21.06.2021 - 14:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erster Kulturstammtisch: Weidener Bahnhof als "Schandfleck"

Überall hapert's am Weidener Bahnhof: Beim Durchstich, bei der Barrierefreiheit und bei der Sanierung brachliegender Flächen. Das macht die Diskussion beim ersten Kulturstammtisch zum Thema „Neues Quartier Bahnstadt Weiden“ allzu deutlich.

Könnte alles besser sein, wenn die Bahn nur mitspielen würde? Wolfgang Herzer hätte da Möglichkeiten parat.
von Helmut KunzProfil

Der Bahnhof von Regensburg, ja sogar der von Reuth bei Erbendorf könne barrierefrei, erklärte Carolin Schiml vom Bund Naturschutz. „Warum kann Weiden das nicht?“ Diese Frage von Ingo Kraus war durchaus berechtigt. Selbst Oberbürgermeister Jens Meyer findet es skandalös. „Es liegt nicht an der Stadt, es liegt an der Bahn“, sagte er am Samstag bei der ersten Ausgabe des „Kulturstammtischs" im „Parapluie“. „Es gab unzählige Versuche, in Weiden tut sich nichts.“ Auch nicht beim Durchstich und bei der Sanierung der brachliegenden Flächen.

Wolfgang Herzer wisse, wie man das ändern kann. Druck aufbauen. „Das Areal ist ein Herzstück der Stadt, das im akuten Zustand leider nicht wie ein gesundes Herz wirkt und einen eher lähmenden Charakter hat.“ Das System könnte funktionieren, wenn die Stadt aktiver an die Sache herangehen würde. „Es macht doch keinen Sinn, wenn man weiß, dass die Bahn kein wirkliches Interesse daran hat, die Sache übers Knie zu brechen. Man müsste massiver dagegen vorgehen.“

Wenn man schon ständig mit seinen Wünschen abblitze, sollte man neue Wege suchen. „Die Bahn wäre etwas beeindruckter, wenn man hier in Weiden eine Bewegung starten würde, wo die Weidener sagen würden: Uns reicht es. Wir wollen die Stadt entwickelt und die Bahn stellt sich uns in den Weg.“

Ferner sollte man mal überdenken, ob diese Hinterlassenschaften der Bahn nicht gegen das Umweltrecht verstoßen würden. „Man könnte die Bahn ja auch verklagen. Das sind Gedanken, die man vielleicht anfangen sollte, zu denken.“ Eigentlich war mit Katharina Huckfeldt, Leiterin Region Süd, eine Vertreterin der Deutschen Bahn aufs Podium geladen. Die hatte aber kurzfristig abgesagt.

Das Thema lautete „Neues Quartier Bahnstadt Weiden“. Oberbürgermeister Meyer sprach von einer Ortsteil-Bürgerversammlung. „Mich freut, dass sich die Bürger genau mit den Themen einbringen, die uns auch als Stadt beschäftigen.“ Der Durchstich vom Lerchenfeld zum Bahnhof sei ein jahrzehntelanger Wunsch der Stadtpolitik. Ebenso die Renaturalisierung des Lockschuppens. „Hier könnte ein Ökosystem geschaffen werden im Einklang mit einer möglicherweise neuartigen Nutzung des brachliegenden Areals.“

Der Rathauschef weiter: „Die Bahn bittet um Verständnis, dass sie im Moment wenig definitive Aussagen geben kann. Die sind beschäftigt mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke und mit der Planung der Barrierefreiheit des Bahnhofs. Diese Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Deshalb kann keiner sagen, ob man auf dieses oder jenes Gleis oder Hektar Fläche verzichten kann." Thematisiert wurde auch ein angedachter "Park & Ride"-Parkplatz Hinter der Bahn. Sabine Mende forderte Tiefgaragen unter jedem neugebauten, mehrgeschossigen Gebäude. Momentan werde alles noch zugeparkt und mache die Nutzung von Radwegen unsicher.

Der Bund Naturschutz forderte neben einem Durchstich vor allem Radwege. Und zwar, wie Schiml betonte, entlang der Gleisstrecke gegenüber dem Bahnhof. Das Birkenwäldchen eigne sich als Parkanlage. Auf lange Sicht würde sich hier ein Kulturzentrum anbieten. Anwohner Roland Jezussek – „ich wohne in der Einflugschneise dieses geplanten Durchstichs“ – wollte wissen, ob eine Verwirklichung des Durchstichs das Verkehrsaufkommen zusätzlich belaste. „Denn dann wird’s hier eng.“ Heute schon würden Bahnmitarbeiter sehr viel Müll hinterlassen. Wie hoch werde erst das Müllaufkommen erst dann sein, wenn Passanten einen eventuellen Durchstich nutzten. „Der Rangierbahnhof könnte schöner gemacht werden."

Das fand auch Joachim Lehmann. "Früher war der Bahnhof das Aushängeschild der Stadt. Heute ist er ein Schandfleck." Und da pflichtete Meyer bei. "Die Bahnhofsstraße war mal die Flaniermeile schlechthin. Wir wollten mal den Vorhof zum Bahnhof kaufen und umgestalten. Aber die Bahn hat da nicht mitgespielt." Alle bisherigen Planungen seien nicht umsonst gewesen, erklärt Stadtplanerin Jana Janota, die alle "Knackpunkte" beleuchtet. "Wir erkennen sehr große Entwicklungsmöglichkeiten." Auch beim Durchstich, der natürlich Fußgängern und Radfahrern sowie der Stadtpolitik zugute kommen würde. In der Stadt favorisiere man eine Zurücknahme des motorisierten Verkehrs. Auch für den Mittelteil des Durchstichs gebe es schon Pläne: "Hier könnte man sich eine kulturelle Begegnungsstätte gut vorstellen." Eingerahmt wurde das Forum ins Kabarettprogramm "da oide Schlog".

Unterwegs auf dem "Stadtökologischen Lehrpfad"

Weiden in der Oberpfalz
"Luja sog i": Während andere der deutschen Mannschaft die Daumen drücken, diskutieren (von links) Anwohner Roland Jezussek, Oberbürgermeister Jens Meyer, Stadtplanerin Jana Janota, Carolin Schiml vom Bund Naturschutz und Wirtin Sabine Mende über die Zukunft des Bahnareals.
Wolfgang Herzer (Dritter von rechts) glaubt, dass man mehr öffentlichen Druck ausüben müsste auf die Bahn.
Während andere der deutschen Mannschaft die Daumen drücken, diskutieren (von links) Anwohner Roland Jezussek, Oberbürgermeister Jens Meyer, Stadtplanerin Jana Janota, Carolin Schiml vom Bund Naturschutz und Wirtin Sabine Mende über die Zukunft des Bahnareals.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.