29.10.2020 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Förderverein St. Sebastian löst sich enttäuscht auf

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Der Frust sitzt tief. Der Förderverein "Rettet St. Sebastian" sieht sich noch gebraucht: Die Innenrenovierung von Weidens Handwerker- und Hochzeitskirche steht noch aus. Aber dem erfolgreichen Verein fehlt plötzlich die Existenzgrundlage.

Die Tür zur Sebastiankirche bleibt nach der Außensanierung geschlossen. Verschlossen ist dem Förderverein "rettet St. Sabastian" auch der Weg zur Innensanierung. Der Verein, der damit seine steuerliche Existenzgrundlage verliert, beschließt deshalb seine Auflösung.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der Ball liegt im Feld der Kirchenverwaltung St. Josef. Doch die ist derzeit nicht bereit mitzuspielen. Sie erklärt durch ihren Vorsitzenden, Stadtpfarrer Markus Schmid, dass es während der laufenden Amtsperiode kein Interesse gebe, die Innensanierung von St. Sebastian anzupacken. Dem Förderverein, der mit überaus engagierten Spendern die Finanzierung der Außensanierung sichern konnte, fehlt damit vor allem steuerrechtlich die Existenzberechtigung, erläuterte Hans Kaltenecker. Bei der außerordentlichen Versammlung beschlossen schließlich 17 der 18 anwesenden Mitglieder die Auflösung des Fördervereins.

Auf Mitgliedsbeiträge verzichtet

Bereits im Jahr 2019 verzichtete der Verein auf die Einhebung der Mitgliedsbeiträge. Auch 2020 wurden die Konten der Mitglieder nicht belastet, berichtete Falk Knies, der auf Bitten des Vorsitzenden Karl Arnold die Versammlung leitete. Obwohl allein dadurch rund 10.000 Euro fehlen, kann der Förderverein derzeit auf ein Guthaben von über 40.000 Euro zurückgreifen, die der Grundstock für die Innensanierung hätten sein können – zumal viele Spender, darunter auch einige Großspender, bereit seien, erneut einen Beitrag zu leisten. Knies dankte den Mitgliedern sowie den zahlreichen Spendern, aber auch den Fördermittelgebern aus München, Regensburg und Weiden für ihr großartiges Engagement.

Liquidation läuft an

Der stellvertretende Vorsitzende beteuerte, dass der Verein bereit gewesen wäre, auch die Innensanierung finanziell großzügig zu unterstützen, "wenn sich Pfarrer Markus Schmid dazu bereit erklärt hätte". Dieser lehne, obwohl er sich für das Fortbestehen des Fördervereins ausgesprochen hatte, jedoch "zum derzeitigen Zeitpunkt eine Renovierung kategorisch ab und stellt sie auch für die Zukunft in Frage". Deshalb hätten sich die Mitglieder der Vorstandschaft für eine Auflösung des Vereins ausgesprochen. Knies stellte den entsprechenden Antrag.

Kirchenverwaltung schweigt

Mit dem Beschluss zur Auflösung befinde sich der Verein ein Jahr lang in Liquidation. Bis dahin existiere er weiter. Die Vorstände Karl Arnold und Falk Knies fungieren als Liquidatoren. Dennoch keimt neue Hoffnung auf: „Sollte sich in nächsten Jahr jemand bereit erklären, den Verein fortzuführen, so wäre dies möglich", erläuterte der Notar im Ruhestand. Das Restvermögen des Vereins dürfe laut Satzung von der Kirchenstiftung St. Josef nur für die Kirche St. Sebastian zweckgebunden verwendet werden. Deshalb werde verfügt, dass dieser Restbetrag nur für eine Innenrenovierung dienen soll.

Die Sprecher des Fördervereins halten mit ihrer Verärgerung nicht zurück

Weiden in der Oberpfalz

Enttäuscht zeigte sich Hans Kaltenecker von der Kirchenverwaltung, die schweige und sich die Chance entgehen lasse, mit Unterstützung des Fördervereins die Innensanierung von St. Sebastian mit einem geringen Eigenanteil stemmen zu können. Kaltenecker zeigte sich zudem überzeugt, dass der Förderverein mit den Fördermittelgebern letztlich die gesamte Innenrenovierung finanziert hätte. Er berichtete ebenfalls, dass es nie unmittelbare Gespräche mit Stadtpfarrer Schmid gab. Schmid habe immer Kirchenpfleger Karl Süß als Ansprechpartner des Vereins genannt. Zugleich fragte er, warum dieses Gremium es so einfach hinnehme, dass die Sebastiankirche bis heute verschlossen bleibt.

Hintergrund:

Nach Sanierung bleibt die Tür zu

Die Argumentationskette, warum die Sebastiankirche geschlossen bleibt, ist durchaus brüchig. Bereits im November entließ die Kirchenverwaltung den für den Schließdienst zuständigen Mesner, weil der Hauptmesner von St. Josef noch zeitliche Kapazitäten hätte. Noch im Winter wurde das automatische Schließsystem ausgeschaltet und der Schlosszylinder ausgetauscht. Denn war es die Coronakrise, dann der Holzwurmbefall, der eine Öffnung verhinderte.

Seit Donnerstag kursiert in Weiden ein Brief, mit dem Generalvikar Michael Fuchs - nach vier Wochen - auf die Bitte eines Weideners reagiert, Bischof Voderholzer solle „helfend eingreifen“, damit sich die Türen von St. Sebastian wieder öffnen. Fuchs schreibt, er habe die Hintergründe mit Pfarrer Markus Schmid klären können. Derzeit sei aus organisatorischen Gründen eine Öffnung nicht möglich, da eine Person fehlt, die ehrenamtlich die Kirche öffnet und schließt. „Hier ist zur Unterstützung ein elektronisches System angedacht, aber es braucht eine zuständige Person. Außerdem muss ein Holzwurmbefall im Innenbereich noch entfernt werden. Das Ziel ist, die Kirche bald wieder zu öffnen, wenigstens im hinteren Bereich, wie dies auch vor der Außenrenovierung der Fall war, so dass Gläubige dort zum Gebet hineingehen können.“ Schmid habe ausdrücklich erklärt, dass er gesprächsbereit sei und einen ehrenamtlichen Mesner suche.

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