18.06.2020 - 15:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Elektrifizierung bis Regensburg: Lärmschutz Thema Nummer eins

Dass die Elektrifizierung der Bahnstrecke den Schlaf stören könnte, ist das am häufigsten geäußerte Anliegen bei einer Online-Bürgerinfo der Deutschen Bahn. Immerhin wird sich die Zahl der Güterzüge verzehnfachen.

Leere Gleise gehören bald der Vergangenheit an. Die Zahl der Güterzüge auf den Strecken in der Oberpfalz soll zunehmen.
von Gabi EichlProfil

Seit Wochenbeginn informiert die Deutsche Bahn bei Live-Streams im Netz - die sonst üblichen Veranstaltungen vor Ort sind wegen der Pandemie nicht möglich - über die geplante Elektrifizierung im Raum Nordostbayern. Am Mittwochabend stand die Linie Hof-Regensburg im Fokus. Den Worten Horst Leißners zufolge, Projektleiter für den Abschnitt von Marktredwitz bis Regensburg, ist man in dem Abschnitt erst in der Grundlagenplanung, also ganz am Anfang des Planverfahrens, das sich bei Projekten dieser Größenordnung in aller Regel über etwa zehn Jahre hinzieht.

Piech: "Optimierungen sind möglich"

Martin Piech von DB Energie erläutert, wie der Strom zur Lok kommt; Strom, den die Bahn selbst erzeugt, für den sie aber in dem Abschnitt keine Leitungs-Infrastruktur hat. Und das bedeutet einen massiven Ausbau von Leitungen. Der aktuelle Leitungsentwurf für die mehr als 200 Kilometer kann auf den Seiten der Bahn bis in die Detailplanung angesehen werden (www.bahnausbau-nordostbayern.de/leitungsentwurf.html). Piech sagt klar, man möge sich diesen Entwurf ansehen und mit der Bahn diskutieren: „Sagen Sie uns, wo es irgendwo knirscht, wo Sie bessere Alternativen für uns haben oder wo die Planer etwas übersehen haben.“ Im Idealfall könne man dann im kommenden Jahr mit einem optimal gestalteten Entwurf in das Raumordnungsverfahren gehen.

Die nördlichste Einspeisung ist unmittelbar bei Wiesau vorgesehen mit einem Unterwerk, also einem Umspannwerk für Bahnstrom, von dort aus orientiert sich die Leitung dann an der A 93. In Höhe Windischeschenbach gibt es derzeit noch zwei alternative Korridore, während sich die Leitung um Weiden herum an die kV-Leitung des Ostbayernrings anhängt, bis sie bei Luhe wieder an die A 93 heranrückt.

Lärmschutz für jedes Haus?

Die meisten Fragen der Online-Zuhörer drehten sich erwartungsgemäß um den Lärmschutz. Den Worten Leißners zufolge lässt die Bahn ein Lärmschutzgutachten erstellen, das sich an der aktuellen Bundesimmissionsschutzverordnung orientiere. „Abgespeckte Lösungen“ an der Strecke werde es nicht geben. Der Altenstädter CSU-Gemeinderat Dominik Baschnagel fragte, ob der Lärmschutz tatsächlich für jedes Anwesen optimiert werde. Grundsätzlich werde jedes Gebäude einzeln betrachtet, sagte Leißner, bis hin zu den einzelnen Räumen. Ein Zuschauer fragt nach dem Erschütterungsschutz, sein Haus bebe jetzt schon bei einem schwereren Güterzug. Laut Leißner würden dann Maßnahmen zur Reduzierung von Erschütterungen getroffen, wenn man die gesetzlichen Grenzwerte überschreite, davon gehe er jedoch derzeit nicht aus.

Abgesehen von baulichen Lärmschutzmaßnahmen kämen jedoch auch neue Bremsklötze in den Zügen zum Einsatz, die sogenannten Flüsterbremsen, die die Bremsgeräusche in etwa halbierten, sagt Leißner. Die Frage Erik Kuhrs vom Forum Bahnlärm Altenstadt, ob es in den Nachtstunden Geschwindigkeitsbeschränkungen für Güterzüge geben werde, verneint Leißner; Kuhr schreibt, es sei „wahnsinnig“, wie sich der Lärmpegel ändere, wenn die Güterzüge nicht mit Höchstgeschwindigkeit vorbeiführen.

An Lärmschutz führt kein Weg vorbei

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Kein Nachtfahrverbot

Der Neustädter FW-Kreisrat Karl Meier fragt nach der Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke. Die bleibt laut Leißner bei 160 km/h für Personenzüge und 120 km/h für den Güterverkehr; es gebe Güterzüge, die 160 km/h fahren könnten, das sei aber eher die Ausnahme. Die Zahl der Güterzüge werde sich „deutlich erhöhen“, von den derzeit zwischen sechs und acht Güterzügen am Tag auf 55 bis 60, gab Leißner auf eine weitere Nachfrage aus dem Forum Bahnlärm zu. Auch die Frage des Luhe-Wildenauer Bürgermeisters Sebastian Hartl nach einem Nachtfahrverbot verneinte Leißner. Man sei angewiesen darauf, die Strecke wegen des gewünscht erhöhten Nahverkehrs tagsüber insgesamt 24 Stunden befahrbar zu halten.

Corona-bedingt nur online: Die Bahn informiert über die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Wiesau und Luhe und beantwortet Fragen der Zuschauer.

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