13.08.2020 - 17:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erste Hilfe für die Gastronomie: Neustadt setzt ein Zeichen

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Eine Geste mit Symbolcharakter: Neustadt erlässt den Gastronomen heuer die Gebühren für Tische und Stühle im Freien. Doch wie sieht es in Weiden, Eschenbach und Vohenstrauß aus? Können die Wirte auch dort auf Unterstützung hoffen?

Neustadt erlässt den Gastronomen die Gebühren für die Außenbestuhlung. Doch die Stadt Weiden bleibt hart: Hier werden die Wirte weiter zur Kasse gebeten.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Zuerst kam der Lockdown, dann keine Kunden: Die Gastronomie in der Region startete holprig in die Sommersaison. Um die Wirte zu entlasten, entschied die Stadt Neustadt unlängst: Für dieses Jahr werden keine Gebühren für Tische und Stühle im Freien erhoben. Normalerweise zahlen die Wirte dort pauschal 50 Euro bis 50 Quadratmeter und 100 Euro bis 100 Quadratmeter pro Jahr.

Neustadt: Keine Gebühren

Bürgermeister Sebastian Dippold ist sich bewusst, dass die Entscheidung monetär nicht viel für die Wirte bedeutet: "Das hat eher symbolischen Charakter. Die Geste steht hier über der Summe." Vorerst gilt die Regelung bis Ende des Jahres. Doch Dippold lässt anklingen: "Wenn sich nichts ändert, wird es im nächsten Jahr eventuell auch so sein. Es ist ja nichts gewonnen, wenn die Betriebe kaputt gehen, während wir auf unsere Gebühren bestehen."

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Weiden: Normale Gebühren

Während sich die Neustädter freuen, sorgen die Gebühren in Weiden für Ärger. Ein Weidener Gastronom konnte es nicht fassen, als er vor wenigen Tagen seinen Gebührenbescheid im Postkasten hatte: "Das ist eine Sauerei." Tatsächlich plant die Stadt aktuell keine Aussetzung der Kosten, wie Pressesprecher Norbert Schmieglitz auf Anfrage bestätigt. Besonders ärgert den Gastronom, der seinen Namen online nicht lesen will, dass eine Kostenreduzierung während des Wahlkampfs bei fast allen Parteien ein Thema gewesen sei.

Doch nun passiere einfach nichts. "Es gab nicht mal eine Anfrage vom Stadtrat an die Dezernenten." Einerseits fehle es zwar an Engagement aus der Gastro-Szene vor Ort, andererseits wären aber auch die Stadträte auf persönliche Bitten hin tatenlos geblieben. "Das ist politisch nicht gewollt", ist sich der Lokalbetreiber sicher.

Die Kosten für die Außenbestuhlung betragen in der Stadt Weiden derzeit drei Euro pro Quadratmeter im Monat. Pro Jahr kommt da im Normalfall leicht ein vierstelliger Betrag zusammen. Im Moment sei die Stadt an die Satzungen gebunden, Stundungen seien jedoch möglich, erklärt Schmieglitz.

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Bislang wurde die örtliche Gastronomie durch Landes- und Bundesprogramme unterstützt. Der Weidener Gastronom bezeichnet das nur als "aktive Sterbehilfe". Von der Stadt komme viel zu wenig Engagement für die örtliche Gastronomie in dieser schweren Zeit. Auf Nachfrage zu weiteren Hilfen für die Gastronomie verwies die Stadt darauf, dass es keine einheitlichen Regelungen gebe.

Eschenbach: Keine Gebühren

Im Gegensatz zu Weiden und Neustadt hat die Stadt Eschenbach bisher generell auf Gebühren verzichtet. Eine Satzung diesbezüglich gebe es überhaupt nicht, heißt es aus dem Rathaus.

Vohenstrauß: Erleichterungen

In Vohenstrauß seien von möglichen Kosten der Außenbestuhlung ohnehin nur drei, vier Gastronomen betroffen, erklärt Thomas Herrmann aus der Verwaltung. Grundsätzlich lässt sich die Stadt bei den Kosten für die Bestuhlung im Freien nicht gern in die Karten schauen. Herrmann verrät aber: "Aktuelle Erweiterungen der Außenbestuhlung haben wir gebührenfrei auf kurzem Dienstweg umgesetzt."

Grafenwöhr: Gutscheinaktion

In der Stadt Grafenwöhr gibt es aktuell keine Pläne die Gebühren für die Außenbestuhlung auszusetzen, dafür gebe es laut Bürgermeister Edgar Knobloch keinen Bedarf. Knobloch weiß um die Bedeutung der Außengastronomie: "Ich komme meinen Gastronomen immer entgegen. Die Gebühren möchten wir absichtlich sehr gering halten, weil dadurch die Stadt belebt wird." In der Coronazeit gab es außerdem Infobriefe an die Bevölkerung aus dem Rathaus. Dort dabei: Ein Gewinnspiel mit Gutscheinaktion für die örtlichen Lokale. "Damit wollten wir schon im Vorfeld die Gastronomie unterstützen und dafür sorgen, dass die Leute auch wieder in die Gasthäuser gehen."

Neustadt erlässt den Gastronomen die Gebühren für die Außenbestuhlung. Doch die Stadt Weiden bleibt hart: Hier werden die Wirte weiter zur Kasse gebeten.
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Wenn der Genuss geht

Was ist das Herz einer Stadt wert, wenn kein Blut pulsiert? Ein „Geschlossen“-Schild baumelt hinter der Glastür einer Pizzeria. Die Italiener sind nur im Urlaub. Doch was, wenn viele Wirte wegen der Corona-Krise für immer schließen müssen? Ein Horrorszenario: Es ist still in der Stadt. Niemand lacht lauthals in einem Café. Keine Kinder, die mit einem Eis umherrennen. Kein Geplauder. Keine lauen Sommerabende voller Trubel. Wenn der Genuss geht, bleibt nur der Konsum. Das pure Erledigen von Notwendigkeiten. Möglichkeiten zur kulinarischen Alltagsflucht verschwänden im Corona-Sog. Neben finanzieller Unterstützung brauchen die Gastronomen vor allem eine Lobby, die ihnen den Rücken stärkt. Auch im Stadtrat. Eine pulsierende Innenstadt ist keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht wird das auch den Verantwortlichen in Weiden bei ihrem nächsten Kaffee vor Ort bewusst.

Kathrin Moch

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