27.11.2020 - 15:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Elly Heuss-Knapp: Auch ohne Doppelnamen ein Vorbild

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Ende der 60er Jahre soll das Städtische Gymnasium für Mädchen in Weiden einen neuen Namen bekommen. Einstimmig beschließt der Stadtrat am 22. April 1969, dass die Schule künftig Elly-Heuss-Gymnasium heißen soll. Doch richtig ist das nicht.

Die Schülerinnen eines Kunstprojekts verewigten die Namensgeberin ihrer Schule an der Wand: Elly Heuss-Knapp.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Vor 51 Jahren bekam das Elly-Heuss-Gymnasium Weiden seinen Namen. Im Sitzungsprotokoll des Weidener Stadtrats vom 22. April 1969 ist unter dem Punkt "Sonstiges" nachzulesen, dass das Gremium einstimmig mit 21:0 dem Vorschlag des Schulforums gefolgt ist. Doch die Namensgeberin hieß nicht Elly Heuss, sie hatte sich nach ihrer Hochzeit 1908 mit Theodor Heuss für den Doppelnamen Elly Heuss-Knapp entschieden.

Zu diesem Thema erreichte die Redaktion vor wenigen Tagen eine Zuschrift von Elisabeth Hammer-Butzkamm. Sie ist selbst Lehrerin, ehemalige Elly-Schülerin und trägt einen Doppelnamen. Hammer-Butzkamm findet es schade, dass der Name der engagierten und mutigen Elly Heuss-Knapp nicht komplett berücksichtigt wurde. "Ich habe im Jahr 2000 Abitur geschrieben und habe mir zu meiner Schulzeit schon Gedanken gemacht, warum der Doppelname fehlt", sagt sie.

Die Pädagogin, die an den Mittelschulen in Windischeschenbach und Erbendorf Religion unterrichtet, interessiert sich schon lange für die Persönlichkeit von Elly Heuss-Knapp. "Sie ist ein sehr gutes Vorbild, nicht nur für die Schülerinnen des Gymnasiums", sagt Hammer-Butzkamm. "Sie war emanzipiert, aber auf ihre Weise sehr feminin, hatte ein eigenes Denken und eine Spiritualität."

"Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium" ist ein sperriger Begriff, der getrennt durch drei Bindestriche nicht wirklich leicht von der Zunge geht. Ob sich das die Mitglieder des Schulforums 1969 ebenfalls gedacht haben, kann auch der aktuelle Direktor Reinhard Hauer nicht sagen. Dem Forum gehörte damals die stellvertretende Schulleiterin Maria-Antonie Lienen an, die im ersten Jahresbericht des "Ellys" 1969/70 auf drei Seiten leidenschaftlich über das Leben und Wirken von Elly Heuss-Knapp (übrigens in richtiger Schreibweise) berichtet. Auch ein ganzseitige Foto von der Namensgeberin ist abgebildet.

Mangelnden Respekt kann man den damaligen Entscheidungsträgern sicher nicht vorwerfen. Stadtarchivarin Petra Vorsatz vermutet, dass es in den späten 1960er Jahren einfach kein Bewusstsein für die Bedeutung eines Doppelnamens gegeben habe. Direktor Hauer schließt sich dieser Meinung an. An eine Änderung des Namens denkt er momentan nicht. "Wir sind ganz zufrieden mit unserem Elly und haben zurzeit wahrlich andere Probleme", sagt er.

Schülerinnen verewigen Elly Heuss-Knapp

Weiden in der Oberpfalz

Die Ideale und Ideen von Elly Heuss-Knapp, einer Frau, die vor 140 Jahren geboren wurde, sind heute immer noch aktuell. Sie kämpfte für soziale Reformen und die Emanzipation der Frau. In der Schule ist Elly Heuss-Knapp allgegenwärtig. Die Schülerinnen eines Kunstprojekts unter der Leitung von Ramona Gilch verewigten die Namensgeberin ihres Gymnasiums, indem sie ein Portrait der jungen Elly Heuss-Knapp mit Hilfe von 36 aussagekräftigen Worten an die Wand malten. Die Schülerinnen verstärkten die Begriffe wie Freiheit, Frauenwahlrecht, Bildung, Vorbild und Alleskönnerin mit Adjektiven wie engagiert, stark, mutig, klug, selbstbewusst und kreativ.

Immer wieder gibt es in dem Mädchengymnasium Aktionen, die Elly Heuss-Knapp in den Mittelpunkt stellen. 2019 wurde im Sommer eine interaktive Ausstellung „Demokratie als Lebensform, was Frauen stark macht am Beispiel von Elly Heuss-Knapp“ eröffnet. Im März diesen Jahres wurde ein weitere Wand bemalt. Kunstlehrer Markus Raab erstellte ein 1,85 mal 4,10 Meter großes Graffito von Elly Heuss-Knapp.

Das große Engagement will Elisabeth Hammer-Butzkamm dem "Elly" gar nicht absprechen. "Auch zu meiner Schulzeit gab es immer wieder tolle Aktionen." Die Religionslehrerin hofft dennoch, dass sich das Gymnasium irgendwann durchringen kann, den Namen zu erweitern. "Einfach den Schriftzug zu ändern, wäre doch keine große Sache", meint sie.

Hintergrund:

Zur Person Elly Heuss-Knapp: ein Allroundtalent

Elly Knapp, geboren am 25. Januar 1881 in Straßburg, war schon als junges Mädchen beeindruckt von der liberalen Politik des evangelischen Theologen Friedrich Naumann, die sie sicher prägte. Mit 18 wurde sie Lehrerin, mit 20 gründete sie eine eigene Schule. Dann ging sie an die Uni, studierte Volkswirtschaftslehre in Freiburg und Berlin. Elly Knapp hielt politische Vorträge und ermutigte Frauen von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Es war ihr auch ein Anliegen, dass arme Schulkinder eine warme Mahlzeit am Tag bekamen. 1908 heiratet Elly Knapp den Journalisten Theodor Heuss, den späteren Bundespräsidenten. Als die Nazis ihrem Mann zwangen seine Lehrtätigkeit an der Uni aufzugeben, suchte Elly Heuss-Knapp kurzer Hand eine andere Möglichkeit, die Familie zu ernähren. Elly machte erfolgreich Radiowerbung für Kaffee, Waschmittel, Gesichtscreme und vieles mehr und gilt als Erfinderin des Werbejingles. Nach dem Krieg saß sie als Abgeordnete im Landtag in Würtemberg. 1950 gründete Elly Heuss-Knapp mit Antonie Nopitsch das Müttergenesungswerk, das heute noch aktiv ist und unter der Schirmherrschaft der aktuellen Ehefrau des Bundespräsidenten steht. Dass sie 1949 auch noch die erste "First Lady" der Bundesrepublik wurde, geht fast unter. 1952 starb Elly Heuss-Knapp mit 71 Jahren im Universitätsklinikum Bonn an einem Herzleiden.

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