28.06.2021 - 15:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Großauftrag für Bauscher: Porzellan für neues Costa-Kreuzfahrtschiff

Hotels und Gasthäuser monatelang geschlossen: Bauscher in Weiden hat als Porzellanlieferant dieser Branche schwer unter der Pandemie gelitten. Doch nun winkt ein dicker Auftrag aus der Tourismusindustrie.

Die Kombüsen und Restaurants des Kreuzfahrtschiffs "Costa Smeralda" sind komplett mit Bauscher-Geschirr ausgestattet. Derzeit wird das Schwesterschiff "Costa Toscana" gebaut. Bauscher kommt dabei erneut zum Zug.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Höhere CO2-Preise, Personalabbau und Umsatzeinbruch bestimmten zuletzt die Schlagzeilen der ostbayerischen Porzellanhersteller. Doch inzwischen gibt es wieder Positives zu berichten. Ein wichtiger Kunde hat Bauscher ein neues Projekt anvertraut. Die Weidener sollen das Kreuzfahrtschiff "Costa Toscana" der italienischen Reederei Costa Crociere mit ihren Produkten ausstatten. Ein Auftrag "im hohen sechsstelligen Bereich" heißt es in einer Mitteilung der BHS Tabletop AG aus Selb, zu der Bauscher gehört.

Der Kreuzfahrtriese bietet 6522 Passagieren und 1700 Besatzungsmitgliedern Platz. Die "Costa Toscana" befindet sich derzeit im Bau. Sie soll Ende des Jahres vom Stapel laufen. Das Porzellan wird Ende Juli nach Turku zur Werft in Finnland geliefert. Auf dem Schiff sollen die Serien Carat, Maitre, Enjoy und Options zum Einsatz kommen, ferner Artikel verschiedener Dekorlinien. Reisende können an Bord zwischen elf Restaurants wählen.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Bauscher und den Italienern. Seit 2019 setzt das Schwesterschiff "Costa Smeralda" ausschließlich auf Geschirr aus dem Weidener Werk.

Trotzdem ist auch Bauscher vom geplanten Stellenabbau innerhalb der BHS Tabletop betroffen. An den Standorten Schönwald und Weiden schieden bis Ende des Jahres insgesamt 190 Menschen über einen Sozialplan aus.* Vorstandschef Gerhard Schwalber erkennt dennoch Lichtblicke. 2021 laufe wesentlich besser an als 2020, auch wenn das Vorpandemie-Niveau noch entfernt sei. Genauere Geschäftszahlen teilt das Unternehmen nicht mit.

Der Tabletop-Vorsitzende sprach von einem Innovationsschub in der Pandemie, da Bauscher auch im Gesundheitswesen ein Standbein hat und Krankenhäuser sowie Pflegeheime bestückt. Dazu gehöre die neuartige "Bento-Box", ein System aus Schalen und Tellern, die besonders leicht, gut stapelbar und mit hohem Hygienefaktor einsetzbar seien. Sie wurde erst vor Kurzem auf den Markt gebracht.

Etwas zuversichtlicher blickt ebenfalls Iris Schopper in die Zukunft. Die Gewerkschaftssekretärin der IG BCE freut sich, dass auch am Standort Weiden die Auszubildenden ein Übernahmeangebot erhalten.

Ein Interview mit BHS-Tabletop-Vorstandschef Gerhard Schwalber

Selb
Hintergrund :

BHS Tabletop AG

  • 1998 aus den Unternehmen Bauscher, Hutschenreuther und Schönwald entstanden
  • An der Frankfurter Börse gelistet, die Mehrheit der Aktien hält seit 2017 die Serafin Unternehmensgruppe. Im Streubesitz finden sich unter 20 Prozent der Aktien
  • Rund 1100 Mitarbeiter in Schönwald und Weiden (jeweils Produktion) sowie in Selb (Verwaltung)
  • Im Jahr 2019 Umsatz von 121 Millionen Euro

*In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Stellenabbau erfolge bis 2021. Richtig ist, dass er bereits 2020 erfolgt.

 

 

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