21.11.2019 - 14:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Hongkong ist nicht mehr wie es war"

Nach den Protesten in Hongkong, die kürzlich auf beiden Seiten in Gewalt eskalierten, klingt Alexander Wassermann besorgt. "Das Leben hier hat sich leider grundsätzlich verändert", sagt der in Hongkong lebende Weidener.

Der Weidener Alexander Wassermann lebt seit 2014 mit seiner Familie bereits das zweite Mal in Hongkong.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Im Oktober wechselte der frühere Generaldirektor des Hotels InterContinental Grand Stanford Hong Kong als „Head of Hotels and Serviced-Apartments“ zur Miramar-Gruppe. Doch sowohl seine frühere als auch seine aktuelle Wirkungsstätte liegen in unmittelbarer Nähe der Polytech Universität, in der sich am vergangenen Wochenende mehr als 1000 junge Demonstranten verschanzt hatten. Die Lage spitzte sich dramatisch zu.

„Die Studenten hatten sich in der Universität verbarrikadiert, die sich unmittelbar neben dem Cross-Harbour-Tunnel befindet, einem der wichtigsten Verkehrswege von Kowloon nach Hong Kong Island. Den haben sie blockiert“, erzählt er. „Die Polizei musste handeln, wollte den Tunnel zurückerobern und die Studenten aus der Uni rausholen. Andere Bürger haben sich mit den Demonstranten solidarisiert und um die Polizei zu beschäftigen, in anderen Gebieten in einem Umkreis von zirka zwei Kilometern in der Stadt Straßen blockiert und Feuer gelegt. Der gesamte Verkehr war lahmgelegt.“ In der Nacht zum Sonntag sei die Situation komplett eskaliert. Die Demonstranten rissen Pflastersteine aus den Gehwegen, Busse und Autos wurden in Brand gesetzt und die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die demonstrierende Bevölkerung vor.

„Hongkong war früher die sicherste Stadt der Welt“, sagt der 47-Jährige. Jetzt würden die Menschen Zuhause bleiben, aus Angst vor Randale nicht einmal Shopping-Malls besuchen. Auch Hotels und Restaurants bekommen die Auswirkungen zu spüren. „Der Tourismus ist völlig weggebrochen“, berichtet Wassermann. Er selbst sei zwar nicht nur für das Mira-Hotel nahe der Universität zuständig, das durch Edward Snowden weltweit Aufmerksamkeit erlangte, sondern für die gesamte Miramar-Gruppe. „Das gibt eine gewisse Sicherheit. Aber wenn das Geschäft nicht zurückkommt, muss man sich überlegen, wie es weitergeht.“

Seine 13-jährige Tochter bekam die Auswirkungen der Unruhen ebenso zu spüren wie alle anderen Schüler der Stadt. „Alle Schulen waren eine Woche lang geschlossen. U-Bahnen und Busse sind nicht gefahren.“

Auch für ihn selbst sei es schwierig gewesen, in die Arbeit zu kommen. Er lebt mit Frau und Tochter in einem Randbezirk der Stadt. Demonstranten hatten den Highway dorthin blockiert, U-Bahnen fuhren nicht. „Wir wollen nicht weg aus Hongkong, aber angesichts der schwierigen Situation fängt man an, sich Gedanken über die Zukunft zu machen“, gesteht Wassermann. „Solche Gedanken hatte ich früher nicht.“

Ein entscheidender Tag für die künftige Entwicklung dürfte seinen Worten nach der kommende Sonntag werden. Dann stehen die District-Elections (Stadtbezirkswahlen) an. Da entscheide sich die Frage, wie viele Befürworter und wie viele Gegner der chinesischen Regierung ins Stadtparlament gewählt werden. Ausschreitungen könnte es in beiden Fällen geben, wenn einer Seite das Wahlergebnis nicht genehm sei, fürchtet er. Dazu komme, dass von den fünf Forderungen der Protestler an die Regierung von Hongkong vier noch unbeantwortet seien. „Die Jugend ist deshalb weiter ängstlich, was ihre Zukunft betrifft.“

So richtig schwarzsehen will der Weidener aber trotzdem nicht. Seine Devise lautet: „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.“

Nicht nur Schulbusse wurden bei den Ausschreitungen in Hongkong zerstört.
Ein Bild der Verwüstung bot sich am vergangenen Wochenende in Hongkong.
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