29.09.2020 - 17:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kanalgebühren und Wasserpreise steigen deutlich

Die Stadtwerke Weiden sehen die Kostenentwicklung und reagieren. Sie heben die Gebühren für Trink-, aber auch für Schmutz- und Niederschlagswasser deutlich an. Bereits im nächsten Jahr greifen die Erhöhungen von 18 bzw. 20 Prozent.

Trinkwasser ist ein kostbares Nahrungsmittel - und es wird auch in Weiden wieder teurer. Nicht zuletzt wegen der Zukunftsinvestition Wasserwerk müssen die Stadtwerke den Wasserpreis anheben.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Kosten laufen aus dem Ruder. Die vor zwei Jahren kalkulierten Gebühren für Wasser, Schmutz- und Niederschlagswasser, reichen nicht mehr aus. Die Stadtwerke Weiden drohen in eine spürbare Unterdeckung zu geraten. Ausschlaggebend dafür wiederum sind "Faktoren von außen, die wir nicht beeinflussen können", so Vorstand Hans Riedl. Und deshalb beschließt der Verwaltungsrat am Dienstag - einstimmig und ohne Diskussion - eine deutliche Erhöhung für die Wirtschaftsjahre 2021 mit 2023. Beim Wasser steigen die "Gebühren" um 18 Prozent, beim Schmutzwasser sogar um 20 Prozent. Die Bilanz erläuterte zuvor Diplom-Kaufmann Thomas Gutsche von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers aus Düsseldorf.

Stadtwerke reagieren rechtzeitig

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erläutern Vorstandsvorsitzender Riedl und Vorstandsmitglied Christine Melischko: "Wir sehen die Entwicklung, wollen rechtzeitig reagieren." Müssten die Stadtwerke bei den Kosten noch ein Jahr "in Vorlage" gehen, wären die Erhöhungen im Jahr 2022 dramatisch. Trotz der beiden trockenen Jahre 2018 und 2019 sparten die Weidener kräftig beim Wasser. "Das ist gut für die Umwelt, gut für die Brunnen, aber schlecht bei den Einnahmen", meint Melischko. Schon dieses Wassersparen löst eine Erhöhung des Wasserpreises von rund sechs Prozent aus. Dazu kommen die Kosten für den bereits 2014 beschlossenen Neubau des Wasserwerks ("ist noch ein Vorkriegsmodell und am Ende") sowie der Werkstätten. Das neue Wasserwerk erlaube eine schonendere Wassergewinnung, eine höhere Pufferung und eine 24-Stunden-Förderung bei den Tiefbrunnen. Künftig werde mit der physikalischen Entsäuerung gearbeitet. "Unser Wasser wird weicher." Das Wasserwerk (rund 14 Millionen Investitionskosten) sowie die Hälfte der Baukosten für den Bauhof (insgesamt acht Millionen) würden beim Wasserpreis angesetzt, allerdings über einen Zeitraum von 50 Jahren.

So entwickeln sich die Gebühren.

Kostentreiber Abfallrecht

Spürbarer als diese langfristigen Investitionen seien die Ausgaben, die sich aus dem stark verschärften Abfall- und Entsorgungsrecht ergeben. "Das sind die Kostentreiber. Der Bau-Industrie-Verband läuft Sturm", berichtet Riedl. Es gebe einen regelrechten Vorschriften-Dschungel. Aushubmaterial beim Leitungsbau müsse x-mal in die Hand genommen, ausgebaut, im Zwischenlager deponiert, beprobt, wieder eingebaut oder aber teuer entsorgt werden. "Was wir rausholen, gilt schnell als Sondermüll, den wir heute nach Magdeburg fahren. 2021 geht er nach Rotterdam in die Verbrennung." Allein diese Entsorgungskosten verteuerten Baustellen um bis zu 45 Prozent.

Erschreckend sei der Weg bei der Klärschlammentsorgung. Früher brachten Bauern den Schlamm auf ihre Felder. Das ist längst vorbei. 2017 kostete die Entsorgung einer Tonne Klärschlamm 51 Euro, 2020 fallen 148 Euro an. Für 2021 sind Preise von 170 Euro je Tonne angekündigt. Obwohl die Stadtwerke die Klärschlammmenge auf 4000 Tonnen jährlich reduzierten, seien diese Kosten nicht mehr aufzufangen.

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