05.06.2021 - 17:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Innengastronomie öffnet ab Montag: Freude, aber auch gemischte Gefühle bei Gastwirten

Vier Wochen nach den Biergärten ist es an der Zeit, auch die Innengastronomie zu öffnen. Die Wirte in Weiden und im Kreis Neustadt wollen wieder planen können. Zur Umsetzung braucht es aber auch genügend Personal.

Noch nehmen die Gäste in Gaststätten, wie hier zum Beispiel im „WAM Bazi“ in Neustadt/WN, auf der Außenterrasse Platz. Ab Montag dürfen sie in Speiserestaurants in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt auch drinnen bewirtet werden.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

„Die Würfel müssen bald fallen, damit wir nächste Woche öffnen können. Alles andere macht keinen Sinn“, sagt Robert Drechsel, Kreisvorsitzender des Hotel-und Gaststättenverbandes Weiden-Neustadt/WN. Noch am Mittwoch, als Oberpfalz-Medien mit ihm und einigen Gastwirten aus der Region sprachen, war der Wunsch nach mehr Planbarkeit groß. Bayern müsse nachlegen. Am Freitag kam grünes Licht aus München. Ministerpräsident Markus Söder kündigte für Montag (ab 0 Uhr) weitere Lockerungen, auch in der Gastronomie, an.

Für Bürgermeister Lothar Höher der Schritt in die richtige Richtung, wie er am Freitag kurz nach Söders Pressekonferenz sagt. „Wir werden die Öffnungen 1:1 in Weiden umsetzen.“ Der Druck aus der Bevölkerung sei in den vergangenen Wochen sehr groß gewesen. „Die Öffnungen haben sich die Bürger bei der jetzigen Inzidenz mehr als verdient“, so Höher.

Regelmäßige Anfragen gingen auch im Landratsamt Neustadt/WN ein. Es sei vermehrtes Interesse festzustellen, teilt Pressesprecherin Claudia Prößl auf Anfrage mit. „Die Gastwirte sind größtenteils positiv gestimmt. Die Regelungen für geimpfte und genesene Personen werden häufig nachgefragt.“

Robert Drechsel wünscht sich unterdessen nur ein „Ende des Regel-Wirrwarrs“. „Wir haben auch schon jede Menge Anfragen zu Geburtstags-, Hochzeits- oder Trauerfeiern. Die Leute sind mental schon drinnen, aber noch haben wir ja nicht offen. Wenn es aber so kommt, dann müssen die Regelungen auch Bestand haben.“ Ein Auf und Zu dürfe es nicht geben.

„Ich erwarte erstmal nichts, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden“: Wolfgang Schlitter will nicht den Pessimisten geben, aber er habe die vergangenen Monate einfach zu viel erlebt, sagt er am Mittwoch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Schlitter führt das Restaurant „WAM Bazi“ in der Stadthalle Neustadt/WN und das „WAM No1“ in Weiden. Mit kreativen Ideen, zum Beispiel Verkauf von Bier-Essig, überbrückte er die Monate der Schließung. Mit der Öffnung der Außengastronomie vor vier Wochen habe es endlich einen Lichtblick gegeben. „Seitdem das Wetter besser ist, läuft es auch sehr gut“, freut sich Schlitter auch über die Treue vieler Stammgäste.

Gutes Personal rar

Während jedoch bei Regen die Gäste in Neustadt unter dem sicheren Vordach sitzen könnten, bleibe in der Weidener Altstadt die Küche kalt. „Bei Regen kommt niemand. Miete und Personalkosten habe ich aber trotzdem“, sagt der Gastwirt und spricht damit ein Problem an, das mit den Lockerungen wächst: Es gibt kein Personal. Von einstmals vier Teilzeitkräften im Burgerhaus ist Schlitter noch eine geblieben. Vor kurzem war jemand zum Probearbeiten da. „Wenn heute jemand zwei Teller tragen kann, dann ist er eingestellt.“ So schaue es auch bei vielen seiner Kollegen aus. Die Stadthalle „schmeißt“ der Chef gemeinsam mit zwei Lehrlingen. Bei den Servicekräften musste er in der Pandemie Leute ausstellen, drei von ihnen kamen zurück. Er habe bereits bei IHK und Arbeitsamt angefragt, aber „da kommt nix“.

Auch Monika Fißl ist hin- und hergerissen. Die besetzten 80 Plätze vor ihrem Café „Le Père“ freuen sie auf der einen Seite, mit Blick auf den Innenbereich werde ihr allerdings ein wenig bange. Ihr gehe das alles ein wenig zu schnell. „Noch vor kurzem war von einem dritten, vierten Shutdown die Rede, und plötzlich ist wieder alles offen. Draußen ist die Gefahr einer Infektion gering, aber drinnen? Ich bleibe da lieber etwas vorsichtig“, sagt Fißl. „Wir sind die vergangenen Tage bei dem schönen Wetter förmlich überrannt worden und konnten es kaum stemmen. Wie soll ich da weitere 50 Plätze drinnen bedienen? Mir fehlen die Leute. Und wenn dadurch der Service leidet, hat niemand was davon“.

Hoffnung ruht auf Sommer

Aktuell beschäftige sie eine Festangestellte, und von den ehemals rund zehn 450-Euro-Kräften seien noch vier da. „Ich war schon glücklich, als sich auf meinen Aushang hin drei Interessenten gemeldet haben. Es ist eine harte Zeit.“ Sie werde sich überlegen, ob sie innen aufmacht. Ihre Hoffnungen ruhen auf einem schönen Sommer im Freien, dann „will eh keiner rein“.

Groß geplant hat auch Matthias Schubert nicht. Der 28-Jährige führt seit Anfang des Jahres das Hotel Rußweißher in Eschenbach – mit Campingplatz, Biergarten und Minigolfanlage. Seit der Öffnung der Außenbereiche habe er gut zu tun. Ob er bald auch an den nach den Coronaregeln gestalteten 45 Sitzplätzen im Restaurant Gäste bewirten darf, wartet Schubert ab. „Ich hoffe es sehr, doch es braucht mehr Vorlauf als beim letzten Mal. Da hatten wir knapp vier Tage Zeit für die Vorbereitungen.“

Da hänge viel mehr dran, die Lieferanten und vor allem die Haltbarkeit der Lebensmittel. Optimistisch ist der Chef trotzdem. Mit den Plätzen im Innenbereich lasse sich betriebswirtschaftlich besser kalkulieren, schließlich regnet es auch einmal. „Für Juni und Juli sind bereits Hochzeiten angefragt und Nachfeiern von Geburtstagen und Kommunionen. „Die Maske wird uns mit Sicherheit erhalten bleiben, das ist auch okay“, sagt Schubert. Der Chef ist froh, dass ihm der Grundstamm an Personal geblieben sei. Im Moment arbeite er mit einer Vollzeit- und einer Teilzeitkraft und ein paar Aushilfen für die Minigolfanlage. Bei Öffnung der Innengastronomie wolle er auf jeweils 2 aufstocken, plus mindestens 10 Aushilfen. Er sei zuversichtlich, welche zu finden.

Mit einer Festangestellten und drei Teilzeitkräften hält Robert Drechsel den Betrieb im Gasthaus „Zum alten Schuster“ in Weiden aufrecht. „Ich werde alle Regeln umsetzen, aber ich stelle keine Security hin. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass unsere Betriebe sicher sind.“ Zur Not halte auch seine Mutter die Stellung in dem Familienbetrieb. Bei weiteren Lockerungen bräuchte er noch zwei Leute mehr. Das werde nicht einfach, gutes Personal zu finden. Die seien momentan stark gefragt.

Gesundheitsamt: Risiko noch da

Und wie sieht der Chef des Gesundheitsamtes Weiden-Neustadt, Dr. Thomas Holtmeier, die bevorstehenden Öffnungen? „Einerseits können die Innenbereiche von Gaststätten nicht ewig geschlossen bleiben. Andererseits besteht in Innenräumen nun mal ein höheres Ansteckungsrisiko als im Außenbereich. Allerdings sinkt mit einer Abnahme der Inzidenzen das Risiko, dass sich unter den Gästen ein Covid-Infizierter befindet“, sagt Holtmeier. Zusätzliche Sicherheit brächten Hygiene- und Testkonzepte, denen insofern eine besondere Bedeutung zukomme. Zwischen diesen Faktoren sei abzuwägen.

Ab kommender Woche nun gewinnen die Bürger ein weiteres Stück Freiheit dazu. Die 7-Tage-Inzidenzen vom Freitag (Weiden: 4,7; Kreis Neustadt: 11,6) stimmen hoffnungsvoll. „Die Gäste sind bereit“, sagt Matthias Schubert. Für ihn steht fest: „Es gibt nur einen Blick, und der geht nach vorne.“

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Gastronomie: Die alten und neuen Regelungen für Weiden und den Landkreis (bei Inzidenzwert unter 50)

  • Das gilt aktuell: Außengastronomie: Geöffnet bis 22 Uhr ohne Termin und ohne Test, Kontaktdatenerfassung erforderlich. Ein Mindestabstand zwischen Personen, die nicht zum selben Hausstand gehören, ist erforderlich. Auf dem Weg zum Tisch oder zur Toilette ist eine FFP2-Maske zu tragen.
  • To go: Weiterhin zulässig ist die Abgabe und Lieferung von mitnahmefähigen Speisen und Getränken.
  • Beherbergungbetriebe: In den Restaurants dürfen nur Übernachtungsgäste bewirtet werden.
  • Innengastronomie: Nicht geöffnet
  • Das gilt ab Montag, 7. Juni: Innengastronomie: Speisegaststätten mit Hygienekonzept dürfen öffnen; geschlossen bleiben Clubs, Kneipen und Diskotheken. Liegt Inzidenzwert unter 50 keine Tests notwendig; zwischen 50 und 100 Tests verpflichtend.
  • Sperrstunde: Wird im Innen- und Außenbereich auf 24 Uhr verlängert.
  • Private Veranstaltungen und Feste (Hochzeiten, Geburtstage, Beerdigungen oder Taufen). 100 Personen draußen und 50 drinnen erlaubt – ohne Testpflicht. Geimpfte und Genesene werden nicht mitgezählt.

 

 

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