02.07.2019 - 18:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hongkong: Am Tag nach der Demonstration ist alles wieder ruhig

Die Demonstration am 1. Juli in Hongkong, bei der auch das Regierungsgebäude gestürmt wurde, flimmerte weltweit über die Bildschirme. Am Tag danach ist alles wieder ruhig, wie uns ein Weidener aus Hongkong berichtet.

Alexander Wassermann, seit 2014 Generaldirektor des "Hotel InterContinental Grand Stanford Hong Kong".
von Jutta Porsche Kontakt Profil

„Heute gibt es keine Demonstration“, erzählt Alexander Wassermann am Telefon. „Es ist alles wieder ganz normal, als wäre nichts gewesen.“ Seit 2014 lebt der Weidener mit Frau Gabriele und Tochter Leonie (13) wieder in Hongkong und hat auch wieder die Leitung des „InterContinental Grand Stanford“, eines Fünf-Sterne-Hotels, übernommen. Die hatte er bis 2010 schon mal inne, dazwischen war er als General-Manager des „Interconti“ in Quingdao tätig.

Die Demonstrationen der letzten Tage und Wochen hat er über die Nachrichten mitbekommen, nicht direkt. Denn das Hotel befindet sich auf dem Festlandteil von Hongkong, die Regierungsgebäude liegen dagegen im Inselbereich. Nach Demonstrationen mit ein bis zwei Millionen Teilnehmern an den vorangegangenen Wochenenden ist die Situation am Abend des 1. Juli eskaliert. Ein Teil der Demonstranten verschaffte sich gewaltsam Zutritt zum Regierungsgebäude, beschmierte die Wände mit Graffiti und forderte den Rücktritt der Regierungschefin, weil sie das geplante Auslieferungsgesetz an China nur auf Eis gelegt habe. „Der 1. Juli ist der Jahrestag der Übergabe von Hongkong an China“, erklärt Wassermann. Deshalb habe sich die Lage so aufgeschaukelt.

Der Weidener – er feiert übrigens in wenigen Tagen seinen 47. Geburtstag – hat durchaus Verständnis für die Demonstranten. „Das sind hauptsächlich Studenten so um die 20. Sie wissen: 2047 wird Hongkong reguläres China sein.“ Dann laufe die mit Großbritannien vereinbarte 50-Jahres-Frist ab. „Ich kann die Angst nachvollziehen. Deutsche Studenten würden vermutlich auch auf die Straße gehen, wenn die Bundesrepublik 2047 an Russland fallen würde.“

Außerdem sei die 7,5-Millionen-Einwohner-Stadt kosmopolitisch. Das möchten die Bewohner auch beibehalten. Viele der Älteren müssten sich keine Sorgen machen, weil sie Doppel-Staatsbürgerschaften hätten oder einen englischen oder kanadischen Pass. „Viele haben dort studiert und sagen, dann gehen wir eben. Die jungen Leute dagegen kennen halt nur Hongkong und wollen, dass es so bleibt, wie es ist.“ Ob jemand aus seinem Bekanntenkreis an den Demos teilnimmt, kann Wassermann nicht sagen. „Keiner spricht darüber.“

Angst um sich oder seine Familie hat der Weidener nicht. „Hongkong ist komplett sicher. Die Proteste wenden sich nur gegen die Regierung.“ Schlimm wäre es allerdings, wenn sich die Demonstrationen auf den Tourismus auswirken würden. „70 Prozent der Gäste kommen aus Festland-China, vor allem um einzukaufen.“ Eventuell möchte die chinesische Regierung verhindern, dass Festland-Chinesen die großen Demonstrationen sehen. Sie bräuchten nur keine Visa mehr erteilen. „Das wollen wir aber nicht hoffen. Hongkong hängt stark vom Tourismus ab.“

Alexander Wassermann, seit 2014 Generaldirektor des "Hotel InterContinental Grand Stanford Hong Kong".
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