06.08.2020 - 16:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ferienprogramm in Weiden: "Kinder müssen lachen, spielen, heulen, streiten"

Ein Ferienprogramm der anderen Art bietet der Stadtjugendring Weiden an: Es gilt Mindestabstand, kein Körperkontakt, manche Kurse laufen online als Livestream ab. Kein Vergleich sei das zu sonst, sagt Jugendpfleger Ewald Zenger.

Insgesamt 33 Kinder nehmen an der "Ball Academy" teil, nur 5 davon kommen im Rahmen des Ferienprogramms.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Ewald Zenger, Stadtjugendpfleger und Geschäftsführer des Stadtjugendrings, steht gemeinsam mit Tennis-Trainer Marcelo Matteucci in der Halle des TC Grün-Rot Weiden. Beide beobachten die insgesamt 33 Kinder, die bei der sogenannten "Ball Academy" teilnehmen. "Sie sollen das ABC des Ballsports lernen", erklärt der Trainer. Die Kinder sprinten durch einen Parcours, spielen Basketball, Tennis oder Fußball. Zenger freut sich, sagt er, dass mit dem Ferienprogramm nun wieder etwas Normalität bei den Kindern einkehre. "Das ist ganz wichtig, die müssen doch gemeinsam lachen, spielen, heulen, streiten."

"Nicht das gleiche"

Doch es ist ein Ferienprogramm mit angezogener Handbremse. Und das merkt man auch an der Teilnehmerzahl. Nur fünf Kinder sind für das Ferienprogramm für die "Ball Academy" angemeldet, die anderen sind die, die sowieso von Matteucci trainiert werden. Auffällig sei das, sind sich Stadtjugendpfleger und Trainer einig. Seit elf Jahren ist die "Ball Academy" Teil des Ferienprogramms, doch nie seien die Anmeldungen zögerlicher gewesen.

Es schwingt viel Wehmut mit, wenn Zenger sagt: "Die Kurse heuer sind eben nicht das gleiche wie sonst." Viele Ferienprogramm-Veranstaltungen können coronabedingt nicht stattfinden, zu schwierig wäre es gewesen, den Mindestabstand einzuhalten. Manche Kurse wurden deshalb angepasst. Karate ohne Körperkontakt, zum Beispiel. Wie das gehen soll? Zenger zuckt mit den Schultern. Aber: "Die Kursleiter geben ihr Bestes, sie haben versucht, alles möglich zu machen, um den Kindern ein tolles Programm zu bieten." Die Haltung sei nämlich klar: "Es ist besser, was zu machen, als nix zu machen."

Der Stadtjugendring hat sich einiges einfallen lassen, um trotz der aktuellen Lage ein breites Programm für die Ferien auf die Beine stellen zu können. "Es gibt heuer viele Kurse, die komplett online stattfinden." Die werden beispielsweise via Livestream auf der Facebook-Seite des Stadtjugendrings übertragen. Die Gemeinschaft unter den Kindern und den zwischenmenschlichen Austausch könne das aber nicht ersetzen, sagt Jugendpfleger Zenger.

Sandra Keil kocht am Donnerstag ein Drei-Gänge-Menü. Das Video wird live auf Facebook übertragen und steht dort auch danach zur Verfügung.

Das zeigen auch die Aufrufzahlen. Bei der Online-Veranstaltung "Dinner for you", in der Köchin Sandra Keil am Mittwoch und Donnerstag vor der Kamera in der Küche im Jugendzentrum Weiden kocht, schauen nur wenige Leute zu. Die Veranstaltung am Mittwoch hat 46 Aufrufe, das Video am Donnerstag gerade einmal zwei Zuschauer.

Froh über Abwechslung

Die Kinder schätzen vor allem den persönlichen Austausch, sind froh über die Abwechslung. So auch Maria Breinbauer (10) und Jakob Dexheimer (7). Beide sind in diesem Jahr schon zum zweiten Mal bei der "Ball Academy" dabei, Online-Kurse interessieren sie nicht so, wie sie sagen. "Es ist einfach schön, nicht mehr ständig nur zu Hause rumzuhängen", sagt die Weidenerin bei einer kurzen Pause am Spielfeldrand, etwas außer Atem. Sie findet den Kurs "schön", achte auf genug Abstand während der Spieleinheiten. "Ich merke keinen Unterschied zum Kurs im Vorjahr."

Jakob spielt in seiner Freizeit normalerweise Fußball und Handball, doch seine Trainingseinheiten seien wegen Corona ausgefallen. Auf dem Feld während der Ball Academy spielt er zwischen den größeren Kindern, weil er so gut ist, wie Trainer Matteucci sagt. Jakob ist flink, hält mit den anderen Kindern gut mit, obwohl er zwei Köpfe kleiner ist. Gefehlt haben ihm die Sporteinheiten zuletzt, "schlecht" findet er das. Aber: "Den Kurs hier finde ich sehr schön", sagt er und lächelt.

"Vorher", sagt Stadtjugendpfleger Zenger, "hätte ich gewettet, dass die Leute uns die Bude einrennen." Doch wegen Corona seien die Eltern "eher zurückhaltend" gewesen bei den Anmeldungen. Keine Überraschung sei das, sagt Zenger. Ein wenig wundert es ihn aber trotzdem. "Gerade jetzt, wo viele Familien eng beieinander sein mussten, dachte ich, dass das Ferienprogramm eine gute Abwechslung bieten würde."

Dafür erhalte er allerdings von den Eltern der angemeldeten Kindern durchwegs positive Resonanz. "Die sind alle sehr happy." Denn die Kinder, sagt Zenger, brauchen Beschäftigung, Bewegung, Abwechslung. "Sie brauchen einfach wieder ein Stück weit Normalität."

Hintergrund:

Weniger Anmeldungen

"Insgesamt wird heuer die Ferienaktion deutlich weniger genutzt als sonst. Das ist keine Überraschung, aber dennoch schade." Diese Bilanz zieht Jugendpfleger Ewald Zenger zum diesjährigen Weidener Ferienprogramm. Insgesamt 450 Kinder haben sich letztes Jahr angemeldet. "Etliche davon" seien bei mehreren Kursen gewesen. In diesem Jahr waren es nur 311 Anmeldungen. In den Vorjahren habe es auch Veranstaltungen ohne Anmeldungen gegeben, wie Filmabende. Somit hätte es insgesamt konstant über 2000 Teilnehmer gegeben. Diese Zahl werde man heuer nicht erreichen.

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