14.10.2021 - 14:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Woher die Erkältungswelle an Schulen und Kindergärten kommt

Zunehmend bleiben die Plätze der Klassenzimmer und der Kita-Morgenkreise in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN leer. Weidener Kinderärzte erklären, warum die Erkältungswelle dieses Jahr so früh und so heftig eintritt.

Eine Erkältungswelle überrollt derzeit Weidener Kinder und Jugendliche.
von Kira LorenzProfil

Schnupfen, Husten, Fieber: Die Kinder in Weiden und im Landkreis Neustadt scheinen gerade nahezu alles mitzunehmen. Mit Corona hat das nichts zu tun. In Schulen und Kindergärten wird regelmäßig getestet. Aber was ist das dann?

Noch keine Influenza

Diplom-Kinderarzt Egbert Leonhardt aus Weiden erklärt: "Noch haben wir kaum Grippefälle, die kommen noch." Das, was jetzt umgeht und was viele umgangssprachlich als Grippe bezeichnen, sei eigentlich ein simpler Atemwegsinfekt. Die eigentliche Grippe, die Influenza, wird dagegen von den Influenzaviren ausgelöst. Weil man auch hier mit mehr Ansteckungen als gewöhnlich rechnet, empfehlen die Ärzte die Grippeimpfung, insbesondere für Risikopatienten.

Nachholeffekt

Doch warum sind plötzlich, außergewöhnlich früh im Jahr, so viele Kinder krank? Grund sind die wieder geöffneten Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen, da sind sich die Mediziner einig. Jetzt träte ein Nachholeffekt ein, weil die Krankheiten, die sich vergangenes Jahr nicht verbreiten konnten, nun wieder freie Bahn hätten. So sagt etwa Dr. Barbara Herrmann, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in Weiden: "Da letztes Jahr die Infektwelle ausgeblieben ist, haben die Kinder ihr Immunsystem nicht darauf trainieren können." Besonders jüngere Kinder holten die verpassten Infektionen jetzt nach. Gut überstanden haben diese laut Kinderarzt Leonhardt aber durchaus einen positiven Effekt auf das Abwehrsystem. Kollege Dr. Roland Renz aus Weiden rät deshalb davon ab, Kinder mit sehr milden Symptomen zum Arzt zu bringen. Die Praxen wären jetzt schon durch unnötige Coronatests überfordert und das wäre erst der Anfang der Welle.

Keine Angst vor Corona

Laut Dr. Herrmann haben die Eltern jedoch kaum Angst, dass ihr Kind mit Corona infiziert sein könne. Sicherheit geben hier die regelmäßigen Tests in Schulen und Kindergärten sowie die geringen Infektionszahlen bei Kindern. In Dr. Herrmanns Praxis etwa gab es seit August nur einen einzigen Fall, in dem das Ergebnis positiv war. Auch Dr. Renz erklärt, in den vergangenen vier Monaten 300 bis 400 Tests gemacht zu haben. Alle seien sie negativ ausgegangen. Oftmals wären die Schnelltests nur reine Formalität, damit Kinder mit milden Erkältungssymptomen wieder in die Kita gehen dürfen.

"Man muss da jetzt einfach durch"

Trotz der vielen Krankheitsfälle aktuell lobt Leonhardt die Schulen in Weiden und dem Landkreis Neustadt: Hier achte man sehr genau auf Hygiene. Eine Verbreitung von Krankheiten könne man nur komplett verhindern, indem jeder wieder zuhause bliebe, und das sei weder realistisch noch gewollt. Deshalb meint auch Dr. Herrmann: "Man muss da jetzt einfach durch." Nächstes Jahr werde die Erkältungswelle bestimmt wieder kleiner ausfallen.

Corona und Grippe: Ärzte empfehlen Impfungen mit zeitlichem Abstand

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Was tun gegen die Erkältungswelle?

  • Gesunde Ernährung
  • Frische Luft und regelmäßig Lüften
  • Gründlich die Hände waschen
  • Mund-Nase-Schutz weiterhin (ordentlich) tragen
  • Grippeimpfung wahrnehmen

 

 

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