28.04.2021 - 15:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Expansion steht der Stadt gut: Witt baut in Weiden weiter aus

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Zynisch formuliert, könnte man fast glauben, so eine Pandemie sei eine feine Sache. Denn mitten in der Corona-Katastrophe schafft die Witt-Gruppe die magische Umsatzmarke von einer Milliarde Euro. Gut für Weiden.

55 Millionen Euro investiert die Witt-Gruppe derzeit in ihre Logistik am Brandweiher. Das neue Warenverteilzentrum (WVZ) IV will das Unternehmen im Frühjahr 2022 in Betrieb nehmen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Unterschätze keiner die Frau über 50, auch wenn sie etwas traditioneller gelagert sein sollte. Sie findet sich mittlerweile hervorragend im Internet zurecht, so dass die Witt-Gruppe alles tut, damit das nicht nur so bleibt, sondern sogar noch mehr wird. 385 Millionen Euro oder 35 Prozent vom Gesamtumsatz von 1,092 Milliarden Euro gehen auf die Online-Geschäfte des Unternehmens zurück, erklärt E-Commerce-Bereichsleiterin Melanie Plank bei der Vorstellung der Geschäftszahlen 2020/21.

Das hat zur Folge, dass Witt im Industriegebiet Brandweiher weiter ausbaut. Seit 2008 haben die Wäsche- und Modespezialisten in das Versandzentrum im Weidener Westen 155 Millionen Euro investiert. Und es wird noch erweitert. "Wir sind einer der modernsten Textillogistiker überhaupt", unterstreicht Wolfgang Jess, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Das hängt auch damit zusammen, dass die Integration des Heine-Versands, die mit der Übernahme 2019 begann, im September abgeschlossen sein soll. Ab dann wird Heine-Ware komplett von Weiden aus ins Bundesgebiet, nach Österreich, in die Schweiz und die Niederlande verschickt. 1100 der insgesamt 3500 Mitarbeiter kümmern sich am Brandweiher um den Versand.

West IV nie ein Thema

Geht es so weiter, werden es bald noch mehr. Zuletzt wuchs das Unternehmen im Schnitt um rund 100 neue Kollegen pro Jahr. Noch ist am Brandweiher Platz für Expansionspläne. Augenzwinkernd schränkt Jess jedoch ein: "Für die nächste Milliarde reicht es dort nicht mehr." Dennoch: Eine Erweiterung in Richtung eines möglichen Gewerbegebiets West IV habe in der Führungsetage keine Rolle gespielt.

Selbst dort, wo es vielleicht nicht erwartet wird, läuft es halbwegs bei Witt - in den 120 Filialen. Ihr Vorbild ist der Flagship-Store in der Wörth-Straße mit 200 bis 250 Metern Verkaufsfläche. Jess ist zuversichtlich, alle Läden samt ihrer 600 Mitarbeiter zu halten.

Die Witt-Kundinnen sind eben treu, selbst wenn ein Lockdown nach dem anderen das Shoppingerlebnis trübt. Damit diese Gruppe größer wird, trimmt Witt seine Karlsruher Tochter Heine stärker auf die Zielgruppe 50 plus. "Aber im sehr modischen Bereich", unterstreicht Jess. Dabei spielt den Textilspezialisten die Demografie in die Hände. Die Babyboomer haben das Witt-Kundenalter erreicht. "Deren Kleidungsstil orientiert sich viel mehr an den jüngeren Menschen, als das in früheren Generationen noch der Fall war", sagt der Geschäftsführer.

Solche Trends zu beobachten und rechtzeitig zu erkennen, soll die Weidener vor Turbulenzen schützen, in die Karstadt-Kaufhof, Gerry Weber oder Adler geraten sind. Das geht nur mit gutem Personal. Um es zu bekommen, hält das Unternehmen engen Kontakt zur OTH Amberg-Weiden und zur Uni Regensburg. Häufig mache man das Unternehmen und die Stadt jungen Leuten über Praktika schmackhaft. Dabei würden vor allem die E-Commerce-Aktivitäten überzeugend wirken.

Eigener Dienstleister fürs Impfen

Um Beschäftigte bei Laune zu halten, hat Witt überdies das Kurzarbeitergeld aufgestockt und den Verkäuferinnen in den Filialen 300 Euro Sonderprämie gezahlt. Versandmitarbeiter bekommen zweimal die Woche einen Corona-Schnelltest. 80 Prozent des Verwaltungspersonals arbeiten im Homeoffice. Das alles half, um möglichst ungeschoren durch die Pandemie zu kommen. Mit der Konzern-Mutter Otto wird ferner eine Impfstrategie entwickelt. Es stehe bereits ein Dienstleister fest, der an allen Standorten Impfangebote mache, sobald dies möglich sei.

All dies soll Grund für eine Jubelfeier der Belegschaft im Juli sein, wenn auch nur eine virtuelle. Dafür ist sie mit einer Tombola verbunden, die mit Preisen im Wert von 40000 Euro bestückt ist. Auch das Klima soll jenseits von Gewerbesteuern etwas vom Milliardenkuchen der Wittianer abhaben. Das Unternehmen schließt sich der Weidener Aktion von "Stadtradeln" an.

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"Der Kleidungsstil der Babyboomer orientiert sich viel mehr an den jüngeren Menschen, als das in früheren Generationen noch der Fall war."

Wolfgang Jess, Vorsitzender der Witt-Geschäftsführung

Wolfgang Jess, Vorsitzender der Witt-Geschäftsführung

 

 

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