30.12.2020 - 17:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das erste Mal in 75 Jahren: Kein Neujahrsanblasen vom Michaelsturm in Weiden

Christian Stahl bläst seit 22 Jahren in der Silvesternacht vom Turm der Michaelskirche das neue Jahr an. 2020 bleibt es in Corona-Pandemie erstmals still. Wir fragten den ehrenamtlichen Türmer, wie sich das anfühlt.

Türmer Christian Stahl bläst seit Jahren in der Silvesternacht das neue Jahr vom Michaelsturm an. Corona-Pandemie und Ausgangssperre lassen diese Tradition in diesem Jahr nicht zu.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

ONETZ: Kein Neujahrsanblasen zu Silvester. Fehlt Ihnen da nicht etwas?

Christian Stahl: Ich bin schon sehr traurig, dass es nicht stattfindet. Ich mache das nun seit 1998, seit ich Mesner von St. Michael wurde, anfangs noch gemeinsam mit dem Posaunenchor. Aber das ist nunmal Corona und der Ausgangssperre geschuldet, da kann man nichts machen. Wenn es keine Böller und kein Feuerwerk gibt, dann braucht es auch keine Feuerwache.

ONETZ: Seit wann gibt es diese Tradition?

Christian Stahl: Der Türmer von Weiden wacht seit über 400 Jahren über die Sicherheit der Stadt und warnte früher bei Bränden mit einem Feuersignal die Bürger. Zumindest in der Silvesternacht hat die Tradition der Feuerwache mit Anblasen auch in neuerer Zeit noch eine Bedeutung. Ich blase Choräle (z. B. "Großer Gott wir loben dich") zur Begrüßung und zum Segen des neuen Jahrs. Mein Einsatz kommt normalerweise nach dem Ende des großen Glockengeläuts.

ONETZ: Ist das Neujahrsanblasen schon mal ausgefallen?

Christian Stahl: In den vergangenen 75 Jahren kein einziges Mal. Unterbrechungen gab es nur während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Im Herbst 1945 nahm dann der evangelische Posaunenchor die ersten Proben wieder auf . Und seitdem gibt es auch wieder diese Silvestertradition. Schon mein Großvater und mein Vater spielten damals Trompete und Waldhorn auf der Empore. Ich führe die Tradition in der Familie fort.

Weiden von oben: "360 Grad"-Rundumblick von St. Michael

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