, 7. Juli, über ein neues Ausstellungskonzept gesprochen werden.

"Plastiktüten der Geschichte"

Über 1000 Exponate gibt es im Museum zu entdecken. Besonders gerne sehen Konstantin Thomas, Stephanie Dietz sowie die Kinderführer Vanessa Rödl und Philipp Schwemin nach ihren Lieblingsexponaten.

  • Stier aus Ton: Eine 20 Zentimeter große Tonfigur in Form eines Stieres hat es Konstantin Thomas angetan. Dieser stammt aus dem Nordosten Thailands und entstand vor circa 4000 Jahren. Die sogenannte Ban Chiang Kultur wurde erst 1960 wieder entdeckt, als ein Student riesige Felder mit Keramikscherben fand.
  • Frau aus Irak: Stephanie Dietz fasziniert besonders eine große weibliche Figur aus dem antiken Iran, die gleichzeitig auch ein Gefäß ist. "Ich mag diese Figur ganz besonders, aufgrund ihrer Schönheit in der Gestaltung." Details wie wie der lange Zopf am Rücken, die spiralförmigen „Tattoos“ am Körper sind zu erkennen. "Ich bin immer wieder begeistert", sagt sie. Unter der Flechtfrisur versteckt sich die Gefäßöffnung. 3000 Jahre ist die Dame inzwischen alt und hat sich "sehr gut gehalten".
  • Amphore aus Griechenland: Kinderführerin Vanessa Rödl präsentiert ihr Lieblingsexponat bei Führungen besonders gerne: Eine fein bemalte Amphore aus dem antiken Griechenland. Darauf zu sehen ist Herkules, wie er gegen den Nemeischen Löwen kämpft.
  • Plastiktüten der Geschichte: Die Glockentöpfe einen Raum weiter sind Philipp Schwemin ans Herz gewachsen. "Das sind die Plastiktüten der Geschichte", sagt er. Bei den Schüsseln handelt es sich um Alltagsobjekte, von denen nicht viele erhalten sind. In den Glockentopf füllten die Menschen vor 6000 Jahren ihre Lebensmittel. "In den Gefäßen sind sogar die Faustabdrücke zu erkennen."

"Die Auswahl der zehn Museen sei der Redaktion nicht leichtgefallen", schreibt der Verein Oberpfalz-Marketing in einer Mitteilung. Mit Unterstützung von Tourismusexperten wurden schließlich aus jedem Landkreis beziehungsweise aus jeder kreisfreien Stadt ein Museum ins Rennen geschickt. Die weiteren Kandidaten: Luftmuseum Amberg, Vulkanerlebnis Parkstein, Geschichtspark Bärnau-Tachov, Bergbau- und Industriemuseum Theuern, Cordonhaus Cham, Museum für historische Maybach-Fahrzeuge in Neumarkt, Museum der Bayerischen Geschichte Regensburg und die Walhalla in Donaustauf.

Luftmuseum Amberg ist das schönste Museum der Oberpfalz

Amberg

Lager des Stadtmuseums Sulzbach-Rosenberg quillt über

Sulzbach-Rosenberg
Service:

Das ist das Internationale Keramikmuseum

  • Eröffnung: 1990 als Zweigmuseum der Neuen Sammlung München im Waldsassener Kasten in Weiden
  • Inhalt: Wechselnde Ausstellungen aus den Keramikbeständen bayerischer Staatsmusen
  • Sonderausstellung: „Keramik aus Afrika – Highlights aus der Sammlung Prinz Franz von Bayern“
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr
  • Eintritt: 4 Euro Erwachsene, Kinder und Jugendliche 2 Euro

 

 

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