13.08.2020 - 16:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grafenwöhrer Michael Tiefel ist auf Spenden-Radtour

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Michael Tiefel ist unterwegs auf einer Charity-Radtour für Krebspatienten durch Deutschland. Nicht nur die sechs Tage im Fahrradsattel sind eine Herausforderung.

Platz ist in der kleinsten Tasche. Das Fahrrad bepackt Michael Tiefel für seine 6-Tage-Tour möglichst aerodynamisch.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Für seine "positiv, verrückte Sache" erntet Michael Tiefel aus Grafenwöhr viel Anerkennung. Er startet ab Samstag, 15. August, seine Radtour in Flensburg. 850 Kilometer durch Deutschland. In sechs Tagen will er zurück sein in Grafenwöhr. Die dabei gesammelten Spenden kommen der Krebsstation am Klinikum Weiden zugute.

Seit der Grafenwöhrer, der eine Schwerbehinderung hat, seine Idee von einer Fahrradtour öffentlich machte, muss er viele Fragen beantworten und Interviews geben. Freunde und auch wildfremde Menschen melden sich bei ihm und wünschen viel Erfolg. Da wird ihm erst bewusst, auf welches Abenteuer er sich einlässt. "Wird schon werden" sagt sich der 45-Jährige.

Nach der Tour auf den OP-Tisch

Mit Zuversicht packt Tiefel auch die Tage vor der Abfahrt an. Er fühlt sich fit. Tägliches Hanteltraining stählt die Muskeln, etwas weitere Ausfahrten mit seinem neuen Gravel Bike (Mischung aus Renn- und Trekkingrad) fördern die Ausdauer. Bis zu 140 Kilometer lang sind die Tagesstrecken, die Tiefel auf seiner Tour im Sattel sitzen muss. Beim Radfahren fühlt er keine Schmerzen. Die sind Folge eines Motorradunfalls vor vielen Jahren. Ein Oberschenkelbruch ist noch immer nicht ganz verheilt. Im September muss der 45-Jährige am Rücken operiert werden. Eine chronische Dickdarmentzündung plagt ihn zusätzlich. Trotzdem nimmt er die körperlichen Strapazen auf sich.

"Ich habe keine Bedenken, dass ich das nicht packe", sagt der ausgebildete Polizist, der heute als Mentaltrainer und Life-Coach arbeitet. Das helfe ihm sehr bei der Stressbewältigung. Alles andere werde er auf sich zukommen lassen. Als Langstreckenradler sei er ein absoluter Neuling. "Ich habe mich erstmal informieren müssen, was ich alles so für die Tour brauche: schnelltrocknende Kleidung, ein kleines Zelt, leichte Fahrradtaschen, eine Salbe, wenn der Hintern wund gerieben ist. Auch dafür gibt's Spezialcremes", lacht er.

Täglich kam seitdem der Paketdienst vorbei. "In der Garage stapelten sich die Päckchen", scherzt Susanne Preißinger, die ihren Lebensgefährten bei seinem Vorhaben voll unterstützt. Per App werde sie nächste Woche die Etappen verfolgen. Natürlich werde auch telefoniert. "Aber er ist ja in Deutschland unterwegs und nicht in irgendeinem im Dschungel."

Pfefferspray zum Schutz

Sein Rad hat er bereits liebgewonnen, und die neuen Packtaschen für Lenker, Vordergabel und Querstange sowieso. Die entpuppen sich als wahre Raumwunder. "Jetzt weiß ich auch, was eine ,Arschrakete' ist", sagt Tiefel. Eine längliche Tasche, die unterm Sattel befestigt wird. "Absolut aerodynamisch. Mein Gott, was es nicht alles gibt".

Und was muss nun alles mit für sechs Tage? "Also, da wären: Schlafsack, Zelt, Regenjacke und -hose, Beinlinge gegen Kälte, ein Kocher, Gasflasche, T-Shirts, Socken, Unterwäsche, zwei Schläuche, Flickzeug, ein Leatherman, ein Kettenschloss, Powerbank und Akkus und zum Schutz für alle Fälle ein Pfefferspray. Außerdem pack ich paar Snacks und zwei Fertiggerichte ein, mein E-Book und natürlich meine Medikamente."

Platz ist auch noch für eine Drohne. Mit ihr will Michael Tiefel von unterwegs Aufnahmen machen. Am Körper trägt er eine "Go Pro"-Kamera. Interessierte können so die Radtour auf Instagram (@michaeltiefel) mitverfolgen. "Ich will ja Spenden sammeln und muss auch Werbung für die gute Sache machen", sagt der dreifache Familienvater, der die Aktion fast ohne Sponsoren stemmt. Umso mehr freut es ihn, dass schon jetzt 1700 Euro auf dem Spendenkonto sind.

Unterwegs hält Tiefel auch Vorträge. So spricht er in Berlin in einem Sportstudio, in dem Krebspatienten trainieren. Angekündigt hat sich auch die Berliner Tagespresse. Einen Abstecher macht er ans Uniklinikum Leipzig. "Die Onkologie ist auf mich zugekommen, ob ich nicht einen Vortrag vor Ärzten halten möchte. Ich soll über meine Erfahrungen im Umgang mit den schweren Erkrankungen berichten. Das hat mich schon sehr gefreut", sagt Tiefel.

Elf Stunden Zuganreise

Die Radtour sei eine neue Herausforderung, und "die nehme ich an". Die erste hat er schon gemeistert. Die Zugfahrt mitsamt Platz fürs Rad nach Flensburg zu buchen sei gar nicht so einfach gewesen. Elf Stunden ist er am Samstag unterwegs. Um 6 Uhr geht's los. Nachts will Tiefel campen. Auf zwei Plätzen hat er reservieren können. "Der Rest wird schwierig, denn entlang der Strecke liegen fast nur FKK-Plätze." Er lacht. "Ich werde schon ein Plätzchen auf einer Wiese finden." Die Tagesetapppen will er genießen, dabei auch die Gegenden näher kennenlernen. "Ich habe doch Zeit. Theoretisch täglich 16 Stunden für 140 Kilometer", ist Tiefel ganz entspannt. Wäre er mit einem E-Bike nicht schneller? "Oh, nein, das kam für mich überhaupt nicht infrage." Am Freitag, 21. August, wird Michael Tiefel in Grafenwöhr zurück erwartet.

Grafenwöhrer radelt für den guten Zweck

Grafenwöhr
Ganz schön viel, was mit muss. Michael Tiefel hat sein Gravel Bike aufgerüstet. Jetzt ist Platz für vier Wasserflaschen am Fahrradrahmen.

Zur Spendenaktion von Michael Tiefel

Tägliches Krafttraining am "Rack" oder mit den Hanteln bringt die nötige Power.
Hintergrund:

Spenden sammeln für Krebsstation am Klinikum

Michael Tiefel (45) überlebt 2001 einen schweren Motorradunfall, erkrankt 2010 an einer unheilbaren Dickdarmentzündung (Colitis Ulcerosa) und muss im September am Rücken operiert werden.

Trotz Dauerschmerzen schwingt sich der ausgebildete Polizist mit Schwerbehinderung am Samstag, 15. August, aufs Fahrrad und radelt knapp 850 Kilometer durch Deutschland von Flensburg in seinen Heimatort Grafenwöhr. Für einen guten Zweck. Mindestens 5000 Euro an Spenden möchte Tiefel so erradeln.

Unterwegs hält Tiefel, der als Mentaltrainer und Life-Coach arbeitet, auch Vorträge. Das gesammelte Geld will er an die Krebsstation am Klinikum Weiden spenden. Warum er das macht? "Die größte Motivation sind die Krebspatienten und ihre Gedanken: Warum mache ich das, wofür soll das gut sein? Auch ich kenne solche Gedanken," sagt der Grafenwöhrer, der schwere Zeiten hinter sich hat. "Ich möchte einfach etwas Gutes bewirken und im Leben Fußstapfen hinterlassen." (shl)

Info:

Sechs Tagesetappen

850 Kilometer von Flensburg nach Grafenwöhr in sechs Tagen, so lautet der Plan von Michael Tiefel. Das sind durchschnittlich gut 140 Kilometer pro Tag auf dem Rad.

  • 15. August: Fahrt mit dem Zug nach Flensburg
  • 16. August: Flensburg – Lübeck
  • 17. August: Lübeck – Perleberg
  • 18. August: Perleberg – Berlin
  • 19. August: Berlin – Löbnitz
  • 20. August: Löbnitz – Pöhl
  • 21. August: Pöhl – Grafenwöhr

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