09.09.2020 - 16:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eine Folge von Corona: "Schwangere haben mehr Zukunftsängste"

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Anträge ans Jobcenter, Wohnungssuche, Arbeitslosigkeit: In Corona-Zeiten ist alles anders. Auch die Schwerpunktthemen, die das Team der Caritas-Schwangerschaftsberatung beschäftigen.

Das Team der Caritas-Schwangerschaftsberatung in Weiden: (von links) Die Sozialpädagoginnen Maria Kohl, Christine Schobert, Raimunda Schulze (Leiterin), Praktikantin Rebecca Rupprecht und die Verwaltungskräfte Jana Gawlik und Alexandra Kellner.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Keiner freut sich über Corona. Dem Team der Caritas-Schwangerschaftsberatungsstelle in Weiden kam die Ruhephase im Frühjahr aber nicht ganz ungelegen. "Wir konnten diese Zeit gut nutzen, um unseren Umzug vorzubereiten", sagt Leiterin Raimunda Schulze. Zwei Wochen lang herrschte durch den Lockdown fast völliger Stillstand, was die Anfragen von Klientinnen betrifft, obwohl die Beratungsstelle ständig besetzt war. "Wir haben alte Akten digitalisiert und andere Vorbereitungen getroffen." Ab der dritten Woche nahmen die Anfragen per Telefon und Online stetig zu.

Seit 11. Mai werden die Beratungen wieder durchwegs persönlich durchgeführt. Vorher wechselten sich die Expertinnen mit Homeoffice und Beratung vor Ort ab. Wobei sich der Ort geändert hat: Seit 1. Juni hat die Schwangerschaftsberatung ihren Sitz im Sozialzentrum St. Konrad in der Heinrich-von-Kleist-Straße, unter einem Dach mit Caritas-Altenheim, Sozialstation, Tagespflege und dem "CarLa"-Laden, der Bekleidung für Kleinkinder und Schwangere anbietet. In den neuen, großzügigeren und freundlich gestalteten Räumen fühlt sich das Expertinnen-Team sichtlich wohl.

Viele Klientinnen ohne Arbeit

Nicht Fragen zur Schwangerschaft oder Konfliktberatung standen in der Anfangszeit der Pandemie im Vordergrund. "Wir mussten uns vermehrt mit Anträgen ans Jobcenter befassen", berichtet Raimunda Schulze. "Dort gab es keine persönliche Beratung vor Ort, telefonisch kamen die Frauen oft nicht durch. Also haben wir sie unterstützt." Immerhin rund zwei Drittel der Klientinnen beziehen mittlerweile Leistungen über die Arbeitsagentur oder das Jobcenter. "Einige haben ihren Arbeitsplatz verloren, weil die Anstellung befristet war oder sie hatten nur einen Minijob", fügt Maria Kohl hinzu. Aber auch Sprachschwierigkeiten führten nach ihren Erfahrungen dazu, dass die Klientinnen mit der Telefonberatung des Jobcenters nicht zurecht kamen.

Kurzarbeitergeld, Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft aber auch die Wohnungssuche waren weitere Themen, bei denen der Rat der Sozialpädgoginnen gefragt war. Stark zugenommen haben außerdem die Anträge auf Elterngeld über die Bayerische Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind oder andere Hilfsfonds. "Im Mai hatten wir hier eine Steigerung um zwei Drittel", sagt Raimunda Schulze. "Das ist ungewöhnlich, auch wenn die Zahl der Anträge an die Landesstiftung bereits seit einigen Jahren steigt." Kinder, Arbeitsplatzverlust, finanzielle Einbußen. Corona habe die Situation für viele Frauen verschlechtert, stellt Maria Kohl fest. "Viele Schwangere haben mehr Zukunftsängste."

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Weiden in der Oberpfalz

Gruppenangebote ab September

Inzwischen sei die Zahl der Ratsuchenden beinahe wieder auf dem alten Level. "Nur im August ist die Nachfrage immer etwas entspannter." Und das Team, das mit den Sozialpädagoginnen Madeleine Schnerch, Christine Schobert, Praktikantin Rebecca Rupprecht und der Verwaltungskraft Alexandra Kellner vier neue Kolleginnen in den Reihen hat, startet wieder voll durch. Mit einer Reihe von Gruppenangeboten, von denen einige neu im Programm sind.

Die Pekip-Gruppe für Babys bis zum ersten Lebensjahr startet am 17. September. Die Teilnehmerzahl ist wegen der Corona-Hygieneregeln auf acht Personen beschränkt.

Workshops in Schulen zum Thema "Schutz und Prävention für Jugendliche" werden ab Ende September wieder angeboten.

Jeweils am letzten Freitag im Monat ab 9.30 Uhr findet ab sofort wieder das "Mama Café" im Gruppenraum der Beratungsstelle statt, zu dem alle Mütter mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr eingeladen sind.

"Ernährung und Bewegung im ersten Lebensjahr" ist der Titel eines auf zehn Teilnehmerinnen begrenzten Kurses in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ab 28. September.

Ein Geburtsvorbereitungskurs (ohne Gymnastik) zu den Themen Schwangerschaftskomplikationen, Babypflege und gesunde Ernährung beginnt ab 2. Oktober.

Neu eingerichtet wird im Oktober außerdem eine Gruppe für Frauen mit postnataler Depression unter dem Titel "Betrübtes Mutterglück". "Das Thema wird leider immer noch tabuisiert", bedauert Raimunda Schulze, obwohl nicht wenige Frauen betroffen seien. Weitere Informationen und Anmeldungen zu den Kursen in der Beratungsstelle unter Telefon 0961/40182280.

Für 2021 ist ebenso der in diesem Jahr ausgefallene Sprachkurs für Migrantinnen geplant, bei dem für Kinderbetreuung gesorgt ist. Schulze: "Wir hoffen außerdem, dass wir 2021 wieder unsere beliebten Ausflüge anbieten können, denen in diesem Jahr viele nachgetrauert haben."

Caritas-Schwangerschaftsberatungsstelle betreut Frauen von Amberg bis Tirschenreuth:

Außenstelle und Sprechstunden

Die Caritas-Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen mit Hauptsitz in Weiden, Heinrich-von-Kleist-Straße 8 bis 14, betreut nicht nur Frauen aus der Max-Reger-Stadt und dem Landkreis Neustadt/WN. Sie verfügt außerdem über eine Außenstelle in Schwandorf, die von montags bis freitags geöffnet hat und mit drei Mitarbeiterinnen besetzt ist. In Amberg werden außerdem jeden Freitag von 8 bis 13 Uhr Außensprechstunden angeboten. Die Außensprechstunden in Tirschenreuth wurden 2019 auf 8 bis 17 Uhr (jeden Montag) erweitert.

Das Team der Beratungsstelle unterliegt der Schweigepflicht. Die Expertinnen beraten nicht nur Schwangere, sondern auch Mütter bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes.

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