06.05.2021 - 18:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hoffnung auf neues Bauland in Weiden

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Die Weidener sollen sich in der Stadt ihren Traum von den eigenen vier Wänden wieder erfüllen können. Für sie wird neues Bauland, das bisher so knapp ist, ausgewiesen. Das soll auch die Grundstückspreise dämpfen.

In den Naabwiesen, entlang des Krebsbaches (gegenüber Schützenhaus und Edeka) soll ein kleines feines Wohngebiet entstehen. Sorgen bereitet allenfalls, dass Teile des großzügig geschnittenen Areals ins Hochwassergebiet reichen. Ein Investor verhandelt bereits seit Jahren mit der Stadt. Nun scheint er Erfolg zu haben. Die ursprünglich geplanten rund 250 Wohnungen dürften aber nicht möglich sein.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Stadt Weiden wagt mutig ein neues Projekt: Während der Freistaat fordert, sparsam mit Ausweisung von neuen Bauflächen zu sein, wollen die Stadträte in die Vollen gehen. Schon in der April-Sitzung des Stadtrats hatten die Fraktionen den Oberbürgermeister gebeten, die Diskussion um den Vorentwurf des Flächennutzungsplanes von der Tagesordnung zu nehmen. Begründung: Der Bau- und Planungsausschuss wolle die Verwaltungsvorschläge über neue mögliche Wohngebiete vorberaten - mit dem Ziel, deutlich mehr Flächen auszuweisen, als von der Verwaltung vorgeschlagen. Neue Gebäude sollen in den Naabwiesen (Geschosswohnungsbau), in Weiden-Ost sowie Hammerweg und Schustermooslohe möglich sein.

Die Stadträte begrüßen in ihrer jüngsten Sitzung den Vorschlag der Verwaltung, mehr Flächen als noch vor zwei Jahren gedacht als mögliches Bauland anzusehen. Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel macht sich gerade bei Flächen große Hoffnungen, bei denen die Eigentümer selbst die "Entwicklung" angestoßen haben. Doch die Stadträte wollen noch mehr.

Ins Umland vertrieben

"Der Druck ist vorhanden", räumt OB Jens Meyer mit Blick auf die knappen Baugrundstücke ein. Viele Bürger wollten in Weiden bauen, wichen aber aufs Umland aus. "Wir sollten auf unsere Leute schauen, dürfen sie nicht verlieren." Die Aufgaben, die Weiden als Oberzentrum zu erfüllen habe, kosteten viel Geld. "Zur Finanzierung brauchen wir die Bauwilligen." Es gebe in Weiden über 1000 baureife Grundstücke, die nicht auf den Markt kämen.

Nur über ein deutlich größeres Angebot an Baugrundstücken seien die explodieren Preise wieder in den Griff zu bekommen, betont Stefan Rank (Bürgerliste), der die Diskussion eröffnet. Alle verfügbaren Areale sollten deshalb in den Vorentwurf des Flächennutzungsplanes aufgenommen werden.

Grundstückssuche mit Belohnung

Rank berichtet von der Postwurfsendung einer bauwilligen Familie, die für Hinweise auf ein Grundstück 1000 Euro Belohnung verspricht. Für die SPD-Fraktion fordert Hildegard Ziegler, dass an möglichst vielen Stellen in Weiden die bauliche Entwicklung angestoßen werde müsse. "Wir wollen viele Flächen hineinnehmen. In der öffentlichen Beteiligung wird sich herausstellen, was wir wirklich weiter verfolgen können." Die Gretchenfrage sei immer, ob die Grundstückseigentümer mitmachen.

Dies bestätigt auch Alois Lukas: "Alles liegt an den Grundstücksbesitzern." Zum Treffen komme es erst bei der Auslegung des Vorentwurf. "Wir brauchen keine Flächen aufnehmen, wenn die Eigentümer nicht wollen." Dabei hatte er besonders die Gebiete im Neunkirchener Süden im Blick. "Dort haben die Landwirte schon so viel Grund hergegeben. Es gingen für sie betriebsnotwendige Flächen verloren."

In Dekaden denken

Einzig Gisela Helgath (DÖW) warnt vor einer "planlosen Ausweisung" von Bauflächen. Sie plädiert dafür, die Flächen knapp zu halten. "Wir müssen schauen, wo wir was entwickeln wollen." Vor allem aber sollten die Baugrundstücke in der Hand der Stadt sein. Die Enteignung der Altbesitzer sei dazu jedoch kein Weg. OB Meyer versichert, dass niemand enteignet werde. Es gebe auch keinen Druck auf die Landwirtschaft. "Im eigenen Beritt hat die Stadt aber keine Flächen." Ausnahmen davon seien die ehemaligen Sportflächen von Turnerbund und SV Detag. SPD-Stadtrat Gerald Bolleininger mahnt, Baulandpolitik nicht nur nach den Interessen der aktuellen Eigentümer zu betreiben. "Wir müssen in Dekaden denken."

Bauen an neuer Tangente?

Während sich die Stadträte bei den neuen Flächen schnell einig sind, entspinnt sich um ein über 4,7 Hektar großes Grundstück östlich des Lindenstocks unterhalb des Butterhofes eine längere Diskussion. Weise dort die Stadt Bauland aus, vergebe sie sich die Chance, die Südost-Tangente nach Tröglersricht fortführen zu können, betont Bernhard Schlicht (Freie Wähler). Baudezernent Oliver Seidel erklärt, dass dieser mögliche Verkehrsast noch im Mobilitätskonzept sowie im Flächennutzungsplan vertiefend behandelt werde. Hans Sperrer und Alois Lukas (beide CSU) sprechen sich sofort gegen die "alte Planung für eine sinnlose Tangente" aus.

"Halb Weiden wäre auf den Beinen, um die Verlängerung zu verhindern", prognostiziert Sperrer. Die Tangentenverlängerung sei bisher immer abgelehnt worden, weil sie zwar 100 Familien in der Vohenstraußer ent-, aber 1000 Bürger in der Leuchtenberger Straße belaste, sagt Lukas. Rank plädiert dafür, das wunderbare Baugebiet zu entwickeln, mit offenen Karten zu spielen und den Bürgern zu sagen, dass die Tangentenverlängerung kommen könne. "Sie ist der logische Lückenschluss." Gegen die Stimme von Schlicht wird die Fläche, die ins Überschwemmungsgebiet reicht, in den Vorentwurf aufgenommen.

Die Stadt Weiden sucht Bauland

Weiden in der Oberpfalz
Bisher als Kleingartengebiet genutzt, solle eine bereits voll erschlossene größere Fläche südlich der Schustermooslohe als Baugebiet ausgewiesen werden. Der Abstand zum Wald ist immer noch ausreichend.
Hintergrund:

Neuer Baugrund in den Naabwiesen und Schustermooslohe

  • Künftiger Baugrund in Weiden-Ost: 4,7 Hektar östlich Auffahrt Südost-Tangente zur B 22, 7000 Quadratmeter Ecke Schirmitzer Weg/Leuchtenberger Straße (südlich Postkeller) sowie im Nordwesten entlang des Edeldorfer Weges
  • Gut 4,7 Hektar in den Naabwiesen am Krebsbach (gegenüber Schützenhaus und Edeka für Geschosswohnungsbau)
  • Gänzlich neu: 1,4 Hektar südlich Schustermooslohe (bisheriges Kleingartengebiet)
  • Schließung innerer Baulücke in Rothenstadt
  • Rehbühl: 7,2 Hektar Am Rehmühlbach sowie Flächen hinüber zum Gewerbegebiet Pfreimter Weiher
  • Hammerweg: Östlich Schubertstraße ("so groß wie möglich").
  • Bereits im Jahr 2018 votiert der Stadtrat für die Aufnahme von mehr als zehn weiteren Arrondierungsflächen in den Vorentwurf des Flächennutzungsplanes

 

 

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