25.01.2021 - 16:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grenze in Waidhaus: Coronatests lassen auf sich warten

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Tschechische Berufspendler müssen ab sofort bei der Einreise nach Bayern einen negativen Coronatest mitführen – auch in Waidhaus. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein. Für viele ist das eine große Herausforderung.

Keine Staus gab es am Montag an der Grenze bei Waidhaus zwischen Bayern und Tschechien.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Seit Sonntag gilt für tschechische Arbeitnehmer, die in Bayern beschäftigt sind, eine neue Regelung. Um einreisen und arbeiten zu dürfen, müssen sie einen negativen Coronatest vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Während an anderen bayerischen Grenzübergängen mobile Teststationen für Einpendler eingerichtet worden sind, müssten tschechische Beschäftigte, die über Waidhaus nach Bayern kommen, für einen Test nach Weiden fahren.

Für Fabian Bauriedl, Geschäftsführer der Eslarner Firma BaS Kunststoffverarbeitung ein Unding. "Das ist alles nicht zu Ende gedacht", kritisiert er die neue Verordnung. Rund 50 seiner Mitarbeiter kommen aus dem Nachbarland. Davon würden etliche 30 bis 40 Kilometer im Landesinnern wohnen. "Sollen die für einen Coronatest alle zwei Tage noch einmal 30 Kilometer nach Weiden fahren?", ärgert er sich. Der Unternehmer fühlt sich ein wenig überrumpelt. "Da tritt übers Wochenende eine Verordnung in Kraft, aber Genaueres dazu erfährt man nicht", sagt er.

Auch für die Behörden vor Ort kam die Regelung sehr plötzlich. Doch Grenzgänger zum Testen nach Weiden zu schicken, kann keine Dauerlösung bleiben. Es ist geplant, so schnell wie möglich in Waidhaus eine Teststation einzurichten. Für die Umsetzung wird die Firma Ecolog sorgen. "Wir rechnen damit, dass es bis Ende der Woche soweit sein könnte", sagt Sprecherin Claudia Prößl von Landratsamt Neustadt/WN. "Momentan werden noch verschiedene Fragen abgeklärt." Wo genau diese Teststation stehen soll, wird noch bekanntgegeben. Auf Nachfrage informiert das Landratsamt weiter, dass für die Einreise kein PCR-Test notwendig ist, sondern ein Schnelltest ausreicht. Dafür hat die Regierung ein Kontingent zugesagt.

Knapp 1600 Menschen aus Tschechien sind im Landkreis Neustadt/WN beschäftigt. Man kann davon ausgehen, dass am Montag nur die wenigsten einen aktuellen Test in der Tasche hatten. Die Vermutung liegt nahe, denn laut Behörden habe es beim Testzentrum in Weiden keinen größeren Andrang gegeben.

Haben sich die Einpendler etwa zuhause in Tschechien testen lassen? Der Eslarner Unternehmer Fabian Bauriedl kann sich das nicht vorstellen. "In Tschechien müssen Coronatest selbst gezahlt werden", weiß er von seinen Mitarbeitern. Zwischen 100 und 150 Euro würde das kosten. Gemeinsam mit einem weiteren Eslarner Betrieb habe er selbst eine Testmöglichkeit organisiert. "Am Donnerstag will ein mobiles Testteam vom BRK zu uns kommen", informiert er.

Kontrolliert wird die Testpflicht nur im Rahmen der üblichen Grenzfahndung der Bundespolizei. Allerdings soll dafür die Kontrolldichte erhöht werden. Pendler müssen nicht etwa an einem Schlagbaum halten und ihren Test vorzeigen, sondern können ungehindert über die Grenze fahren. Falls Beamte der Bundespolizei einen tschechischen Arbeitnehmer kontrollieren und er keinen Test dabei hat, wird er umgehend nach Weiden zum Testen geschickt. Außerdem werden die Polizeiinspektion Vohenstrauß und das Gesundheitsamt Weiden-Neustadt benachrichtigt.

Während ein Großteil der tschechischen Pendler auf die Teststation in Waidhaus angewiesen ist, haben es die Mitarbeiter des Klinikums Weiden etwas einfacher. Bei den Grenzpendlern aus Tschechien werde ab sofort alle zwei Tage Tests über die Mitarbeiter-Abstrichstelle der Kliniken Nordoberpfalz durchgeführt. „Wir erhöhen damit die Frequenz der bereits zuvor erfolgten regelmäßigen Tests der Pendler in kurzen Abständen“, informiert Klinikums-Sprecher Michael Reindl.

Weiterhin gilt im Klinikum die bereits vor mehreren Monaten eingeführte Maßnahme, dass Pendler aus Tschechien ein Mitarbeitertagebuch führen müssen, in dem mögliche Symptome einer Erkrankung (Temperaturmessung, allgemeines Befinden) eingetragen werden. „Wir wissen um die Problematik der Testungen, was den 48-Stunden-Zeitraum betrifft, gerade am Wochenende. Hierfür prüfen wir derzeit verschiedene Szenarien“, so Reinl weiter.

Hohe 7-Tage-Inzidenz in Tschechien

  • Tschechische Berufspendler benötigten ab sofort einen negativen Coronatest (nicht älter als 48 Stunden), um nach Bayern einreisen zu dürfen.
  • Die neue Reglung geht auf die anhaltenden hohen Infektionszahlen in Tschechien zurück.
  • Insgesamt 937.617 Menschen haben sich bislang im Nachbarland Tschechien mit dem Coronavirus infiziert.
  • Das entspricht einer 7-Tage-Inzidenz von 452,5 und einer Infektionsrate von 8,76 Prozent.
  • Bei einer Einwohnerzahl von 10.708.982 meldet Tschechien 15.369 Tote.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.