08.03.2019 - 16:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flutkanal und Waldnaab aufpeppen: Wasserwirtschaftsamt erneuert Düker

Das Wasserwirtschaftsamt macht ein einzigartiges Millionenprojekt. Die Behörde erneuert den Düker - eine Leitung, mit der die Waldnaab den Flutkanal unterquert. Dazu wird sogar der Flutkanal zeitweise umgeleitet und der Fahrradweg versetzt.

Eine komplexe Baustelle erfordert auch große und viele Pläne. Andreas Ettl und Manfred Schaller (von links) vom Wasserwirtschaftsamt wühlen sich durch die etlichen Pläne, Fotos und Skizzen zum Umbau des Waldnaab-Düker. Bei der Erneuerung des Dükers werden Flutkanal und Waldnaab umgeleitet.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Dass das Projekt kompliziert ist, das erkennen auch Nicht-Experten an dem Berg an Plänen, den Bauoberrat Andreas Ettl und Bauleiter Helmut Schaller benutzen. Immer neue Skizzen, Schnittzeichnungen und Karten ziehen die beiden Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes hervor, um das Projekt zu erläutern. Es geht um den Waldnaab-Düker in Weiden. Auf Höhe der Kläranlage kreuzt die Waldnaab den Flutkanal. Mit Hilfe einer Leitung unterquert die Waldnaab den Flutkanal: das ist der Düker. "Das ist ein bayernweit einmaliges Gewässersystem", sagt Ettl. 1936 wurde der Düker gebaut, jetzt muss er erneuert werden. Denn wenn er zusammenbricht, würde die Waldnaab teilweise trocken gelegt. "Das wäre ein ökologisches Drama", betont Bauleiter Schaller.

Das Wasserwirtschaftsamt will die Betonleitung also erneuern. Sie ist 50 Meter lang, 18 Meter breit und geht unter dem Flutkanal bis zu 9 Meter in die Tiefe. Grob 3 Millionen schätzt die Landesbehörde die Baukosten ein, die zu 100 Prozent der Freistaat zahlt. "Die Baustelle ist komplex und bayernweit einzigartig", erklärt Bauoberrat Ettl.

Mithilfe des Dükers unterquert die Waldnaab den Flutkanal. Für den Neubau muss der Flutkanal umgeleitet werden, damit die Baustelle im Trockenen ist. Auch der Radweg wird verlegt.

Freie Fahrt für Fische

Am Ende soll der Düker auch ökologischer werden. Die Behörde will den Höhenunterschied, mit der die Waldnaab in die Leitung fließt, abflachen. Steinfliegenlarven, schwach schwimmende Fische und Krebse können so die Barriere passieren. Gerade ist der Düker für sie eine Sackgasse. Außerdem wird die Fließgeschwindigkeit der Waldnaab auf 1,5 Meter pro Sekunde verringert, auch das für die Wasserlebewesen.

Für die aufwendige Baustelle zugunsten der Fauna, musste die Flora dran glauben: Etwa 100 Pappeln und andere Gewächse ließ die Behörde auf einer Länge von etwa 150 Metern fällen, damit die Baufahrzeuge dran kommen. Deshalb protestierte der Bund Naturschutz.

Bericht über die Proteste der Naturschutzorganisation

Weiden in der Oberpfalz

Mit der Unteren Naturschutzbehörde habe man jeden Baum dreimal gecheckt, erklärt Schaller. "Uns tut jeder Baum, den wir wegmachen müssen. Das Minimum, das wir brauchen, haben wir gefällt." Außerdem hat die Behörde Ende 2018 eine Gasleitung und eine Telekomleitung verlegen lassen, die im Weg waren. Auch das äußerst komplizierte Projekt. "Das war jedoch nur ein Vorspiel gegenüber dem, was noch kommt", sagt Schaller. Die eigentliche Baustelle beginnt im Sommer 2019 und dauert etwa 1 Jahr.

Flüsse fließen weiter

Die große Herausforderung: Die Flüsse fließen weiter. Die Waldnaab und den Flutkanal kann man nicht einfach so trockenlegen, der Hochwasserschutz muss trotz Baustelle gewährleistet sein. Hier die einzelnen Schritte des Bauvorhabens:

  • Der Flutkanal wird provisorisch verlegt. Nach den Plänen des Wasserwirtschaftsamtes macht er eine kleine Schleife Richtung Südost-Tangente. "Ein zehnjährliches Hochwasser passt da durch", beruhigt Ettl. Der Bereich um den Düker herum wird für die Baustelle trockengelegt.
  • Damit die Weidener weiter ihren geliebten Fahrrad- und Fußwegentlang des Flutkanals benutzen können, wird auch dieser entlang der neuen Flussschleife verlegt und sogar asphaltiert. "Auch deshalb mussten noch ein paar Bäume fallen", merkt Schaller an.
  • Für die Waldnaab gibt es eine provisorische Pumpleitung, die 1 Kubikmeter Wasser pro Sekunde pumpt.
  • Der Düker wird für die Baumaßnahme komplett umrahmt von einem Spundwandkasten. Der 55 mal 20 Meter große Kasten liegt unterirdisch. In diesem riesigen Kasten arbeiten die Baustellenmitarbeiter in 10 Meter Tiefe. Der Spundwandkasten verhindert, dass die Wände einfallen. "Der Kasten ist ihre Ritterrüstung", erklärt der Bauleiter. 10 Meter lange Anker, die wie Dübel in die Erde gebohrt werden, halten den Kasten fest.
  • Der trocken gelegte Bereich des Flutkanals wird teilweise aufgeschüttet für die Baustelle. Dort wird ein Hochbaukran mit großem Ausleger stehen. Damit der seine Runden drehen kann, mussten auch die Bäume auf der Schirmitzer Seite des Flutkanals weg, erklärt der Bauleiter.
  • So eine große Baustelle kommt leider nicht ohne Absperrungenaus. Auf der Seite Richtung Südost-Tangente bzw. Kläranlage wird der Fußweg ja verlegt und bleibt somit erhalten. Die Schirmitzer Seite wird jedoch gesperrt, zwischen Moosbürger Brücke und dem Radweg Richtung Schirmitz. Dort gibt es ein Umleitungsschild, so dass Fahrradfahrer die Sperrung großräumig über Schirmitz umfahren können.
  • Die Baustellenfahrzeuge erreichen den Düker über den Flutkanalweg an der Moosbürger Straße und auf einer Straße entlang des Krebsbaches, die noch errichtet wird. Bauoberrat Ettl bittet darum, der abgesperrten Baustelle fern zu bleiben, denn dort sei es durch Absturzgefahr"lebensgefährlich". Für Neugierige überlegt die Behörde Baustellenbesichtigungen anzubieten.
  • Als Ausgleichsmaßnahme pflanzt die Behörde wieder neue Bäume an, keine Hybridpappeln wie die gerodeten Bäume, sondern ortstypische Gewächse wie Eichen und Weiden.
  • Wer sich für weitere Details der Baustelle interessiert: Von 8. März bis 8. April liegen die Pläne öffentlich im Umweltamt im Neuen Rathaus aus. Wer Einwände gegen das Vorhaben hat, kann diese bis zum 22. April beim Umweltamt vorbringen.
Das "Zuckerl" der Düker-Baustelle: Treppenanlagen:

Wenn der Düker fertig ist und der Flutkanal wieder in geregelten Bahnen fließt, also etwa Mitte 2020, dann wird das Erholungsgebiet zusätzlich aufgewertet. Das Wasserwirtschaftsamt plant etwa fünf Treppenanlagen auf beiden Seiten des Kanals. Über diese können die Leute vom Fußweg bis ans Ufer heruntergehen und auch auf den 10 Meter breiten Treppen am Ufer verweilen.

Diese Stufenanlagen sind ein Muster für diejenigen, die am Flutkanal geplant sind. Rechts und links der Stufen soll die Böschung in Weiden aber bleiben.
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