29.10.2020 - 08:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Glocken übertönen Querdenker - Pfarrer: "Eine Einladung zum Gebet"

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Volles Geläut. Die Glocken der Kirche St Josef in Weiden erheben ihre kräftigen Stimmen, just als am Samstagabend der Protestzug der „Querdenker“ auf der Allee ankommt. Kein Zufall: Stadtpfarrer Markus Schmid erklärt die Hintergründe.

Der “Internationale Friedensmarsch” auf seinem Weg durch die Bürgermeister-Prechtl-Straße, wo die Parolen von Karl Hilz (rechts) von den Glocken der Josefskirche niedergeläutet wurden.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Position der Kirche zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sei hinreichend bekannt, betont Stadtpfarrer Markus Schmid. Er will das Glockengeläut beim "Vorbeimarsch der Querdenker" vor allem als "Einladung zum Gebet" verstanden wissen. Er antwortet auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Schon in den letzten Wochen und Monaten der Corona-Pandemie gab es immer wieder - auch ökumenisch - die Einladung zum Gebet. Diese Einladung wurde und wird durch Glockengeläut verkündet. Manchmal hilft nur noch Beten - so vielleicht auch vergangenen Samstag. In der Zeit der Pandemie sind wir als Kirche da, teilen die Sorgen und Nöte der Menschen, wir beten und erheben unsere Stimme. Wir versuchen Kontakt zu halten, zu ermutigen, zu ermahnen und zu trösten. Wir hören zu und versuchen zu verstehen. Wir setzen uns ein für den Schutz der Menschen."

Rücksicht auf die Mitmenschen

Der Stadtpfarrer von St. Josef nennt drei aktuelle Beispiele, die die Position der Kirchen illustrieren und verweist dabei die Hinweise aus dem Pfarrbrief zur Mitfeier der Gottesdienste in St. Josef: "Bitte beachten Sie weiterhin die derzeit gültigen Hygienemaßnahmen, Abstandsregelungen und Infektionsvorschriften." Die Hände seien bei Eintrit in die Kirche zu desinfizieren, Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, die nur am Sitzplatz abgenommen werden darf. Nur gekennzeichnete Plätze seien zu nutzen, in alle Richtungen 1,5 Meter Abstand zu halten. Das Gotteslob sei von zuhause mitzunehmen. Der Kommunionempfang sei nur am Platz möglich. Es gebe keine Mundkommunion. Die Teilnahme am Gottesdienst sei nur gesunden Personen möglich.

Auch bitten die Weidener Pfarrer in einer gemeinsamen Erklärung, beim Gräbergang an Allerheiligen auf die Abstandsregeln und die Maskenpflicht zu achten. Markus Schmid zitiert zudem aus der Sonntagspredigt seines Kaplans: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Das soll unser Auftrag an uns als Kirche und Gesellschaft sein."

Gerade in diesen Tagen sei dies wieder enorm wichtig, "aufeinander zu schauen und sich an die Regelungen zu halten, so schwer das manchmal sein mag. Wenn wir gemeinsam Jesu Auftrag erfüllen und uns einander mit Respekt mit Liebe begegnen, dann kann Kirche für uns zur Heimat werden". Pfarrer Schmid betont: "Insofern lässt das Glockenläuten zum Gebet vergangenen Samstag keine Missverständnisse oder Fehlinterpretationen zu."

Kirchen melden sich zu Wort

Auch in der Vergangenheit läuteten die Kirchenglocken in Weiden, um ihre Stimme für die christlichen Werte zu erheben. Vielen in lebhafter Erinnerung die das gemeinsame Geläut der Glocken von St. Michael und St. Josef am 18. Juli 2013. Sie stimmten damit in die Aktion "Bunt und frei. Tandaradei" des Bündnisses "Weiden ist bunt" ein, um gegen den Auftritt von NPD-Funktionären zu demonstrieren, die auf ihrer Bayerntour den Oberen Markt angesteuert hatten.

Eine schlimme Nachwirkung der "Querdenker"-Demo

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Sechs Glocken im Turm von St. Josef

Die ursprüngliche Glocken wurden (bis auf eine) 1942 abgenommen und haben den Krieg auch nicht überlebt. 1949 wurde das jetzige Geläut zusammengestellt.

  • Der Grund- oder Christkönigglocke. Sie hat einen unteren Durchmesser von 194 Zentimeter und wiegt 4550 Kilo. Sie zeigt als Bild Jesus als Christkönig mit Mandorla und trägt die Inschrift „Pax Vobis 1949“.
  • Die Maxglocke wurde im 2. Weltkrieg nicht abgeliefert. Sie ist gestiftet von Stadtpfarrer Max Josef Söllner (unter ihm wurde die Josefskirche erbaut), hat einen unteren Durchmesser von 173 Zentimeter und wiegt 3150 Kilo. Sie trägt das Bild der Hl. Dreifaltigkeit und den Namen des Gießers Max Gugg, Straubing.
  • Eine Glocke mit dem Bild des Kirchenpatrons Hl. Josef, datiert 1949, unterer Durchmesser 154 Zentimeter, Gewicht 2250 Kilo.
  • Eine Glocke mit dem Bild der Gottesmutter, ebenfalls datiert 1949, unterer Durchmesser 128 Zentimeter, Gewicht 1350 Kilo.
  • Sterbe- und Messglocke, mit Bild der Hl. Barbara, datiert 1949, unterer Durchmesser 114 Zentimeter und 950 Kilo schwer.
  • Tauf- und Messglocke, mit dem Bild des Hl. Schutzengels, datiert 1949, unterer Durchmesser 96 Zentimeter und 575 Kilo schwer.

Außer der Maxglocke wurden alle Glocken von der Glockengießerei F. Otto in Hemelingen bei Bremen gegossen. Die vier kleineren Glocken hängen (von der Turmfront aus gesehen) im rechten Turm, die beiden Großen im Linken. Das Geläut von St. Josef ist (nach den Glocken des Regensburger Doms) das zweittontiefste Geläut der Oberpfalz. (wd)

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