28.11.2018 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Furcht vor Riss im Flutkanal

Die Pappeln entlang des Flutkanals sind groß geworden: Ihr Wurzelwerk durchdringt den Hochwasserschutzdeich, der die Innenstadt vor den Fluten abschirmt. Stürzt einer der Riesen, droht in der Altstadt eine Flutkatastrophe. Das Wasserwirtschaftsamt sieht die Gefahr und handelt.

Insgesamt 32 Pappeln, die noch aus der üppigen Erstbepflanzung des Flutkanals stammen, werden „von oben nach unten“ aus dem Uferbewuchs entfernt, kündigt Andreas Ettl vom Wasserwirtschaft Weiden an.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Zwei signalrote schräge Balken weisen ab nächste Woche den Fällexperten den Weg. 32 Pappeln, die bei einem Windbruch mit ihrem Wurzeln den westlichen Hochwasserdamm aufzureißen drohen, werden "von oben nach unten abgetragen", erläutert Bauoberrat Andreas Ettl vom Wasserwirtschaftsamt Weiden. Deshalb ist ab voraussichtlich Montag der Fuß- und Radweg im Westen des Flutkanals, zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Einmündung der Schweinenaab, gesperrt.

Die Fäll-Arbeiten, die der Deichpflege und -sicherung dienen, sollen noch vor Weihnachten abgeschlossen werden, betont Projektleiter Ettl. Er bittet alle Bürger, aus Sicherheitsgründen von der Baustelle fern zu bleiben und sie zu umfahren. Ein schnelles gewöhnliches Absägen ist nicht möglich: Durch die fallenden Bäume würden Damm oder Flutkanal beschädigt. Außerdem splittere Pappelholz sehr stark.

Sandsäcke aufgeschichtet

Nach den schlimmen Hochwasser im Jahr 1995, als die Innenstadt nur durch die von Bundeswehr, THW, Feuerwehr und Bürgern aufgeschichteten Sandsäcke gesichert werden konnte, baute der Freistaat Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Weiden, kontinuierlich den Hochwasserschutz aus. Die notwendigen Anlagen entstanden in vier Bauabschnitten. Sie begannen 1997 mit dem Neubau des Hochwasserschutzdeiches von der Mündung der Schweinenaab bis zur Friedrich-Ebert-Straße. Den Abschluss bildete 2013 das Obere Wehr. Dazwischen wurden das Mittlere Wehr und ein weiterer Deichabschnitt im Max-Reger-Park gebaut. Insgesamt wurden über zehn Millionen Euro von Freistaat und der Stadt Weiden investiert. "Alle 10 bis 15 Jahre müssen die Anlagen, besonders die Deiche, vertieft betrachtet werden", berichtete Ettl am Mittwochmorgen am Flutkanal.

"Das Problem ist der starke Gehölzbewuchs auf dem Deichabschnitt. Wir müssen hier als Sofortmaßnahme die Pappeln auf dem Deich entnehmen. Alle anderen Hochstammgehölze dürfen aber auf dem Deich verbleiben", versichert Ettl. "Das Problem an den Pappeln sind hier die Wurzeln. Im Hochwasserfall ist der Deich durchnässt: Bei Windböen kann es geschehen, dass umfallende Bäume mit ihrem Wurzelwerk den kompletten Deichkörper heraus reißen. Das Hochwasser hätte dann freie Bahn."

Spundwände im Deich

Mit dem Entfernen der über 80-jährigen Pappeln ist es nicht getan. In einem zweiten Schritt sollen am Flutkanal die Wurzelstöcke im Sommer 2019 und das durchwurzelte Material entnommen und ausgetauscht werden. Dies beuge dem sogenannten Piping vor, erklärt Ettl. Aufgrund der verrotteten Wurzeln bildeten sich nämlich sonst Röhren im Deichkörper, durch die Wasser einlaufe. Dies führe zur "inneren Erosion": Der Deich breche bei drückendem Hochwasser in sich zusammen. Auch der Einbau von stabilisierenden Spundwänden ist eventuell nötig.

Die Entnahme der Pappeln sei mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Weiden abgesprochen. "Um Höhlenbewohner wie Fledermäuse oder Eichhörnchen zu schützen, werden die Arbeiten nun in der Winterzeit erledigt."

"Wir sind bemüht, Ersatzflächen für das verlorene Grün zur Auwaldentwicklung zu finden." Der Uferstreifen der Waldnaab zwischen Neustadt und Weiden sei jüngst mit Bäumen bepflanzt worden. "Leider ist es nicht einfach, aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung an Flächen zu kommen", bedauert Ettl. Mit dem Landesbund für Vogelschutz werden im Frühjahr 2019 wieder Nistkästen für diverse Vogelarten angebracht.

 

 

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