08.07.2020 - 16:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Guter Christ mit maßvollem Benehmen" wegen Scheckfälschung vor Gericht

Geldprobleme haben einen 23-Jährigen dazu getrieben, ungedeckte Schecks auszustellen. Nun steht er vor dem Amtsgericht Weiden.

Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenbergen.
von Autor RNSProfil

Ein Lehrer kommt aus den USA nach Deutschland. Seine Frau ist Soldatin am Truppenübungsplatz. Das Paar wohnt in einem Hotel. Ein Mietwagen wird angeschafft. Bald reicht das Geld nicht mehr. Da stellt der 23-Jährige erstmals ungedeckte Schecks aus – 100, 200, 300 Dollar. Er bezahlt kleinere Rechnungen damit und lässt sich den überschießenden Betrag auszahlen.

Als die Scheckvordrucke seiner Bank zu Ende sind, fälscht der Verheiratete die Formulare am PC-Drucker. Nun gibt der mittlerweile bei einem US-Discounter Beschäftigte Schecks über bis zu 1400 Dollar an befreundete Soldaten weiter. Diese sollen sie bei einer Bank einlösen. Der Erlös wird geteilt. 31 Mal ging das Manöver gut. Beim 32. Mal fiel die Fälschung auf. Die Militärpolizei übernahm die Ermittlungen und übergab den Fall später an die Kriminalpolizei in Weiden. Zahllose Blanko-Scheckformulare habe man im Hotelzimmer des Amerikaners im Abfall gefunden, berichtete ein Weidener Beamter vor dem Schöffengericht, wo der Mann wegen „Fälschung von Zahlungskarten sowie gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Betruges“ angeklagt war.

Zugute kam dem nicht Vorbestraften, dass er über seine Verteidiger Jutta Carrington-Conerly (Grafenwöhr) und Dr. Thomas Krimmel (Landshut) ein freimütiges Geständnis ablegte. Da lange kein Geld auf seinem Konto eingegangen sei, sei ihr Mandant in Geldnot geraten, machte Carrington-Conerly deutlich. Dass dieser „ein guter Christ mit maßvollem Benehmen – bis auf diese einzige Verfehlung“ ist, bescheinigte sein Kirchenvorstand. Der 23-Jährige wirkt bei dieser Glaubensgemeinschaft nebenberuflich als Pfarrer.

Mittlerweile lebt er ohne Einkommen. Künftig will er zurück in die Staaten. Von seinem kürzlich verstorbenen Adoptivvater hat er ein Haus und mehrere Fahrzeuge geerbt. Von Deutschland hat er genug. Nachdem ihn die Polizei aufgesucht hatte, war er nach Amerika geflüchtet, bei der Wiedereinreise am Münchener Flughafen sofort festgenommen worden. 45 Tage in deutscher U-Haft seien hart für ihn gewesen, besonders da er damals nicht an der Beerdigung seines Adoptivvaters hatte teilnehmen können, sagte Carrington-Conerly. Krimmel betonte Schuldeinsicht und Reue seines Mandanten.

Der Angeklagte entschuldigte sich vor Gericht für seine Taten. Er werde, wenn das Gericht es wünsche, einen Schwur ablegen, dass er baldigst ausreisen und nie wieder nach Deutschland zurückkehren werde. 45 Tage in deutschen Gefängnissen seien für ihn eine Lehre.

Richter Hubert Windisch und die beiden Schöffen waren etwas gnädiger als Staatsanwalt Sebastian Goldmann. Dieser hatte wegen der enormen Schadenshöhe von insgesamt 17.890 Dollar auf zweieinhalb Jahre plädiert. Mittlerweile ist jedoch ein Großteil beglichen. Die US-Army behielt den Sold der Ehefrau ein. Windisch verurteile den Angeklagten, gemäß den Anträgen der Verteidiger zu zwei Jahren auf Bewährung.

Ein 24-Jähriger fackelte wegen hoher Schulden ein Auto ab:

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