05.07.2020 - 09:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die gefährlichsten Kreuzungen Weidens

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Wo kracht es besonders häufig im Stadtverkehr? Polizei und Stadt sehen es in der Unfallstatistik 2019. Unrühmliche Spitzenreiter sind zwei Kreuzungen, die bis vor zwei Jahren noch völlig unauffällig waren.

Das war 2019 die gefährlichste Kreuzung der Stadt: Wo sich Asyl- und Herrmannstraße treffen, krachte es sieben Mal. Mittlerweile ist die Stelle offenbar entschärft.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Was macht eine Unfallstelle zum "Unfallhäufungspunkt"? Das hat die Polizei genau definiert: als Stelle, an der sich binnen eines Jahres mindestens vier gleichartige Karambolagen ereignen. Die Gesetzeshüter müssen sie zudem mit einer Anzeige nach dem Bußgeldkatalog ahnden. Dies traf 2018 zum Beispiel auf die Kreuzung Am Alten Dorf/Leimberger Straße zu. Ein Jahr später sind die Unfallzahlen dort so gering, dass sie komplett aus dieser Statistik rutschte. Die gefährlichsten Kreuzungen Weidens des Jahres 2019 waren nach Angaben der Verkehrsexperten von Stadt und Polizei stattdessen:

Asyl-/Herrmannstraße

Erneut kommt es 2019 zu 7 Unfällen – nach bereits 8 im Vorjahr. 4 Beteiligte werden leicht verletzt, der Gesamtschaden beträgt rund 64.000 Euro. Die Karambolagen häufen sich erst seit 2018, Vorfahrtänderung zu "Rechts vor links" und Tempo 30 brachten keine Verbesserung. Liegt es daran, dass mehr Autofahrer als vorher die Stelle auf einem neuen "Schleichweg" passieren, den sie wegen der Arbeiten am NOC gewählt haben? Die Umgewöhnungsphase, meinen die Weidener Verkehrsexperten, müsste 2019 eigentlich abgeschlossen gewesen sein. Sie vermuten eher, dass die Vorfahrtsregelung "im Rahmen der optischen Führung" nicht wahrgenommen wurde. Mittlerweile scheint die Gefahrenstelle entschärft – der Einbau einer Mittelinsel brachte im Januar 2020 offenbar die Lösung. Seitdem gab es keinen Unfall mehr. Anwohner beklagen jedoch, dass viele Autos in der Herrmannstraße zu schnell fahren. Auf Anfrage von Stadträtin Gabriele Laurich erwägt die Stadtverwaltung Tempomessungen.

Die Statistik 2018

Weiden in der Oberpfalz

Joseph-Haas-/Tachauer Straße

Auf der Kreuzung Joseph-Haas-/Tachauer Straße kam es vier Mal beim Queren der Linksabbiegespur aus einem Stau heraus zu Unfällen.

Bei 4 Abbiegeunfällen erleiden 2 Personen leichte Verletzungen. Der Schaden beläuft sich auf 34.000 Euro. Die Kreuzung ist erstmals Unfallhäufungspunkt - in den Vorjahren ereigneten sich dort nie mehr Karambolagen als je 2. Einen Zusammenhang mit den Baumaßnahmen im Juli/August 2019 an der Anschlussstelle Weiden-West schließen die Verkehrsexperten aus: Gekracht hat es im Februar, März, September und November. Die Ursache war stets die gleiche: Die Verursacher "querten die gegenläufige Linksabbiegespur, auf die sich der Verkehr zur Christian-Seltmann-Straße zurückstaute und ihnen eine Lücke gelassen wurde. In der Folge kam es zur Missachtung des Vorranges auf der gegenläufigen Rechtsabbiegespur, wo der Verkehr flüssig war". Äußere Umstände, die etwas daran ändern könnten, erkennt die Unfallkommission der Stadt nicht. Sie will die weitere Entwicklung abwarten.

B470/Autobahn-Anschlussstelle Weiden-West (Richtung Hof)

Sechs teils schwere Unfälle ereigneten sich in drei Jahren an dieser Stelle der B 470. Dann schaffte die Ampel offenbar Abhilfe.

In der Drei-Jahres-Betrachtung führt diese Stelle die unrühmliche Hitliste an. Zu Buche stehen 6 Unfälle mit 3 Schwer- und 4 Leichtverletzten sowie 96.500 Euro Schaden. Die gute Nachricht: Nachdem das Staatliche Bauamt dort im September 2019 eine Ampel in Betrieb nahm, waren Unfälle bis Jahresende Fehlanzeige.

Die Statistik 2017

Weitere auffällige Knotenpunkte

Auch auf der Kreuzung Frauenrichter-/Leimbergerstraße häufen sich Unfälle.

Diese Kreuzungen erfüllen nicht die Kriterien von Unfallhäufungspunkten, waren 2019 jedoch trotzdem auffällig: Frauenrichter-/Leimberger Straße (6 Unfälle, 7 Leichtverletzte), Nikolai-/Herrmannstraße (5 Unfälle, 1 Schwer- und 5 Leichtverletzte), Christian-Seltmann-Straße/Karl-Heilmann-Block (5 Unfälle, 6 Leichtverletzte), Adolf-Kolping-Platz (5 Unfälle, 1 Leichtverletzter), Dr.-Kilian-Straße/Merklmooslohe (4 Unfälle, 4 Leichtverletzte) und B22/Süd-Ost-Tangente/Leuchtenberger Straße (4 Unfälle, 2 Leichtverletzte).

Unfallstatistik 2019:

Mehr Karambolagen, weniger Verletzte

Im Stadtgebiet ereigneten sich 2019 insgesamt 1661 Unfälle, 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 2 Menschen starben (2018: 1), 294 (301) wurden verletzt. 25 Mal (19) war die Hauptursache Geschwindigkeit, 21 Mal Alkoholeinfluss (22). Es kam zu 4 Schulweg- (6) und 99 Wildunfällen (93). 418 Mal (421) ermittelte die Polizei wegen Unfallflucht, fast 36 Prozent konnte sie klären. Die meisten Verursacher – 20 – suchten nach einer Karambolage am Großparkplatz Naabwiesen das Weite, gefolgt von Parkplätzen von zwei Verbrauchermärkten (13 beziehungsweise 12 Fälle) in der Unteren Bauscherstraße.

66 Unfälle mit Radfahrern:

Radler meist selbst schuld

66 Radfahrer verunglückten 2019 auf Weidens Straßen – 11 weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2014 (61) nicht mehr. Eine "schuldhafte Beteiligung" bescheinigt ihnen die Polizei in 62,1 Prozent der Fälle (Vorjahr 72,7 Prozent). Die häufigste Unfallursache: Benutzen von Geh-/Radweg in falscher Richtung (15 Fälle). 5 Radfahrer wurden schwer, 51 leicht verletzt.

Kommentar:

Der Radler in der Statistik

Radfahrer kommen schon mal einem Auto in die Quere (oder umgekehrt), stoßen mit Fußgängern zusammen oder stürzen – relativ häufig – auch ganz ohne Fremdeinwirkung. Dass sie 2019 in 51,5 Prozent der Fälle die Hauptschuld an einem Radunfall trugen und in 62,1 Prozent zumindest „schuldhaft beteiligt“ waren, bestätigt auf den ersten Blick Vorurteile nach dem Motto „rigorose Radl-Raser“. Allerdings: Wir sprechen von einer Gesamtzahl von gerade mal 66 Radunfällen, welche die Polizei erfasst hat. Demgegenüber stehen mehr als 1500 Unfälle, an denen Kraftfahrzeuge beteiligt waren. Wie oft deren Fahrer schuldhaft beteiligt waren? Das verrät die Statistik nicht. Aber gehen wir mal davon aus, dass „Auto gegen Auto“ einer der häufigsten Unfalltypen ist. Und in dem Fall wäre ja stets ein Autofahrer schuld.
Auto gegen Rad? Da ist die Schuldfrage vielleicht fraglich, der Ausgang nicht: Den Kürzeren zieht immer der Radler. Nicht zuletzt deshalb ist ein anderer Punkt in der Statistik weit besorgniserregender als die „schuldhafte Beteiligung“: Von 56 verletzten Radfahrern trugen nur 16 einen Helm. 7 waren Kinder, von denen nur eines mit Helm unterwegs war. Dass Radfahrer zu wenig Rücksicht auf andere nehmen, wollen wir ihnen nicht unterstellen. Aber noch viel zu viele nehmen keine Rücksicht auf sich selbst.

Ralph Gammanick

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