18.03.2021 - 16:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Impfen beim Hausarzt in Weiden und im Landkreis Neustadt: So laufen die Vorbereitungen

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Die Impfung mit dem Stoff von Astrazeneca ist vorläufig ausgesetzt. Inwiefern bremst das die Anti-Covid-Impfungen bei Hausärzten in Weiden und im Landkreis Neustadt aus? Am 1. April sollen sie beginnen. Tatsächlich?

Was hier in Hof eine Hausärztin bereits bei einem Pilotprojekt praktiziert, soll ab April auch in Weiden und dem Landkreis Neustadt die Regel sein: Hausärzte können ab dann Patienten die Impfung gegen Covid-19 verabreichen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Was bedeutet der Impfstopp für Astrazeneca für die ab April geplante Covid-19-Impfung beim Hausarzt des Vertrauens um die Ecke? Dr. Matthias Loew, Hausärztlicher Vorstand des Ärzteverbunds Oberpfalz Nord und niedergelassener Arzt in Rothenstadt, bleibt gelassen: "Wir wussten vorher nicht, was an Dosen kommen wird, und jetzt wissen wir es auch nicht."

Fest stehe nur, dass es ab April ein wöchentliches Kontingent an Impfdosen für die Impfzentren gebe, alles darüber hinaus gehe an niedergelassene Ärzte. Also Vakzine von Moderna, Biontec, eventuell auch Johnson & Johnson. Vielleicht wieder Astrazeneca. "Ich glaube nämlich nicht, dass der Impfstopp bis 1. April dauern wird." Zudem solle im April die Zahl der Lieferungen von verschiedensten Herstellern nach oben gehen. Also Feuer frei für das Impfen beim Hausarzt?

Bereitschaft bei Hausärzten groß

Die Vorbereitungen für die Impfungen laufen jedenfalls auf Hochtouren, weiß Loew, der zudem Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) ist. Niedergelassene Ärzte würden schon lange durch die KVB abgefragt, ob sie impfen wollen. "Dabei dürfen alle Ärzte, nicht nur die Hausärzte, mitmachen", sagt Loew und nennt etwa auch Kinder- und Frauenärzte. Die prinzipielle Bereitschaft sei definitiv da. Ein Arzt- und KVB-Kollege habe nach einer Abfrage in Teilen des Landkreises Neustadts berichtet: "Zwei Drittel wollen selbstverständlich mitmachen." Für Weiden lägen noch keine Zahlen vor. Aber auch hier werde es nicht an willigen Praxen mangeln, ist Loew überzeugt.

Und die Patienten? "Ich habe jeden Tag Corona-positive Leute in der Praxis", sagt der Allgemein- sowie Sportmediziner. Seit längerem informiere er bereits über den möglichen Impfstart im April und ruft seine Patienten dazu auf, mitzuteilen, ob sie geimpft werden wollen. Die Resonanz? "Mindestens ein Drittel der Telefonate dreht sich im Moment um diese Impfung." Am Ende landeten alle Interessierten auf einer Liste. Samt Alter und Diagnosen. Die Liste sei bereits "sehr lang", sie umfasse Patienten von 18 bis 85 Jahre. Kollegen rät er zu einem ähnlichen Vorgehen, um mit den Listen loslegen zu können, sobald Impfstoff zur Verfügung steht.

"Priorisierung aufbohren"

Zuerst geimpft werde nach dem erstellten Ranking auf dieser Liste, "eine Art Priorisierung". Diese orientiere sich natürlich an den entsprechenden Vorgaben. "Aber exakt daran halten können wir uns nicht. Und ich denke, das müssen wir auch nicht." Loew nennt dazu drei Gründe. Erstens: "Wenn ich deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung habe, brauche ich das nicht mehr." Zweitens: "Auf drei Seiten Gesetzestext können sie nicht alle Krankheiten abdecken." Und drittens: Es gebe auch Ärzte, die eventuell gar nicht so viele alte Patienten haben. "Folglich macht es auch Sinn, diese Priorisierung etwas aufzubohren."

Kritisch sieht Loew den Impfstart exakt zum 1. April: "Wegen des Datums war ich von vorneherein skeptisch, das wurde extrem ungünstig gewählt." Der 1. April ist der Gründonnerstag. Realistischer sei, dass es die Anti-Covid-Spritze beim Hausarzt ab Dienstag nach Ostern oder gleich erst nach den Ferien gibt. Die entsprechenden Vorbereitungen in der Region liefen jedenfalls bereits. Etwa auch für die in Transport und Lagerung aufwendigeren Vakzine von Biontech und Moderna. Proaktiv würde etwa Biontech bereits bei Arztpraxen nach der vermutlich benötigten Menge anfragen, wohl um die Lieferkette zu optimieren, weiß Loew.

Wenn die Hausärzte aber loslegen, geht es flott, meint Loew. Auch wegen des Vertrauensbonus den sie genießen. Denn in den KVB-Bezirken Weiden, Grafenwöhr und Vohenstrauß gibt es 95 Hausärzte. "Wenn jeder von ihnen fünf Tage die Woche 40 Menschen impft, haben wir pro Woche 19 000 Impfungen." Damit wäre der knapp 100 000 Einwohner starke Landkreis Neustadt binnen fünf Wochen einmal durchgeimpft. Zwei Wochen später auch die Stadt Weiden.

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Weiden in der Oberpfalz
Sobald die Hausärzte auch Corona-Impfungen machen, kann es schnell gehen, sagt Dr. Matthias Loew, Hausärztlicher Vorstand des Ärzteverbunds Oberpfalz Nord.
Hintergrund:

Der Hausarzt impft: So kann's funktionieren

  • Telefonische Nachfrage beim Hausarzt, ob er gegen Covid-19 impft
  • Im Gespräch Impfbereitschaft erklären
  • Praxis schreibt Patienten auf eine interne Impfliste
  • Praxis nimmt Priorisierung innerhalb der Impfliste vor
  • Impfung erfolgt in Gruppen je nach Impfstoffverfügbarkeit mit 6, 12 oder 18 Personen
  • Impfling bekommt Terminvorschlag
  • Kurz vor der Impfung erfolgt unter Einhaltung der Hygieneregeln Gruppentermin zur Aufklärung

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