25.06.2021 - 13:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Hand, Faust, Ellbogen: Wie geht Begrüßung in Post-Corona-Zeiten?

Wer sich in Zeiten gelockerter Corona-Beschränkungen beruflich oder privat wieder unters Volk mischt, erlebt teils kuriose Begrüßungsszenen. Die einen strecken die Hand hin, die anderen den Ellbogen oder die Faust. Wie macht man's richtig?

Dieser Händedruck hatte historische Bedeutung, Corona hin oder her: Der russische Präsident Wladimir Putin (links) und US-Präsident Joe Biden schüttelten sich jüngst die Hände bei ihrem Treffen in Genf.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Wir haben einen Mediziner, einen Pfarrer, eine Kindergartenleiterin, einen Personalchef und einen Richter gefragt: Wie halten Sie es mit Begrüßungen und wie werden Sie das künftig handhaben? Wird es eine Rückkehr zum Händeschütteln geben? Ihre Antworten. Dr. Stephan Meyer, Chirurg aus Altenstadt/WN:

In einem seiner frühen Bücher schildert Barack Obama seine erste Begegnung als junger Senator mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush anlässlich eines offiziellen Empfangs im Weißen Haus. Dabei wunderte er sich über das bizarre Ritual, dass dem Präsidenten zwischen jedem Händeschütteln ein Desinfektionsmittel gereicht wurde, bevor dieser die nächste Hand ergriff. Was damals noch Kopfschütteln auslöste, ist nun Alltag geworden.

Spätestens seit Semmelweis das Kindbettfieber besiegte, wissen wir, dass vor allem unsere Hände Erreger und Infektionen von Mensch zu Mensch tragen. Umso erstaunlicher ist es, weshalb die Tradition des Händeschüttelns so lange überlebt hat. Wird Corona das jetzt ändern?

Aus medizinischer Sicht wäre das zu begrüßen, denn auch ohne Pandemie ist der Handshake grässlich unhygienisch, solange niemand weiß, ob das Gegenüber sich wirklich die Hände gewaschen hat.

Persönlich darf ich dazu anmerken, dass in meiner Praxis der Verbrauch an Handwaschmittel aus dem Spender in der Besuchertoilette häufig gegen Null tendierte, so dass ich den Handschlag über die Jahre zunehmend gerne unterlassen habe. Und wenn, habe ich unmittelbar darauf - wie Präsident Bush - desinfiziert. Daher glaube ich, dass wir in den meisten Situationen auf diese Geste verzichten sollten.

In den ersten Monaten der Pandemie haben sich einige neue Begrüßungsformen entwickelt, deren bekannteste wohl der "Ellbogen-Bump" ist. Hygienisch mag das einwandfrei sein, ästhetisch hat es eher was von asiatischen Kampfsportarten als von einer respektvollen Begrüßung. Ähnliches gilt für den "Wuhan-Bump", bei dem sich die Füße berühren.

Wenn wir schon in Asien sind, dann komme ich zu meinem persönlichen Favoriten: der thailändischen Wai-Geste. Dabei faltet man in einer gleitenden Bewegung bei angelegten Armen die Hände vor dem Brustkorb oder unter dem Gesicht, lächelt, nickt mit dem Kopf oder deutet eine leichte Verbeugung an. Das lässt sich zu jedem Anlass wunderbar variieren, gerade in formellen Situationen und bei der Begegnung mit uns unbekannten Personen.

Und was ist nun mit der Umarmung unter Freunden? Ich glaube, die werden sich die Menschen nicht nehmen lassen. Wahre und echte Freunde werden aber dabei immer mindestens die 2 "G" im Auge behalten, geimpft oder genesen. Nur dann sind wir einigermaßen sicher. Pfarrer Johannes Lukas, Dekan in Weiden:

Die Begrüßung mit dem Handschlag ist inzwischen ja aus hygienischen Gründen obsolet. Auch in der Liturgie.

Der Friedensgruß ist nach wie vor fester Bestandteil der Messfeier. In St. Konrad drehen sich die Gottesdienstbesucher, die ja mindestens 1,5 Meter auseinander stehen (sofern sie nicht dem gleichen Hausstand angehören), einander zu und verneigen sich. Ich finde das eine gute Alternative. Es wird auch sehr gut angenommen, insbesondere von älteren Gläubigen. Ich vermute, dass viele Gemeinden diese Form auch nach der Pandemie beibehalten werden. Es gab ja auch vorher schon immer wieder Leute, die ein Problem damit hatten, anderen, vor allem Fremden, die Hand zu reichen. Theresa Uhl, Leiterin des Kindergartens und der Kinderkrippe St. Martin in Neustadt/WN:

Aktuell begrüßen wir die Kinder so: Wir nicken mit dem Kopf, halten Blickkontakt und fragen die Kinder nach ihrem Befinden. Aber auch vor Corona war das Händeschütteln in unserer Einrichtung nicht eingeführt.

Das Staatsministerium bittet auch darum, mit den Eltern einen kurzen "Smalltalk" zu führen, ob es allen gut geht oder jemand im Bekanntenkreis an Corona erkrankt ist...

Ansonsten ist der Körperkontakt zu den Kindern weiterhin sehr eingeschränkt möglich. Nur beim "Trösten" machen wir natürlich eine Ausnahme. In der Kinderkrippe ist jedoch der Körperkontakt sehr wichtig. Hier wird vermehrt desinfiziert und Hände gewaschen etc.

Martin Neuhaus, Personalchef der Kliniken Nordoberpfalz

Rang, Alter und Damen gehen vor. Das sind die formalen Kriterien für die richtige Reihenfolge bei der Begrüßung im Geschäftsumfeld oder beim Vorstellungsgespräch. Aber Corona hat einige Begrüßungsregeln geändert.

Mit dem Ellenbogen voran auf seinen Gesprächspartner zugehen zum Ellenbogengruß, das würde ich einem Bewerber nicht empfehlen. Auch nicht den Fuß anbieten zum Fußgruß.

Dass wir derzeit aufs Händeschütteln verzichten, spreche ich in Bewerbungsgesprächen einfach beim ersten Kennenlernen an. Das nimmt Unsicherheit und Anspannung aus den ersten Minuten, oft ist es auch witzig. Für ein gutes Bewerbungsgespräch sind das die besten Voraussetzungen.

In Europa heißt es aber, dass Menschen, die einem nicht in die Augen blicken, etwas scheuen. Der Moment der körperlichen Berührung und das Blicken in die Augen lösen beim Gesprächspartner das Gefühl von Vertrauen oder eben Misstrauen aus.

Denn auch wenn die Frage nach der Begrüßung verunsichert, hat sich in der westlichen Welt durch Corona eine neue Verabschiedungsformel durchgesetzt. Statt "Mit freundlichen Grüßen" heißt es jetzt sehr oft "Bleiben Sie gesund".

Für normale Zeiten rate ich als Personaler: Nach Knigge begrüßt man zunächst die ranghöchsten Personen, dann die ältesten. Sind Frauen dabei, dann diese jeweils zuerst. Und die Haltung dabei sollte immer höflich, freundlich, aufmerksam und wertschätzend sein - normalerweise begleitet von einem Händedruck.

Ob wir nun eine Alternative zum Handshake suchen oder zum westlich-traditionellen Begrüßungsritual zurückkehren, hängt auch ein Stück weit davon ab, wie viel Restangst vor Viren und Ansteckung wir aus der Coronakrise mitnehmen. Richter Uli Hübner, Sprecher des Landgerichts Amberg

Bei uns gibt es bei Gericht ein Schild, als nette Anmerkung gedacht: Ein freundliches Lächeln genügt. Nach wir vor gelten besondere Hygienemaßnahmen: Abstand, FFP2-Maskenpflicht auf den Gängen, Desinfektionsspender stehen bereit. Insofern könnte man sich schon fast die Hand geben.

Tatsächlich spielt das Thema bei uns aber keine Rolle. Es ist einfach unüblich, dass man sich bei Gericht per Handschlag begrüßt. Das hat es bei uns ja eigentlich noch nie gegeben, dass Richter, Anwälte, die Parteien und Angeklagte sich per Handschlag begrüßen würden, allenfalls bei Güterichterterminen.

Privat finde ich das im Übrigen nicht so dramatisch, wenn weder Faust, Ellbogen, Hand oder Füße eingesetzt werden. Man kann sich auch mit einem Hallo oder Grüß Gott begrüßen.

In St. Konrad drehen sich die Gottesdienstbesucher, die ja auch mindestens 1,5 Meter auseinander stehen (sofern sie nicht dem gleichen Hausstand angehören), einander zu und verneigen sich voreinander. Ich finde das eine gute Alternative.

Pfarrer Johannes Lukas, Dekan in Weiden

Pfarrer Johannes Lukas, Dekan in Weiden

Dass wir derzeit aufs Händeschütteln verzichten, spreche ich in Bewerbungsgesprächen einfach beim ersten Kennenlernen an. Das nimmt Unsicherheit und Anspannung aus den ersten Minuten, oft ist es auch witzig.

Martin Neuhaus, Personalchef der Kliniken Nordoberpfalz

Martin Neuhaus, Personalchef der Kliniken Nordoberpfalz

Es ist unüblich, dass man sich bei Gericht per Handschlag begrüßt. Das hat es bei uns ja eigentlich noch nie gegeben, dass Richter, Anwälte, Parteien und Angeklagte sich per Handschlag begrüßen würden.

Richter Uli Hübner, Sprecher am Landgericht Amberg

Richter Uli Hübner, Sprecher am Landgericht Amberg

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